bedeckt München 21°

Erster Handelstag:So macht sich Siemens Energy an der Börse

Börsengang Siemens Energy

Christian Bruch, Chef der Siemens Energy, läutet in der Frankfurter Wertpapierbörse die Glocke nach der Erstnotierung seines Unternehmens.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Der Börsengang von Siemens Energy ist nichts für schwache Nerven. Das hat auch damit zu tun, dass es eigentlich kein normaler Börsengang ist. Über ein turbulentes Debüt.

Von Thomas Fromm, München

Natürlich hat nie irgendjemand behauptet, dass der Start der Siemens-Tochter Siemens Energy in Frankfurt ein ganz normaler Börsengang wäre. Das fängt schon damit an, dass Siemens-Aktionäre am Montagmorgen aufgestanden sind, in ihr Depot geschaut haben - und dort mehr Aktien fanden als noch am Freitagabend. Übers Wochenende hatte jeder Aktionär der alten Siemens AG für je zwei Aktien eine neue Energy-Aktie ins Depot gebucht bekommen. "Spin-off" heißt so etwas in der Sprache der Börsianer. In diesem Fall: Aus zwei mach drei, sozusagen. 55 Prozent von Energy wurden so an den Markt gebracht. 9,9 Prozent liegen jetzt beim Siemens-Pensionsfonds, 35,1 Prozent verbleiben erstmal bei der Konzernmutter.

Kaum waren die Aktien draußen, begann die Achterbahnfahrt. Gestartet war die neue Aktie zunächst mit einem Kurs von 22,01 Euro, was einer Bewertung von rund 16 Milliarden Euro entsprach und weit weniger war, als man sich bei Siemens erhoffte. Dann ging es runter bis auf 19,21 Euro, dann wieder hoch auf 21,34 Euro. Wochen, vielleicht sogar Monate könnte das nun so weitergehen. Rauf, runter, seitwärts. So lange, bis klar ist, wer diese Papiere langfristig halten wird. Denn ziemlich viele Investoren, zum Beispiel Dax-Indexfonds oder auch spezialisierte Technologie-Anleger, werden die Aktien, die sie ja nicht selbst gekauft haben und auch gar nicht wollten, wieder aus ihrem Depot werfen.

Kein typischer Börsengang

An die 35 Prozent der neuen Energy-Aktionäre, so die Schätzung, könnten schnell wieder aussteigen. Wieviel das Unternehmen mit seinen über 90 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 29 Milliarden Euro wirklich an der Börse wert ist - man wird es erst genauer erfahren, wenn sich der Sturm der ersten Wochen gelegt hat. Da es eben kein typischer Börsengang war, wurde vorher auch kein Ausgabepreis fixiert, was die Sache in den kommenden Wochen noch einmal spannender und wohl auch spekulativer machen dürfte. Da Siemens selbst für seine alte Energiesparte mit Kraftwerken, Schalt- und Windkraftanlagen noch einen Buchwert von 17 Milliarden Euro veranschlagt hatte, fällt ein bilanzieller Buchgewinn für den Mutterkonzern nun erstmal aus. Folge: Die Aktie der alten Siemens AG verlor zum Handelsstart auch erst einmal kräftig - ein Minus von über fünf Prozent stand dort. Später aber drehte sich das Ganze wieder.

Mutter und Tochter, das ließ sich am Montag sehr gut an den Börsenreaktionen ablesen, sind also noch immer eine Art Schicksalsgemeinschaft. Genau dies will Siemens-Chef Joe Kaeser allerdings überwinden. Er will die alte Traditionssparte, die zuletzt in den roten Zahlen hing, loswerden, weil er davon ausgeht, dass spezialisiertere Unternehmen bei den Börsianern am Ende besser ankommen als ein Riesen-Mischkonzern. Ohne die großen Turbinen für Kohle- und Gaskraftwerke, ohne die Windräder von Siemens Gamesa - so Kaesers Kalkül - würden Investoren den Rest des Unternehmens stärker als Digital- und Technologiekonzern wahrnehmen. Und dies an der Börse entsprechend honorieren.

Der etwas spezielle Börsengang des Siemens-Energiegeschäfts blieb am Montag auch nicht ohne Folgen für den Deutschen Aktienindex. Der Dax, normalerweise eine feste Liste mit 30 Namen drauf, zählte am Montag - und nur am Montag - mit Siemens Energy 31 Unternehmen. Grund: Die Aktie, die es für Investoren ja als Aufschlag auf ihre alten Siemens-Aktien gab, wurde einmalig im Dax verbucht, um "die Abbildbarkeit des Index für Investoren zu gewährleisten", hieß es an der Börse. Nach Handelsschluss muss sie den Dax dann wieder verlassen, könnte aber spätestens im nächsten Jahr in den Dax aufsteigen. Dann aber ganz regulär.

© SZ
Siemens streicht in Berlin 900 Stellen

Börsengang
:Siemens Energy erhält eine riskante Selbständigkeit

Der Börsengang der Energiesparte von Siemens ist ein tiefer Einschnitt - nicht nur für den Konzern selbst.

Von Thomas Fromm

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite