Mobilität:Siemens investiert in Software

Siemens presents its new high-speed train âÄ" the 'Velaro Novo' / Siemens präsentiert den neuen Hochgeschwindigkeitszug 'Velaro Novo'

Mit 300 km/h durch die Landschaft: Ein Hochgeschwindigkeitszug von Siemens. Nun bekommt die Zugsparte Zuwachs.

(Foto: Unternehmen)

Auf dem Weg zum Digitalkonzern: Das Unternehmen übernimmt für eine halbe Milliarde Euro ein digitales Buchungssystem für Busse und Züge.

Von Thomas Fromm

Erst einmal berichtet Roland Busch von den Dingen, die ihn gerade beschäftigen. Von den Bildern der Hochwasserkatastrophe und den vielen Waldbränden. Bilder, die zeigten, "wie wichtig der Kampf gegen den Klimawandel ist", sagt der Siemens-Chef. Dann kommt er auf den eigenen Konzern zu sprechen, er hat gute Nachrichten mitgebracht. Den Gewinn zum Beispiel hat der Konzern im vergangenen Quartal auf 1,5 Milliarden Euro verdreifacht, die Jahresprognosen wieder einmal angehoben. Die hohen Millionenverluste bei der früheren Energiesparte, die heute als Siemens Energy selbst an der Börse ist und an der Siemens noch immer an die 35 Prozent hält, kommentiert Busch so: "Wir waren nicht erfreut."

Vor allem aber will der Siemens-Chef darüber sprechen, wie er das neue Siemens, das nach der Abspaltung vor einem Jahr ohne seine Energietechnik da steht, weiterentwickeln will. Zum Beispiel, indem er die Zugsparte mit einem großen, strategischen Kauf ausbaut: 550 Millionen Euro lässt sich Siemens die Übernahme eines niederländischen Buchungssystems kosten. Die Münchner übernehmen die 2002 in Enschede gegründete Firma Sqills, die cloudbasierte Software für Reservierungen, Fahrkartenkauf und Buchungsmanagement für Bahn- und Omnibusbetreiber anbietet. "Es werden mehr Menschen in Busse und Bahnen einsteigen", sagt Busch - ein lukratives Geschäft also.

Sqills rechnet für das nächste Jahr mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro

Das digitale Buchungssystem soll für eine bessere Auslastung der Züge und Busse sorgen, was dann wiederum den Anbietern des öffentlichen Verkehrs bei ihren Planungen helfen soll. "Um die Fahrgastzahlen auf der Schiene signifikant zu steigern und die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, müssen Bahnbetreiber ihren Fahrgästen bessere Tools bereitstellen, mit denen sie alle angebotenen Dienstleistungen einfach ermitteln und nahtlos nutzen können", so Siemens-Mobility-Vorstand Michael Peter.

Das soll sich auch in Zahlen niederschlagen: Für das nächste Jahr rechnet Sqills damit, mit seinen 160 Mitarbeitern einen Umsatz von 40 Millionen Euro einzufahren. Und setzt dabei auf Kunden wie die französische SNCF, Irish Rail und den Betreiber der Hochgeschwindigkeitszüge vom europäischen Festland nach London, Eurostar. Auf Seiten der Niederländer gibt es ein klares Kalkül: Man erhofft sich vom Einstieg des internationalen Technologiekonzerns eine Ausweitung des Geschäfts in die USA und nach Asien. Für Siemens passt die Firma dagegen perfekt in den Plan. Vorstandschef Roland Busch hat erst kürzlich eine neue Strategie präsentiert; er will Siemens in einen Digitalkonzern umformen und sucht nach Möglichkeiten, verstärkt über Software zu wachsen. Das Geschäft soll dabei vom Verkauf von Lizenzen auf ein Abo-Modell ("Software-as-a-service") umgestellt werden.

© SZ
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