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Siemens:Cromme bittet um Gehaltserhöhung

Ein Aufsichtsratschef von Siemens hat viel zu tun. Das hat auch Gerhard Cromme gemerkt - und fordert von den Aktionären nun mehr Gehalt.

Im April 2007 - die Siemens-Schmiergeldaffäre kochte gerade ihrem Höhepunkt entgegen - war der frühere Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme als Nachfolger von Heinrich von Pierer an der Spitze des Siemens-Aufsichtsrates im Gespräch. Aus Industriekreisen hieß es damals, Cromme habe kein Interesse an dem Job. Chefkontrolleur bei Siemens, das war im Frühjahr 2007 Vollzeitbeschäftigung.

Siemens-Aufsichtsratschef Cromme (links) mit Konzernchef Peter Löscher.

(Foto: Foto: Reuters)

Kurze Zeit später wurde Cromme dann doch Aufsichtsratschef; andere Mandate, etwa bei der Lufthansa und Eon, ließ er dafür fallen. Es folgten Wochen, in denen nicht so ganz klar war, ob Cromme noch Aufsichtsratschef oder schon Vorstandsvorsitzender von Siemens war. Das änderte sich erst, als im Juli mit Peter Löscher ein neuer Chef am Münchner Wittelsbacher Platz einzog.

"Arbeitsbelastung beständig gestiegen"

Jetzt bittet Cromme seine Aktionäre um eine Gehaltserhöhung. Wie aus der Einladung zur Hauptversammlung am 27. Januar 2009 hervorgeht, soll der Aufsichtsratsvorsitzende "das Dreifache und jeder Stellvertreter das Eineinhalbfache" der festen Aufsichtsratsbezüge erhalten. Bisher wurde das Doppelte der Bezüge bezahlt.

Die feste Vergütung der Aufsichtsräte lag zuletzt bei jährlich 50.000 Euro; dazu kamen Erfolgsbeteiligungen. Cromme erhielt im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt 310.000 Euro; davon waren laut Siemens-Geschäftsbericht etwa 185.000 Euro Teil der variablen Vergütung. Außerdem sollen die Kontrolleure für Aufsichtsrats- und Ausschusssitzungen zusätzlich 1000 Euro erhalten. "Die Anforderungen an Aufsichtsratsmitglieder und die Arbeitsbelastung, insbesondere für den Vorsitzenden (...), sind beständig gestiegen", wirbt der Konzern um Verständnis für die Erhöhung der Bezüge. Dies solle "bei der Vergütung entsprechend berücksichtigt werden".

Geldpolster geschaffen

Außerdem bereitet sich der Konzern auf Zukäufe anderer Unternehmen vor. Wie ebenfalls aus der Einladung zum Aktionärstreffen im Januar hervorgeht, will sich Siemens von den Aktionären die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung sowie die Ausgabe von Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen genehmigen lassen. Das für die Kapitalerhöhung vorgesehene genehmigte Kapital soll maximal 173,6 Millionen neue Aktien oder 520,8 Millionen Euro Grundkapital umfassen. Außerdem soll der Konzern Wandel- und Optionsschuldverschreibungen für bis zu 15 Milliarden Euro auf Siemens-Aktien ausgeben dürfen; befristet sind beide Maßnahmen bis 2014.

Konzernchef Peter Löscher hatte zuletzt nicht ausgeschlossen, dass er die Finanzkrise nutzen könnte, um Firmen dazuzukaufen. Dafür hat er nun das nötige Geld in der Hand und sich für Käufe gewappnet, die sowohl in bar als auch mit eigenen Aktien getätigt werden können.