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Siemens Energy:Vorstandschef sucht Büroplatz

Siemens - Gasturbinenwerk in Berlin

Siemens Energy setzt auf Home-Office. Was natürlich nicht für Mitarbeiter gilt, die wie hier in einer Halle in Berlin große Gasturbinen montieren.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Warum der Siemens-Energy-Chef bald einen neuen Schreibtisch braucht.

Von Thomas Fromm

Der Siemens-Energy-Chef verliert sein Vorstandsbüro - das ist vielleicht jetzt noch nicht kursrelevant, aber eine Nachricht ist es schon für dieses alte Siemens-Geschäft mit Kraftwerken und Windenergie, das im vergangenen Jahr an die Börse geschickt und erst im März in den Dax aufgestiegen ist. Christian Bruch weiß zurzeit auch noch nicht so genau, wo er dann demnächst sitzen wird, es soll Großraumbüros geben, separate Arbeitsplätze und - weil das heutzutage dazugehört - natürlich auch Kreativitätszonen für gemeinsame Brainstormings. Er werde dann in ein paar Monaten sehen, "wie sich das anfühlt", sagte Bruch am Mittwoch.

Bis auf China, wo alle längst wieder im Büro sitzen, liegt die Bürobelegung bei Siemens Energy gerade zwischen fünf und 35 Prozent, und es ist nicht davon auszugehen, dass es irgendwann wieder genauso wird wie früher. "Heimarbeit wird Bestand haben", sagt Bruch.

Home-Office spart Geld, die Frage sei, wie man "wann aus welchen Mietverträgen" herauskomme. "Nur von zuhause arbeiten" sei aber auch "nicht gut", sagt Bruch. Dass die Aktie des Unternehmens erst einmal um knapp ein Prozent stieg, hatte dann wohl weniger mit der persönlichen Büro-Gestaltung des Chefs zu tun, sondern mit dem Gewinnanstieg, den er zeitgleich veröffentlichte. Das Quartalsergebnis war mit 197 Millionen Euro doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Anders dagegen beim Umsatz, wo der Ausrüster von Turbinen für Windräder, Kohle- und Gaskraftwerke einen Rückgang um 4,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro auswies.

Den Anstieg hat das Unternehmen aus Erlangen vor allem der spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa zu verdanken. Einige Großaufträge - unter anderem von RWE für 100 große Windturbinen - sorgten dort für ein gutes Geschäft. Siemens Energy ist mit einem Anteil von 67 Prozent der Haupteigentümer des weltgrößten Herstellers von Offshore-Windturbinen, über einen Kauf der restlichen Anteile wird immer wieder spekuliert. So auch an diesem Mittwoch. Für Bruch gibt es im Grunde nur zwei sinnvolle Anteile an Siemens Gamesa: 50 oder 100 Prozent. Allerdings sei gerade nicht der richtige Zeitpunkt für solche Diskussionen. "Wir sind jetzt gerade mal ein halbes Jahr an der Börse, also Schritt für Schritt", so Bruch. Aber das stehe "natürlich irgendwann im Raum". Fest steht, dass zurzeit wohl kein Home-Office-Programm dieser Welt die Restübernahme von Gamesa gegenfinanzieren würde: Nach aktuellem Marktwert würde der verbleibende Anteil von 33 Prozent mehr als sechs Milliarden Euro kosten. Allerdings wird das Geschäft immer wichtiger: An Ausschreibungen für neue Kohlekraftwerke will sich Siemens Energy nämlich nicht mehr beteiligen.

© SZ vom 06.05.2021
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