bedeckt München

Siemens:Die Medizintechnik kränkelt

File: Siemens AG To Sell Healthineers

Produktion eines Computertomographen in Forchheim. Bei Röntgen-, Ultraschall- und MRT-Geräten machte Healthineers weniger Gewinn als erwartet.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Die Gewinne der Tochterfirma sinken, Anleger verkaufen Aktien.

Von Caspar Busse

Das ist kein guter Start für Siemens in diese Woche: Die Medizintechniksparte, die unter dem Namen Siemens Healthineers an der Börse notiert ist, gab einen Gewinnrückgang für das vierte Quartal 2019 bekannt, das erste des Geschäftsjahres 2019/20. Die Aktie gab am Montag zeitweise um fast sechs Prozent auf rund 40 Euro nach und beendete vorerst die jüngste Aufwärtsbewegung. Siemens Healthineers ist seit März 2018 an der Börse notiert. Der Mutterkonzern hält 85 Prozent der Aktien, der Rest ist in Besitz von anderen Investoren.

Am Mittwoch dieser Woche gibt dann der Siemens-Konzern seine Quartalszahlen bekannt, zudem findet in München die Hauptversammlung statt. Gleich mehrere Themen stehen dort auf der Tagesordnung: Umweltaktivisten wollen vor den Türen des Aktionärstreffens demonstrieren und auch in der Versammlung das Wort ergreifen. Außerdem geht es um die geplante Aufspaltung des 173 Jahre alten Unternehmens sowie um die Zukunft von Vorstandschef Joe Kaeser, dessen Vertrag Anfang 2021 ausläuft.

Schon in der vergangenen Woche musste die börsennotierte Windkraft-Tochter Siemens Gamesa mit Hauptsitz in Spanien ihre Gewinnprognose nach Problemen beim Bau von Windanlagen in Norwegen zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten senken. Im abgelaufenen Quartal rutschte Siemens Gamesa sogar mit 174 Millionen Euro in die roten Zahlen, was die Siemens-Gamesa-Aktie abstürzen ließ. Auch sonst hat der Konzern mit der schwachen Weltkonjunktur zu kämpfen.

Die Probleme bei Healthineers verunsichern die Anleger. Vor allem im Geschäft mit Röntgen-, Ultraschall- und MRT-Geräten, die zu den wichtigen Gewinnbringern gehören, zeigte das Unternehmen unerwartete Schwächen bei der Rendite. Im ersten Quartal ging die operative Umsatzrendite in der Sparte zurück und drückte die Marge im Konzern von 16,4 auf 13,5 Prozent. Finanzchef Jochen Schmitz versuchte zu beschwichtigen und sprach von vorübergehenden Effekten. Der Konzernumsatz stieg im Quartal um 5,5 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verbesserte sich um 13 Prozent.

Vorstandschef Bernd Montag bestätigte die Prognosen: "Vor dem Hintergrund unserer sehr starken Auftragslage sind wir für die weitere Entwicklung des Geschäftsjahres zuversichtlich." Das Ergebnis je Aktie soll um sechs bis zwölf Prozent steigen, im ersten Quartal ging es allerdings um sechs Prozent zurück. Angesichts des Coronavirus rechnet Siemens Healthineers nicht mit steigendem Geschäft. "Die kurzfristige Möglichkeit, damit Geschäft zu machen, würde ich nicht überschätzen. Das geht nicht so schnell", sagte Montag. Die Priorität sei nun erstmal: helfen.

© SZ vom 04.02.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite