Siemens Siemens-Chef Kaeser sorgt mit Versprechen an Trump für Ärger

US-Präsident Donald Trump und Siemens-Chef Kaeser beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Foto: REUTERS)
  • Beobachter sprechen von schlechtem Timing. Während in Deutschland der Abbau von Jobs droht, verspricht der Konzern-Chef dem US-Präsidenten Investitionen in den USA.
  • Und noch etwas verwundert: Der Plan, den Kaeser Trump als neu verkauft, ist seit Juni bekannt.
Von Thomas Fromm

Auf der Facebook-Seite der Siemens-IG-Metaller wird mit Häme nicht gespart. "Ich hab die ganze Zeit das Logo der 'Heute Show' gesucht", schreibt einer. "Ist das wirklich sein Ernst?" Ein anderer schreibt von der "Donald-Joe-Lovestory", ein anderer vom "Dreamteam des Raubtierkapitalismus". Ironisch und mit großer historischer Anspielung der Satz: "Niemand hat die Absicht, Fertigung ins Ausland zu verlagern." Ganz großes Kino, und das nur, weil Siemens-Chef Joe Kaeser beim Weltwirtschaftsforum von Davos zum Abendessen mit US-Präsident Donald Trump gegangen ist und dort Investitionen versprochen hat. Ein Abend, von dem feststeht: Weder das Timing war gut noch die Botschaft.

Eigentlich hätte sich Kaeser vorher denken können, dass es nicht gut ankommt, wenn er ein paar Tage vor der Hauptversammlung des Konzerns dem US-Präsidenten Investitionen verspricht, während zur gleichen Zeit zu Hause über den Abbau Tausender Jobs in der Kraftwerkssparte gestritten wird.

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Szenen des Abendessens vom Donnerstagabend: Am Tisch mit Trump saßen 15 Topmanager aus Europa, darunter Siemens-Chef Joe Kaeser und SAP-Boss Bill McDermott, die beide direkt neben den Präsidenten platziert wurden. Der Präsident wirbt für Investitionen in seinem Land, und die Manager machen mit bei dieser Runde. "Glückwunsch zur Steuerreform", sagt Kaeser zu Trump.

Niedrigere Steuersätze für Konzerne - so etwas finden alle Vorstandsvorsitzenden gut, vor allem wenn man wie Siemens fast 20 Milliarden Euro in dem Land umsetzt, gut ein Viertel des Umsatzes insgesamt. Dann aber ging Kaeser noch einen Schritt weiter und berichtete, dass man eine neue Generation von Gasturbinen in den USA entwickeln werde. "Oh, das ist fantastisch", antwortet der Präsident, schwer beeindruckt von dem Gast aus München.

Das Versprechen ist keine Neuigkeit

Im Unternehmen rücken sie die Dinge zurecht und sagen, dass die Gasturbinen, die man zusammen mit dem lokalen Energieversorger Duke Energy entwickelt, andere Turbinen seien als etwa die Dampfturbinen am Standort Görlitz, der von der Schließung bedroht ist. Dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe und man in den USA für den lokalen Markt entwickle und produziere, da man es hier ja auch mit anderen Stromnetzen zu tun habe.

Schon im Juni vergangenen Jahres hatten Siemens und Duke Energy eine "Technologiepartnerschaft zur Entwicklung fortschrittlicher Gasturbinentechnik" vereinbart. Schon damals hieß es in einer gemeinsamen Presseklärung, die "Gasturbinenentwicklung in Charlotte" stärke "regionales Wirtschaftswachstum".

Eine Überraschung war das Versprechen von Davos also nicht - und eine Neuigkeit schon gar nicht. Was die Sache mit der neuesten Steuerreform des Präsidenten zu tun hat, ist ebenfalls rätselhaft. Und doch dürfte das Ganze beim Aktionärstreffen am Mittwoch ein großes Thema werden: In Deutschland wird kräftig gestrichen, in North Carolina dagegen groß investiert.

War es gar eine versteckte Botschaft an die Arbeitnehmer?

Wollte da nur einer seine Geschäfte im Trump-Land USA absichern? Oder war es, wie einige vermuten, eine nur mäßig verklausulierte Botschaft an die Arbeitnehmervertreter, mit denen man gerade über die Zukunft von Kraftwerksstandorten in Deutschland verhandelt: "Wir können auch anders, wir sind auf dem Weltmarkt unterwegs, und wir haben übrigens auch genug in den USA zu tun"?

Dass der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Klaus Abel, kritisierte, Kaesers Äußerungen seien wegen der Sorgen der Menschen um ihre Arbeitsplätze "unverantwortlich", zeigt: Dieser Schuss in den Schweizer Alpen ging nach hinten los. "Clever ist das alles nicht", sagt ein IG-Metaller. Aber vielleicht denke "Kaeser sich nicht mal etwas dabei". Sich nichts dabei denken - das wiederum ist bei Joe Kaeser schwer vorstellbar.

Der Konzern befindet sich in einer Umbauphase

Am Mittwochmorgen, um kurz nach sieben Uhr, beim ersten Pressetermin des Siemens-Chefs in der Münchner Olympiahalle, werden sie schon auf ihn warten: Einige Hundert Siemensianer wollen ein Spalier mit Transparenten vor der Halle bilden, um gegen die Kürzungspläne in der Kraftwerkssparte zu demonstrieren. Wegen der immer geringer werdenden Nachfrage sollen in der Kraftwerks- und Antriebstechnik weltweit fast 7000 Stellen gestrichen werden, rund die Hälfte davon in Deutschland. Die Werke in Görlitz und Leipzig dürften im Zuge der Kürzungen geschlossen werden; gekürzt wird in Berlin, Offenbach und Erfurt.

Kaeser hat eigentlich also ganz andere Probleme als Gasturbinen aus Charlotte. Dazu kommt: Er baut den Konzern gerade massiv um; unter anderem soll demnächst das Medizintechnikgeschäft an die Börse gebracht werden. Eine ungünstige Zeit für große Versprechen bei Abendessen in kleinem Kreis.

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