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Siemens:Kleinfeld im Visier

Die Korruptionsaffäre holt die frühere Siemensführung wieder ein: Gegen Ex-Siemenschef Kleinfeld soll die US-Börsenaufsicht ermitteln.

Die Korruptionsaffäre bei Siemens zieht weitere Kreise: Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt angeblich gegen den früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Das berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf eine US-Kanzlei, die mit dem Fall betraut sei.

Kleinfeld, AP

Kleinfeld soll für die Geschäftsjahre 2005 und 2006 der US-Behörde eine "korruptionsbeeinflusste Bilanz" vorgelegt haben.

(Foto: Foto: AP)

Ebenfalls in Vorbereitung seien Ermittlungen der Aufsichtsbehörde gegen Kleinfelds Vorgänger Heinrich von Pierer und den langjährigen Finanzchef Joachim Neubürger, schreibt das Magazin.

Kleinfeld sei ins Visier der Ermittler geraten, weil er für die Geschäftsjahre 2005 und 2006 der US-Behörde eine "korruptionsbeeinflusste Bilanz" vorgelegt habe und er als in den USA lebender Chef des dort börsennotierten Aluminiumunternehmens Alcoa im Einflussbereich der SEC sei.

"Mit Kleinfeld werden sich die Ermittlungen auch auf Vorgänger von Kleinfeld, den früheren Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Finanzchef Neubürger ausdehnen", zitiert das Blatt einen mit der Sache betrauten Anwalt.

Streit um Schadenersatz

Unterdessen werde im Siemens-Aufsichtsrat um die Höhe der Schadenersatzforderung gegen die früheren Vorstände gefochten, heißt es weiter. Arbeitnehmervertreter seien für möglichst hohe Forderungen an Pierer und Kleinfeld. Die Kapitalseite wolle den Altvorständen indes nur eine symbolische Summe abverlangen.

Daneben sollen rund zwei Dutzend Ex- Angestellte im In- und Ausland gegen ihre fristlose Kündigung oder Beendigung ihrer Verträge in Folge des Schmiergeldskandals geklagt haben, berichtet der Spiegel . Darunter sei auch der ehemalige Finanzchef der Kommunikationssparte, Michael Kutschenreuter.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins schickte der Konzern dem einstigen Top-Manager, der sich ab Herbst vor dem Münchner Landgericht wegen des Vorwurfs der Bestechung und Untreue verantworten muss, im Dezember 2007 vier fristlose Kündigungen.

Das Münchner Oberlandesgericht erklärte sie in der Zwischenzeit allesamt für unwirksam, da Siemens wichtige Fristen versäumt habe. Sollten die Streitparteien sich nicht einigen, muss sich demnächst der Bundesgerichtshof mit dem Fall beschäftigen.

Schnelle Züge für die USA

Zuversicht darf Siemens allerdings an der Verkaufsfront schöpfen: Das Unternehmen erwägt nach Angaben des Spiegels gemeinsam mit der Deutsche Bahn den Einstieg in das US-Eisenbahn-Geschäft. Anlass sei das US-Konjunkturprogramm, das Milliardeninvestitionen in die marode Bahn-Infrastruktur mit insgesamt elf Projekten vorsieht.

Die US-Regierung will unter anderem Hochgeschwindigkeitstrassen zwischen Metropolen wie Miami und Orlando sowie San Francisco und Los Angeles bauen.

In einem deutschen Konsortiums könnte Siemens Züge und Verkehrstechnik liefern, während die Bahn sich als Betreiber bewerben könnte. Die konzerneigene Consulting-Firma DB International beschäftigt sich bereits mit dem Projekt.

Bei der Bahn wird die US-Zusammenarbeit mit Siemens allerdings an eine Bedingung geknüpft: Beide Unternehmen streiten nach dem ICE-Achsen-Debakel noch darüber, wer die Kosten für den Austausch der problematischen Bauteile übernehmen soll.

In dieser Streitfrage hatten sich Bahn-Chef Rüdiger Grube und Siemens-Chef Peter Löscher zuletzt angenähert. Dennoch heiße es bei der Bahn: "Solange diese Kuh nicht vom Eis ist, wird es keine gemeinsamen US-Pläne geben."

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