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Joe Kaeser:Siemens-Chef plant Besuch in Saudi-Arabien

Siemens präsentiert Jahreszahlen

Am 26. November soll Kaeser beim Ölkonzern Saudi Aramco auftreten - wenn nichts dazwischen kommt.

(Foto: Sven Hoppe, dpa)
  • Im Oktober hatte Joe Kaeser eine Reise nach Saudi-Arabien in letzter Minute abgesagt. Grund war der öffentliche Druck nach der mutmaßlichen Ermordung eines Journalisten durch ein saudi-arabisches Killerkommando.
  • Nun plant der Siemens-Chef erneut eine Reise in das Land. Doch auch sie könnte wackeln, denn die US-Regierung steht offenbar kurz davor, die Verantwortlichen für den Mord im Konsulat zu nennen.

In Saudi-Arabien hat man den Siemens-Chef fest eingeplant: Am Montag, 26. November, soll Joe Kaeser bei einer Podiumsdiskussion mit dem Thema "Vision 2030: Lokalisierung und Industrie-Wachstum" teilnehmen. Beginn der Runde: 13.45 Uhr. Dauer: eine Stunde. Ort: das Dhahran Expo Center, Dammam, Heimat des weltgrößten Ölproduzenten Saudi Aramco. Kaeser wäre hier in guter Gesellschaft: Laut Programm haben sich unter anderen Lorenzo Simonelli von der Erdöl-Service-Gesellschaft Baker Hughes (General Electric), Paal Kibsgaard vom Ölfeld-Ausrüster Schlumberger und Jeffrey Miller vom Öl-Dienstleister Halliburton angemeldet.

"Vision 2030", das ist das wohl größte Reform- und Wirtschaftsprogramm in der Geschichte des Königreichs. Unter anderem geht es darum, die Abhängigkeit vom Erdöl zu überwinden, aber auch um Milliardeninvestitionen in neue Formen der Energiegewinnung, Gesundheit oder Infrastruktur. Für einen Technologiekonzern wie Siemens, der mit all diesen Geschäften sein Geld verdient und vor vier Jahren für 5,8 Milliarden Euro den US-Kompressorenhersteller und -Ölbohrausrüster Dresser-Rand gekauft hat, ist das eigentlich ein Pflichttermin. Denn, so das Credo Kaesers: Irgendjemand muss und wird hier am Ende auch die Milliardendeals abschließen. Wenn nicht er, dann jemand anderes. Nun gehört es zum Wesen von Managern, dass sie lukrative Aufträge nur ungern jemand anderem überlassen - zumindest nicht freiwillig.

Allerdings hat die Reiseplanung für die letzte Novemberwoche eine Vorgeschichte: Wegen des brutalen Mordes an dem kritischen Journalisten Jamal Ahmad Khashoggi, der von einem eigens angereisten saudischen Killerkommando in einem Istanbuler Konsulat getötet und zersägt worden sein soll, hatte Kaeser vor einigen Wochen den Besuch einer Investorenkonferenz in Riad abgesagt - allerdings erst in letzter Minute, nachdem schon viele andere Industrievertreter einen Rückzieher gemacht hatten. Nach der Reisestornierung ist vor der nächsten Saudi-Arabien-Reise, hätte man damals wohl sagen können: Denn dass Kaeser jetzt überhaupt nicht mehr zu einem Trip auf den Milliardenmarkt aufbrechen würde, konnte sich niemand vorstellen - am wenigsten wohl er selbst.

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Es sei "die sauberste Entscheidung, wenn auch nicht die mutigste", schreibt Kaeser. Seine Erklärung legt nahe, dass er sich zu einer Absage gedrängt fühlte.

Der CIA soll den Kronprinzen höchst persönlich mit der Tat in Verbindung bringen

Nun aber könnte auch die nächste Reise auf der Kippe stehen: Denn die US-Regierung steht offenbar kurz davor, die Verantwortlichen für den Mord im Konsulat zu nennen. Ein "vollständiger Bericht" darüber, "wer es getan hat", werde Montag oder Dienstag abgeschlossen, kündigte US-Präsident Donald Trump an. Der US-Geheimdienst CIA soll davon ausgehen, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hinter der Ermordung Khashoggis steckt oder zumindest darüber informiert gewesen war. Darf man mit diesem Monarchen oder dessen engen Vertrauten dann noch Milliardengeschäfte abschließen?

"Es ist die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste", schrieb Kaeser schon im Oktober zu seiner Terminabsage. Es sei "keine Entscheidung gegen das Königreich oder dessen Volk", aber zuerst müsse "die Wahrheit" herausgefunden werden. So ähnlich läuft die Argumentation auch diesmal. Kaeser wolle "nicht das ganze saudische Volk für die Tat verantwortlich machen und in Sippenhaft nehmen", heißt aus der Siemens-Zentrale. Es gehe jetzt darum, miteinander im Gespräch zu bleiben, aber eben auch um Recht. Daher: Hundertprozentig entschieden sei Kaesers Arabien-Reise noch nicht.

Vieles wird nun wohl davon abhängen, wie der Bericht aussieht, den die Amerikaner zum Wochenanfang vorlegen. Sollte es klare Belege für eine Schuld des Prinzen geben, könnte Kaesers Reiseplanung noch einmal durcheinandergeraten.

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