bedeckt München 24°
vgwortpixel

Korruption:FBI ermittelt offenbar gegen Siemens in Brasilien

FILE PHOTO: A sign of Germany's industrial group Siemens AG is pictured at a primary rolling mill of Germany's largest steel factory of ThyssenKrupp Steel AG in Duisburg

Hat Siemens sich lukrative Aufträge erkauft? Das Unternehmen muss sich in Brasilien deshalb Ermittlungen stellen.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Wegen Bestechungszahlungen an Beamte sollen brasilianische und US-amerikanische Behörden 20 Firmen ins Visier genommen haben, darunter Siemens und Philips.

Siemens und andere große Medizintechnik-Anbieter sind Insidern zufolge wegen angeblicher Bestechungszahlungen an Beamte ins Visier der brasilianischen Behörden und der US-Bundespolizei FBI geraten. Die Ermittler verdächtigen die Hersteller, sich zwei Jahrzehnte lang lukrative Aufträge aus dem staatlichen Gesundheitssystem, etwa für Magnetresonanztomografen (MRT) oder Prothesen, mit Kickback-Zahlungen an Staatsbedienstete erkauft zu haben, wie zwei mit der Affäre vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Mehr als 20 Firmen sollen Teil des "Kartells" gewesen sein, die bekanntesten darunter sind Siemens, Philips, Johnson & Johnson und GE. Wegen der Bestechungsgelder seien die medizinischen Geräte bis zu achtmal so teuer verkauft worden wie angemessen.

Bundesstaatsanwältin Marisa Ferrari bestätigte in einem Interview mit Reuters die Ermittlungen, sie nannte aber nicht die Namen der verdächtigten Unternehmen. "Weil das Budget für das staatliche Gesundheitssystem in Brasilien so groß ist, geht es um wirklich große Summen", sagte sie. "Dieser erste Fall ist nur die Spitze des Eisbergs." Die US-Behörden interessieren sich für die Fälle, weil den betroffenen Firmen auch in den USA empfindliche Strafen drohen, wenn sie in Brasilien bestochen haben. Siemens erklärte, man wisse nichts von Ermittlungen des FBI, auch die Bundespolizei selbst gab keine Bestätigung.

Der Münchner Konzern hat seine Medizintechnik-Sparte Siemens Healthineers vor gut einem Jahr an die Börse gebracht. Vorstandschef Joe Kaeser hat dem Konzern nach einer Reihe von Skandalen eine Null-Toleranz-Politik bei Korruption verordnet.