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Fridays for Future:Klimaaktivistin Neubauer lehnt Siemens-Posten ab

  • Siemens-Chef Joe Kaeser hat am Freitag zwei Vertreter der Bewegung Fridays for Future getroffen. Bei dem Treffen ging es um ein umstrittenes Kohleprojekt in Australien, für das Siemens Zug-Signaltechnik liefern soll. Am Montag will Siemens über seine Beteiligung entscheiden.
  • Firmenchef Joe Kaeser hatte der Klimaaktivistin Luisa Neubauer einen Posten im Aufsichtsrat von Siemens Energy angeboten. Neubauer lehnte dieses Angebot inzwischen ab.

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer will den angebotenen Sitz im Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy nicht haben. Doch sie macht Siemens-Chef Joe Kaeser einen anderen Vorschlag: "Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können, habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der Scientists for Future weiterzugeben", sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und Fridays for Future gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren." Bei Scientists for Future sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen organisiert, die die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future unterstützen.

Der Vorschlag Neubauers, diesen Sitz an einen Experten abzutreten, sei zwar "gut gemeint", teilte Kaeser am Sonntag in München mit. "Aber Experten und Wissenschaftler haben wir schon genug." Dabei betonte Kaeser, das Siemens mit Frau Neubauer und allen Menschen, die den Klimawandel als Bedrohung sehen, auf einer Seite stünde.

Unternehmen Siemens stellt Beitrag zu umstrittenem Kohleprojekt in Australien in Frage
Proteste von Klimaaktivisten

Siemens stellt Beitrag zu umstrittenem Kohleprojekt in Australien in Frage

Beim Treffen mit Vertretern von Fridays for Future verspricht Siemens-Chef Kaeser, intensiv abzuwägen - und bietet der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer einen Posten im Aufsichtsrat von Siemens Energy an.   Von Michael Bauchmüller

Für die Lösung der Umweltprobleme brauche es aber Führungspersönlichkeiten, die zielkonfliktäre Systeme verstehen und auflösen", begründete er die Ablehnung des Vorschlags. So habe es beim Klimagipfel in Madrid genügend Experten gegeben, "aber viel zu wenig von diesem Leadership. Das Ergebnis spricht für sich selbst".

Deswegen bedaure Kaeser die Entscheidung der Klimaaktivistin, den angebotenen Sitz nicht anzunehmen, respektiere aber ihre Entscheidung. "Sie hätte an der Lösung der von der Fridays-for-Future-Bewegung zu Recht adressierten Klimaproblematik mitgestalten können und dabei auch Einblicke in komplexe unternehmerische Zusammenhänge bekommen", fügte Kaeser hinzu.

Kaeser hatte Neubauer am Freitag bei einem Gespräch über ein umstrittenes Kohleprojekt in Australien einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten. Ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, könne Neubauer selbst entscheiden, sagte er. Siemens will sein Energiegeschäft im Frühjahr als Siemens Energy abspalten und voraussichtlich im September an die Börse bringen.

Sie kenne das Aktienrecht, erklärte Neubauer ihre Entscheidung. "Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren. Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren." Sie sei dem Pariser Klimaabkommen und dem 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. "Am Beispiel Joe Kaeser sieht man diese Tage, dass diese unabhängige Rolle dringend gebraucht wird."

Siemens will bis Montag über die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien entscheiden. Die Adani Group mit Hauptsitz in Indien will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Neben dem Klimaschutz geht es dabei auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

"Ich kann bestätigen, dass Joe Kaeser über die desaströsen Konsequenzen der Kohleförderung durch die Adani Mine Bescheid weiß", sagte die 23-Jährige. Er wisse, dass die Emissionen durch die Kohle aus der Mine im schlimmsten Fall das Ziel gefährdeten, die Klimaerhitzung auf zwei Grad zu begrenzen, und die direkten Auswirkungen der Adani Mine für die Umwelt zerstörerisch seien. "Er hat im Gespräch zugegeben, dass es ein Fehler war, den Vertrag mit Adani zu unterschreiben", sagte Neubauer. "Ein CEO wie Kaeser macht dann nicht den zweiten Fehler und hält an einem so katastrophalen Handel fest - sondern revidiert den Fehler."

Auch Greta Thunberg äußerte sich zur Rolle von Siemens

Kaeser hatte am Freitag gesagt, die Entscheidung sei nicht einfach. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen - von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft. Er zeigte sich dem eigenen Unternehmen gegenüber auch kritisch: "Wir sehen, dass wir auch indirekte Beteiligungen bei kritischen Projekten besser verstehen und frühzeitig erkennen müssen." Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Siemens habe für das Adani-Projekt eine Schlüsselrolle, sagte Neubauer. Zwei Firmen, die für den Auftrag auch infrage kämen, hätten schon abgesagt. Es gehe nicht zusammen, sich als Klimaschutzkonzern zu verstehen und zum Pariser Klimaabkommen zu stehen, aber gleichzeitig bei einem Minenprojekt mitzuwirken, dass die Klimaziele gefährde. Der Bild am Sonntag sagte sie: "Diese Mine ist das schlimmste Kohleminenprojekt der westlichen Welt."

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg schaltete sich in die Kontroverse ein: Es erscheine so, dass Siemens die Macht besitze, den Bau zu stoppen, zu verzögern oder zumindest zu unterbrechen, schrieb sie am Samstag auf Twitter. "Am Montag werden sie ihre Entscheidung bekannt geben. Bitte helft dabei, sie dahin zu bringen, dass sie die einzig richtige Entscheidung treffen."

© SZ.de/dpa/vd
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