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Morddrohungen an Siemens-Chef Kaeser:"Der Teufel hat jetzt auch E-Mail"

Siemens präsentiert Jahreszahlen

"Es gibt lediglich Anzeichen, dass sogar in der Hölle die Digitalisierung Einzug gehalten hat", twittert Siemens-Chef Joe Kaeser.

(Foto: Sven Hoppe, dpa)
  • Siemens-Chef Joe Kaeser ist mit pointierten Stellungnahmen zu aktuellen Themen eine Ausnahme in der deutschen Industrielandschaft.
  • Nun hat er eine Morddrohung aus mutmaßlich rechtsextremen Kreisen veröffentlicht.
  • In der Hassmail heißt es unter anderem wörtlich: "Typen wie Dich brauchen dringend eine Behandlung wie Lübcke".

Neulich hat Joe Kaeser seine Mitarbeiter über den hausinternen Social-Media-Kanal gefragt, wie sie es finden, dass er sich so oft politisch äußert. Wollen die Kollegen einen Siemens-Chef, der klare Kante zeigt? Oder hätten sie lieber einen, der politische Stellungnahmen und das Amt des Vorstandsvorsitzenden klar trennt? Die Antwort, heißt es aus Konzernkreisen, sei ziemlich eindeutig gewesen: Etwa 90 Prozent der Befragten fänden es richtig, dass Kaeser ein politischer Vorstandschef ist.

Der Chef selbst hatte die Frage übrigens schon vor einem Jahr in einem Beitrag auf Linkedin beantwortet: "Ein CEO kann, darf, soll politisch sein. Manchmal muss er sogar politisch sein, wie ich finde." Zum Wochenende nun ging Kaeser wieder einmal in die politische Offensive und nutzte dabei wie schon so oft zuvor Twitter, um Tagesaktuelles zu veröffentlichen. Diesmal allerdings lagen die Dinge etwas anders als in der Vergangenheit: Der Siemens-Chef veröffentlichte eine Morddrohung aus mutmaßlich rechtsextremen Kreisen. Absender: adolf.hitler@nsdap.de. Betreff: "An Joe Kaeser".

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In der vom Siemens-Chef veröffentlichten Hassmail heißt es unter anderem wörtlich, "Typen wie Dich brauchen dringend eine Behandlung wie Lübcke". Eine eindeutige Anspielung auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anfang Juni durch einen Kopfschuss getötet worden war , und damit auf einen Fall, bei dem die Bundesanwaltschaft von einem politischen Mord mit rechtsextremem Hintergrund ausgeht.

Die Frage ist nun, wie der Dax-Chef damit umgeht. Es gebe "Anzeichen, dass sogar in der Hölle die Digitalisierung Einzug gehalten hat", kommentierte der 62-Jährige. Und schreibt: "Der Teufel hat jetzt auch E-Mail. Unten ist seine Botschaft an mich. Meine Botschaft zurück: #neverforget #NieWieder #NazisRaus." Im Anschluss an den Tweet machte Kaeser noch klar, dass Siemens in dem Fall keine Anzeige erstattet habe, die Staatsanwaltschaft also von sich aus in dem Fall tätig geworden sei.

Im Netz gab es Beifall und Unterstützung für den Siemens-Chef und die Frage eines Twitter-Nutzers, wo denn eigentlich all die anderen Dax-Vorstände seien? Tatsächlich ist der Siemens-Chef mit seinen pointierten Stellungnahmen zu aktuellen Themen eine Ausnahme in der deutschen Industrielandschaft. Hier fragen sich nicht wenige: Warum soll ich mich politisch äußern, wenn das meine Kunden abschrecken könnte?

Geschäft geht dann vor Politik. Schon im vergangenen Jahr erhielt Kaeser Drohungen über die sozialen Netzwerke. Das war, nachdem er der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel mitgeteilt hatte: "Lieber Kopftuch-Mädel als Bund deutscher Mädel. Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt." Später dann antwortete Kaeser seinen Kritikern: Die Replik auf Weidels Äußerungen sei "eine Herz- und Kopfentscheidung" gewesen.

Ende Juni schließlich stellte sich der Siemens-Chef hinter Kapitänin Carola Rackete, die mit ihrem Schiff, der Sea-Watch-3, und 40 Migranten trotz eines Anlegeverbots in den Hafen des süditalienischen Lampedusa einlief. Anschließend kritisierte Kaeser per Twitter ihre Verhaftung. Menschen, die Leben retteten, sollten nicht verhaftet werden. Anders als "Menschen, die töten und Hass sähen und fördern". Menschen, die Hass säen - das konnte man durchaus auch ein bisschen auf den italienischen Innenminister Matteo Salvini beziehen, der Rackete unter anderem als "reiche und verwöhnte deutsche Kommunistin" verunglimpfte. Der Siemens-Chef kommentiert also längst nicht mehr nur innenpolitische Vorgänge. Wenn es sein muss, auch die Ausbrüche römischer Politiker.

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