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Siemens:Vom Roten Meer zum Mittelmeer

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Noch ist hier in der Wüste von Ägypten nicht viel los, in Zukunft soll hier eine Schnellzugverbindung gebaut werden.

(Foto: Joerg Boethling/Imago)

Siemens bekommt in Ägypten einen Milliardenauftrag für ein Schnellzug-Projekt.

Von Thomas Fromm

Als die EU-Kommission vor zwei Jahren die geplante Fusion der Zugsparte von Siemens mit dem französischen Alstom-Konzern wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken untersagte, war das für die Münchner ein schwerer Schlag. Der Plan, einen "Airbus der Schiene" zu schaffen und dafür die Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV aus einer Hand anzubieten, galt als große Chance, um sich gegen die mächtige Großkonkurrenz aus China zur Wehr zu setzen. Als sich Alstom dann daran machte, für rund fünf Milliarden Euro die Bahnsparte von Bombardier zu übernehmen, um so zum zweitgrößten Zughersteller der Welt aufzusteigen, war klar: Es wird für Siemens in Zukunft nicht unbedingt einfacher auf dem Weltmarkt werden. Im Herbst dann war es Siemens-Zugspartenchef Michael Peter, der sich selbst Mut machte und vor Journalisten sagte: "Wir werden in den nächsten drei Jahren sicher die Chance haben, Marktanteile zu gewinnen, weil so eine Fusion auch Kraft kostet."

Tatsächlich geht es auch ohne Partner. Siemens hat nach Reuters-Informationen in Ägypten einen Auftrag im Volumen von sieben Milliarden Dollar für ein Schnellzug-Projekt an Land gezogen. Dies ist Teil des Vertragsabschlusses zum Bau einer Schnellzugverbindung mit einem Volumen von 23 Milliarden Dollar, den die ägyptischen Regierung am Donnerstag bekannt gab. Der Siemens-Anteil an dem ersten Bauabschnitt soll drei Milliarden Dollar betragen.

Die Strecke soll von Ain Sochna am Roten Meer bis nach New Alamein an der Mittelmeerküste und dabei durch die geplante neue Hauptstadt in der Wüste östlich von Kairo führen. Der Vertrag wurde in Kairo unterzeichnet, mit dabei: Ägyptens Präsident Abdel-Fattah al-Sisi. Wie in der Branche üblich, soll es auch bei dem Geschäft in Ägypten einen heftigen Bieterstreit gegeben haben. Mitkonkurrenten waren der chinesische Weltmarktführer CRRC und Alstom aus Frankreich.

Für die Bahnsparte von Siemens kommt der Auftrag aus mehreren Gründen zur richtigen Zeit. Wegen der Fusion der Konkurrenten Alstom und Bombardier, aber auch wegen der Lage am Markt: Die Zugbranche hat die Einschränkungen der Corona-Pandemie zuletzt voll ab bekommen, Aufträge brachen ein. Allerdings werden gerade noch Aufträge aus der Vergangenheit abgearbeitet und umgesetzt.

Nachdem bei Siemens nach der Medizintechniksparte Healthineers auch das Energiegeschäft abgespalten und an die Börse gebracht wurde, lebt der Konzern heute vor allem von Geschäften rund um Digitalisierung, Automatisierung und Zügen. Die Börse honorierte den Deal allerdings nicht: Die Siemens-Aktie lag bei rund 122,20 Euro leicht im Minus.

© SZ vom 15.01.2021
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