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Siemens:Mit Siemens gehen gut bezahlte Jobs

Die Zukunft hat am Tag eins nach Verkündigung der Grausamkeiten begonnen. Ab jetzt hängt es nicht nur an den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern - auch mit Politikern muss sich der große Konzern nun auseinandersetzen, vor allem in den Regionen, in denen die Kürzungen am meisten weh tun.

Zum Beispiel in Görlitz. Landrat Bernd Lange spricht von einem "weiteren Tiefschlag" für eine Region, in der es neben Siemens nur noch zwei Industriebereiche gebe: die Braunkohle und das Bahntechnikwerk von Bombardier. Alles stehe jetzt "zur Debatte". Zum Ausstieg aus der Braunkohle käme die Unsicherheit der Bombardier-Standorte; jetzt auch noch der Schließungsbeschluss aus der Münchner Siemens-Zentrale. Landrat Lange rechnet vor: Für jeden Arbeitsplatz bei Siemens dürften zwei weitere bei Zulieferern wegfallen. Betroffen bei Siemens seien 900 Beschäftigte und an die 60 Leiharbeiter. "Das bedeutet: Zusätzlich dürften 1500 bis 2000 weitere Stellen allein im Umfeld von Görlitz betroffen sein."

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Mit Siemens gingen gut bezahlte Jobs, dies könnte die ohnehin schwache Region noch weiter in die Krise treiben. "Görlitz hat sachsenweit ohnehin die höchste Arbeitslosenquote", sagt Lange. "Im Landkreis liegt die Quote bei 8,5 Prozent, in der Stadt Görlitz liegt sie bei mehr als 13 Prozent. Nach den Entlassungen wird es noch weit schlimmer aussehen." Oder, wie es der Präsident des sächsischen Mittelstandsverbands (BVMW), Jochen Leonhardt, sagt: Es bestehe nun die Gefahr, "dass die Siemens-Fachkräfte abwandern und dass die Region noch mehr ausblutet".

Wut, Enttäuschung und eine Videoschalte: Nachdem am Donnerstag zuerst der Wirtschaftsausschuss und die Arbeitnehmervertreter in München informiert wurden, ging es am Freitag über Bildschirme an die Standorte. In Görlitz musste das Treffen unterbrochen werden, weil die Mitarbeiter spontan protestierten. Hunderte von ihnen gingen vor das Werkstor, trommelten, pfiffen, protestierten.

Es regnet, wie gesagt, gerade in Strömen auf diesen Konzern. Die Siemens-Spitze bleibt bei ihrem Kurs, die anderen sind wütend. Wie hier ein Kompromiss zustande kommen soll? Die demonstrierenden Mitarbeiter zitieren am Freitag jedenfalls den Siemens-Gründer Werner von Siemens: "Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht."

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