Silber Das Zwitter-Metall

Silber wird von der Industrie gebraucht, von Juwelieren geschätzt und auch von Anlegern begehrt.

Von Simone Boehringer

Wenn ein Produkt nicht so gut läuft, dann wird es in der Regel erst mal stärker beworben. Die Ware Silber läuft seit Jahren schlecht, die Werbung für eine neue Silbermünze aus Südafrikas bekannter Münzprägeanstalt Rand Refinery - dort wird auch die berühmte Goldmünze Krügerrand hergestellt - kam allerdings erst kürzlich und brachte Edelmetallhäusern und Banken sogar neue Kunden. Aber dem Silberkurs brachte das Marketing nichts. Der Preis für eine Unze Silber (31,1 Gramm) liegt schon länger unter 17 Dollar und fiel in den vergangenen Wochen sogar unter 16 Dollar. Zum Vergleich: Zum Höhepunkt der Euro-Krise 2011 hatte eine Unze Silber einmal fast 50 Dollar gekostet, 2016 waren es noch 20 Dollar.

Wie bei anderen Edelmetallen auch, wird der Preis des Silbers mittlerweile zu einem wesentlichen Teil von den Terminmärkten bestimmt. Dort, wo mit Futures und Optionen auf steigende oder eben sinkende Preise gewettet wird. Und "bei Silber überwiegen derzeit ganz massiv die Kontrakte auf sinkende Preise", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Dabei ist der Preis doch schon recht niedrig, auch historisch betrachtet. Verglichen mit Gold sollte Silber normalerweise etwa 50-mal billiger sein als das gelbe Metall. Das ist die Aussage des sogenannten Gold-Silber-Ratios. Demnach benötigte man historisch gesehen im Durchschnitt etwa 50 Unzen Silber, um eine Feinunze Gold aufzuwiegen. Bei einem Goldpreis von derzeit noch etwa 1200 Dollar und einem Silberpreis von knapp 16 Dollar muss ein Anleger momentan 75 Unzen Silber geben für eine Unze Gold. Silber gilt daher schon länger als deutlich unterbewertet. "Viele unserer Kunden sehen vor dem Hintergrund wieder Einstiegskurse. Neun von zehn Kunden sind momentan auf der Käuferseite", heißt es dazu etwa beim Goldhändler Pro Aurum.

Der Silberpreis geht zurück und liegt gerade unter 16 Dollar je Unze. Während der Euro-Krise 2011 war die Silber-Unze fast 50 Dollar wert.

(Foto: Alexander Shcherbak/imago)

Am Markt kommt von dieser Kauflaune der Barren- und Münzen-Fans allerdings wenig an. Das liegt auch daran, dass Silber anders als Gold kein reines Unsicherheits- und Krisenmetall ist, sondern auch in der Industrie stark gefragt ist. Das Research-Unternehmen Gold Fields Mineral Services (GFMS) nennt vor allem den Solarsektor sowie die Halbleiter- und die Elektronikbranche weltweit als große Nachfrager. Zählt man die Schmuckbranche noch hinzu, schätzen Experten, dass gut 50 Prozent der physischen Silbernachfrage aus der Industrie kommt. Daher kann Silber "anders als Gold" immer noch "von einer positiven Konjunkturentwicklung profitieren", schreibt das Rohstoffteam der DZ-Bank in seinem Juli-Report. Ihre Kursprognosen für beide Metalle unterscheiden sich dennoch kaum vom aktuellen Kursniveau.

Zu groß sind angesichts des großen Handelsstreits zwischen China und Amerika die Unsicherheiten um die weltweite Konjunktur. "Wenn die Konjunktur im Zuge eines Handelskrieges wegbricht, sinkt auch der Silberpreis weiter; hält sich die Wirtschaftslage, kann der Preis auch schnell wieder steigen", sagt Weinberg von der Commerzbank. Eine Einschätzung, die viel Interpretationsspielraum lässt. Denn auch hier ist Silber in der Analyse wieder komplizierter als andere Edelmetalle. Der Grund: Silber wird häufig als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer oder anderen Basismetallen gewonnen. Boomt also die Wirtschaft und fragen viele Länder generell größere Mengen an Metallrohstoffen nach, dann erhöht sich automatisch auch die Gewinnung von Silber. In welchem Ausmaß, ist wegen des Status als Beiprodukt aber eben besonders ungewiss. "Der spekulative Charakter von Silberinvestments ist derzeit sehr hoch", ist Weinberg überzeugt.

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Als (krisen-)sichere Anlage ist Silber aus all diesen Unwägbarkeiten nur bedingt geeignet. Von Leitzinssteigerungen wie derzeit in den USA oder Großbritannien einmal ganz abgesehen - die sind immer Gift für Edelmetalle, denn auf Letztere bekommen Anleger ja keine Zinsen. Wenn die Raten steigen, wechseln Investoren daher gerne in verzinsliche Anlageklassen oder auch an den Aktienmarkt, wo in guten Zeiten Dividenden locken.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, in Silber zu investieren

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, in Silber zu investieren: Direkt in Münzen und Barren, wobei hier sieben beziehungsweise 19 Prozent Mehrwertsteuer anfallen - wieder anders als beim Gold, welches wegen des früheren Status als offizielles Zahlungsmittel von der Mehrwertsteuer befreit bleibt. Investieren kann man auch in Silber-ETF, das sind Silberfonds, die ausschließlich in das Edelmetall investieren. Da dies deutschen Regeln für Investmentfonds zuwiderläuft - diese müssen grundsätzlich breit streuen, dürfen also nicht in ein Metall alleine physisch investieren - sind diese Fonds nicht zum breiten Vertrieb zugelassen, dürfen aber von Anlegern ohne Auflagen gekauft werden. Die Anbieter kommen meist aus der Schweiz oder den USA (I-Shares).

Das regulatorisch einfachere Pendant dazu sind die Exchange Traded Commodities (ETC). Sie sind in Deutschland zum Publikumsvertrieb zugelassen, aber dafür als Zertifikate konstruiert, das ist rechtlich eine Schuldverschreibung. Solange bei den jeweiligen Anbietern jedoch eine physische Hinterlegung des ETC-Volumens vorgesehen ist, also für jeden angelegten Euro der Kunden auch tatsächlich Silberbarren gekauft werden, wird das Insolvenzrisiko dieser Anbieter von Experten überwiegend als sehr gering eingeschätzt. In Deutschland gibt es eine große Auswahl an Silber-ETC, zu den großen Anbietern gehören die Deutsche Bank und ETF Securities. Zudem gibt es die Möglichkeit, in Aktien großer Minengesellschaften zu investieren. Dies bietet sich aber nur an, wenn Anleger breit auf Bergbau und Metallrohstoffe setzen möchten. Zu dem allgemeinen Preisrisiko tritt noch das Aktienkursrisiko. Zu Absicherungszwecken sind Minenaktien daher nicht geeignet.