Der Online-Anbieter Shein gilt als Paradebeispiel für Fast Fashion und übermäßigen Konsum. Dort gibt es preiswerte, billig produzierte Kleidung. Doch bei Shein gibt es nicht nur Kleidung: Auch Haushaltsgeräte, Bürobedarf, Automobilzubehör und Werkzeug bietet der chinesische Online-Shop an. Und neuerdings gibt es, zumindest für den US-Markt, auch über 100 000 Bücher aus unterschiedlichsten Genres.
Auf den ersten Blick mag das für einen Fast-Fashion-Anbieter ungewöhnlich wirken. Doch der Schritt folgt einem größeren Trend. Denn dank „Booktok“, also dem Social-Media-Trend, bei dem junge Menschen im Netz Bücher empfehlen, greifen immer mehr ihrer Altersgenossen zum traditionellen, gedruckten Buch.
Bei dem Angebot von Shein handelt es sich um eine Kooperation mit dem US-Gebrauchtbuchhändler Alibris. Das heißt, die bei Shein erhältlichen Bücher sind demnach ausschließlich pre-owned. Hat Shein nun etwa ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Einkaufen entwickelt?
Nicht ganz. Auch in dieser neuen Kategorie setzt der Online-Shop eher auf den Reiz günstiger Angebote. Denn die gebrauchten Bücher sind erheblich preiswerter als die gleichen Titel auf dem klassischen Buchmarkt. Und auch der Zeitpunkt ist kein Zufall, da die Nachfrage zum Start in die umsatzstarke Weihnachtssaison besonders hoch sein dürfte.
Gebrauchte Bücher sind im Trend
Mit dieser Strategie ist Shein nicht allein: Auch bei Amazon werden schon seit einigen Jahren gebrauchte Bücher zu günstigen Preisen angeboten, zum Beispiel von auf Second-Hand-Ware spezialisierten Anbietern wie Momox. Laut einer Marktanalyse des Handelsverbands Deutschland von 2025 ist der Online-Umsatz mit Second-Hand-Artikeln im Allgemeinen im letzten Jahr um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Der Büchermarkt nimmt mit 16 Prozent den zweitgrößten Anteil ein. Spitzenreiter ist nach wie vor Second-Hand-Kleidung.
Das Geschäft mit gebrauchten Büchern boomt. Kein Wunder, dass auch die deutschen Buchhändler Thalia und Hugendubel in den An- und Verkauf dieser Bücher eingestiegen sind.
Der Verkauf ist für die Erstbesitzer auch recht einfach: Einige Klicks, ISBN-Code scannen, Paket packen und schon wird man zum Buchverkäufer. So funktioniert der Ankauf von gebrauchten Büchern zumindest bei Thalia. Ähnlich läuft es bei Hugendubel: nur dass das bayerische Unternehmen die Bücher nicht selbst vermarktet, sondern über seinen Partner Zeercle auf Amazon oder Ebay weiterverkauft. Den Erlös des Verkaufs bekommen Kundinnen und Kunden in der Regel in Form eines Gutscheins der jeweiligen Buchhandlung gutgeschrieben.
Vor allem junge Menschen kaufen Gebrauchtbücher. Schließlich ist es sehr nachhaltig und ressourcenschonend, nicht für jeden neuen Lesewunsch ein frisch gedrucktes Buch zu erwerben, zumal viele ihre gebrauchten Exemplare gerne weitergeben. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zeigt allerdings: Für 72 Prozent der Befragten ist hauptsächlich der Preis der Grund für den Kauf von Second-Hand-Produkten. Nur 14 Prozent entscheiden sich aus Nachhaltigkeitsgründen für Gebrauchtware. Es geht also in erster Linie um den eigenen Geldbeutel.

