bedeckt München 17°

Siemens: Erfolgssträhne:Löschers Lauf

Siemens-Chef Löscher hat hart saniert, jetzt kann er Erfolge melden, denn der Konzern verdient prächtig. Was fast noch wichtiger ist: Die Deutschen haben zum Erzrivalen General Electric aufgeschlossen.

Ein neuer Tag, ein neuer Auftrag. Der Stolz ist nicht zu überhören, als Hans-Jörg Grundmann an diesem Freitag wieder einmal eine lukrative Bestellung verkündet. Der 55-Jährige leitet das Geschäft mit der Mobilität, eine von 14 Divisionen des Siemens-Konzerns. Von Hochgeschwindigkeitszügen über Straßenverkehrstechnik bis zur Flughafenlogistik reicht Grundmanns Palette. 70 elektrische Lokomotiven im Wert von 338 Millionen Euro soll Siemens nun in die USA für Fernverkehrszüge zwischen Boston und Washington liefern.

Fertigung einer Siemens-Lok nach dem Vorbild des Eurosprinters. Die Entwicklung des Konzerns verlief unter den Vorstandschefs Heinrich von Pierer, Klaus Kleinfeld und Peter Löscher unterschiedlich. Für den Kursverlauf der Aktie und die Jahresumsätze bitte auf das Bild klicken.

Es sind die ersten Loks überhaupt, die Siemens nach Amerika verkauft. Das sei ein "motivierendes Signal für unsere Ambitionen beim Aufbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes in den USA", sagte Grundmann. Die USA sind einer der Märkte, in denen Siemens angreifen will. Momente wie diesen hatte nicht nur Grundmann in der jüngeren Vergangenheit öfters.

Kein Zweifel: Siemens und sein Chef Peter Löscher haben einen Lauf. Kaum ein Tag vergeht, an dem aus der Zentrale am Wittelsbacher Platz in München nicht ein Großauftrag verkündet wird. Die Analysten von J. P. Morgan schätzen, dass alleine im abgelaufenen Quartal Aufträge über 21 Milliarden Euro eingingen, noch einmal eine Milliarde mehr als im Vorquartal und fast vier Milliarden mehr als im Jahr zuvor.

Längst nicht alles läuft rund

Übernächste Woche wird Siemens über das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 berichten - es wird eines der besten Jahre seit langem. Deutlich über dem Vorjahresergebnis von 7,5 Milliarden Euro werde der operative Gewinn der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit liegen, deutete Finanzchef Joe Kaeser Ende September an.

Der Gewinn, der am Ende unter dem Strich für den Konzern bleibt, wird allerdings nur halb so hoch sein. Verlustbringer wie das IT-Geschäft und die Netzwerk-Gemeinschaftsfirma Nokia Siemens Networks (NSN) sind nämlich im Gewinn der Sektoren nicht mitgerechnet. Längst nicht alles läuft rund bei Deutschlands größtem Industriekonzern. Doch unter dem Strich spiegelt sich in kaum einem Konzern der deutsche Aufschwung so wie bei Siemens.

Grundmann ist einer von denen, die für die jüngste Erfolgswelle stehen. Noch vor zwei Jahren kämpfte seine Division mit technischen Problemen und machte Verluste. Grundmann übernahm den Bereich Anfang 2008, begann einen harten Sanierungskurs, baute 2000 Stellen ab und hatte Erfolg.