Silicon Valley:"Blackbox der Unanständigkeit"

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Ellen Pao, Therese Lawless

Ellen Pao hatte vor ein paar Jahren ihren Arbeitgeber im Silicon Valley verklagt. Inzwischen ist sie Partnerin bei der Investmentfirma Kapor Capital im kalifornischen Oakland.

(Foto: AP)

Im Silicon Valley gibt es eine ausgeprägte Macho-Kultur. Das Ausmaß wird erst jetzt bekannt - weil Frauen wie Ellen Pao an die Öffentlichkeit gehen.

Von Kathrin Werner

Lange war Ellen Pao die Einzige. Sie hat allen erzählt, wie es für sie war im Silicon Valley. Von all den kleinen Diskriminierungen, die sie ertragen musste, vom Sexismus. Sie hat sogar geklagt - die Klage allerdings verloren. Pao konnte die Geschworenen nicht davon überzeugen, dass dem Internet-Finanzierer Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB), ihrem Arbeitgeber, tatsächlich eine Widerrechtlichkeit nachzuweisen ist.

Seither kennt jeder im Valley Paos Geschichte. Und die pikanten Details, die im Laufe des Prozesses an die Öffentlichkeit drangen. Etwa wie sich die männlichen Kollegen in einem Privatjet über Porno-Stars austauschten oder wie einer der KPCB-Partner nur mit einem Bademantel bekleidet im Hotelzimmer einer Mitarbeiterin auftauchte.

Frauen fehlen im Silicon Valley. Es gibt einen Mangel an Startup-Gründerinnen und einen noch größeren Mangel an Wagniskapitalgeberinnen, die Startups mit Geld ausstatten. Dass es im Valley eine Macho-Kultur gibt, ist also nichts Neues. Das Ausmaß aber wird nun bekannt. Jetzt, Jahre nach Paos Rechtsstreit, kommt eine Geschichte nach der anderen ans Licht.

"Ich bin ein Widerling"

Eine Gründerin nach der anderen erzählt von Sexismus und sexueller Belästigung, einige der Frauen sind regelrecht attackiert worden von Wagniskapitalgebern, die den Eindruck hatten, das Geld verleihe ihnen genug Macht, um die Gründerinnen ins Bett zu kriegen. Dutzende Startup-Unternehmerinnen haben binnen zwei Wochen ihre Geschichten erzählt, viele von ihnen haben sich getraut, aus der Anonymität zu treten. Sie nennen ihre eigenen Namen und die der Täter.

Cheryl Yeoh ist eine der Frauen, die ausgepackt hat. Sie will kein Detail verschweigen. Denn nur wer die Details hört, kann verstehen, was sexuelle Belästigung wirklich bedeutet. Es ist sonst allzu leicht, das Ganze zu verharmlosen, glaubt sie. "Wenn Fakten und Details nicht veröffentlicht werden, wird die ganze Sache in eine Blackbox der Unanständigkeit gestopft", schreibt sie in ihrem Blog. Es gehe aber um mehr als um Unanständigkeit, es geht um Anmachen, aufgedrängte Küsse, Sex-Erbettelei.

Jetzt diskutiert das Silicon Valley, wie es weitergehen soll. So viele Geschichten sind nun ans Licht gekommen, dass kaum jemand mehr leugnen kann, dass sexuelle Belästigung und Sexismus ein systemisches Problem ist in der Tech-Branche. Hilft eine Selbstverpflichtung oder muss es radikalere Maßnahmen geben?

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