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Siemens, Alstom und GE:Hilfreiche Niederlage

Auch wenn Siemens das französische Unternehmen Alstom nicht kriegen wird: Im Bieterkampf hat die einstige deutsche Industriebehörde gezeigt, dass sie ein ebenbürtiger Gegner für Konzerne wie General Electric sein kann. Mit den französischen Eigenheiten müssen sich nun die Amerikaner herumschlagen.

Es war Ende April, als die Nachrichtenagenturen die ersten Gerüchte sendeten: General Electric (GE) schickt sich an, für den angeschlagenen französischen Industriekonzern Alstom zu bieten. Eine Neuordnung des europäischen Energiemarktes stand kurz bevor. Keine drei Tage hatte Siemens-Chef Joe Kaeser Zeit, den Widerstand gegen GE zu organisieren, den großen Rivalen aus den Vereinigten Staaten. Drei Tage, die sich im Rückblick gelohnt haben für Siemens - psychologisch, wirtschaftlich und strategisch.

Trotz der Niederlage im Bieterverfahren, die am Freitag bekannt wurde, hat Siemens in den vergangenen Wochen gezeigt, dass der Konzern ein ebenbürtiger Gegner ist. Eindrucksvoll hat Kaeser demonstriert, dass die einstige deutsche Industriebehörde unter seiner Führung rasch reagieren kann: In wenigen Wochen ist es ihm gelungen, eine Allianz mit dem japanischen Wettbewerber Mitsubishi zu schmieden, die GE an den Rand einer Niederlage getrieben hat.

Die Amerikaner mussten ihr Angebot völlig neu strukturieren und etliche Zugeständnisse an die französische Politik machen. Statt das Alstom-Energiegeschäft komplett zu schlucken, muss GE nun mehrere Gemeinschaftsunternehmen gründen und eigene Geschäftseinheiten einbringen - eine Neuordnung des europäischen Energiemarktes sieht anders aus.

Und auch strategisch betrachtet war der Einstieg von Siemens in den Bieterkampf richtig: So konnten die Münchner die Bücher von Alstom über mehrere Wochen studieren, sie kennen die Zahlen des Wettbewerbers nun genau. GE hingegen stehen die langwierige Integration von Alstom, mögliche Querelen mit der Regierung und Scharmützel mit den französischen Gewerkschaften erst noch bevor.

Siemens kann sich jetzt wieder vollständig auf den eigenen Konzernumbau konzentrieren, den Kaeser Anfang Mai verkündet hatte - bis zur nächsten Schlacht, aber für die ist Siemens wohl gewappnet. Oder wie Kaeser es selbst ein paar Stunden nach der Entscheidung der französischen Regierung in einer Mitteilung formulierte: "Wir haben in der Auseinandersetzung um Alstom Handlungsfähigkeit, unternehmerischen Willen, strategische Finesse und letztlich vor allem auch Disziplin bewiesen." Ja, da hat er Recht.