Siemens:Ist das jetzt das "New Normal"?

Lesezeit: 1 min

Siemens: Die Zentrale von Siemens im Zentrum Münchens: Längst nicht alle Mitarbeiter können von daheim arbeiten.

Die Zentrale von Siemens im Zentrum Münchens: Längst nicht alle Mitarbeiter können von daheim arbeiten.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Zwei bis drei Tage garantiertes Home-Office verspricht Siemens den Mitarbeitern. Das Modell des Münchner Unternehmens gilt als vorbildlich und modern. Doch da gibt es ein Problem.

Von Thomas Fromm

Als Siemens mitten in der Corona-Pandemie schon mal regelte, was zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst jeder machte, galt der Konzern als Vorreiter: mobiles Arbeiten als Dauerangebot auch nach der Pandemie, zwei bis drei Tage in der Woche mit dem Computer zuhause, im Café, im Wald oder auf der Alm - eigentlich egal, Hauptsache erreichbar. Name des Projekts: "Mobile Working im New Normal." Nun kann man sicherlich darüber diskutieren, ob wir bereits in der Post-Covid-Zeit leben (vermutlich eher nicht), aber bei Siemens diskutieren sie gerade schon mal die Folgen dieser neuen Normalität.

Und so kam es, dass Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner von der IG Metall und die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Betriebsratschefin Birgit Steinborn eigentlich Journalisten eingeladen hatten, um mal wieder Grundsätzliches zur Unternehmensstrategie zu sagen. Dass jetzt mal Schluss sein müsse mit Auf- und Abspaltungen, dass Siemens jetzt bitteschön kein reiner Software-Konzern werden dürfe, schließlich sei da ja auch die Historie als Industrieunternehmen. Dinge also, die man von Arbeitnehmervertretern erwarten kann.

Das "New Normal": Weniger Büroflächen, weniger Jobs in der Kantine

Dann aber ging es um: die neue Normalität. Zwei bis drei Tage Home-Office in der Woche, das klinge doch erst einmal ganz hervorragend, sagte Birgit Steinborn. Problem: Dieses "New Normal" sei leider nur in den Büros praktikabel. Was aber ist mit den Service-Leuten, was mit den Menschen in der Fabrik, die produzieren? Gibt es ja alles noch bei Siemens. Da müsse man aufpassen, dass es hier nicht zu einer "Spaltung" komme. Und weil so etwas ja gerade in vielen Betrieben debattiert wird: Heimarbeit dürfe nicht zu einem großen "Flächensparprogramm" führen. Mehr Home-Office, weniger Büroarbeitsplätze, egal, wie es dann am Ende der Pandemie (immer vorausgesetzt, es gibt ein Ende) weitergehe? Schon jetzt würden in der Siemens-Kantine etliche Jobs abgebaut - ein Signal, das zeige, wo es hingeht. Und dann noch die Sache mit den alten Rollenbildern: Männer kämen wieder häufiger ins Büro, Frauen blieben häufiger zuhause. "Sie wollen Arbeit und Familie vereinbaren", sagt Steinborn. Und so wie sie es sagt, ist sie von diesem Vereinbarungsmodell nicht sehr überzeugt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB