Airbnb Zwei Zimmer, Sofa, Steuerfahndung

Sind Vermieter von Airbnb-Wohnungen bei der Steuererklärung ehrlich? Das versuchen deutsche Finanzbehörden gerade herauszufinden.

(Foto: dpa)
  • Die deutschen Steuerbehörden nehmen die Vermieter von Airbnb-Wohnungen ins Visier. Geprüft werden soll, ob sie ihre Mieteinnahmen korrekt versteuert haben.
  • Der Gründer einer Initiative, die Vermieter von selbst genutzten Wohnungen vertritt, glaubt allerdings nicht, dass Airbnb dadurch unattraktiv wird.
Von Angelika Slavik, Hamburg

Wenn man am kommenden Wochenende nach Hamburg reisen wollte, etwa um sich die große Schiffsparade bei den Feiern zum Hafengeburtstag anzusehen, könnte man im Fontenay absteigen. Das Fontenay ist ein neuer Prachtbau direkt an der Alster, der Milliardär Klaus-Michael Kühne hat ihn errichten lassen. Die teuerste Suite dort kostet 9000 Euro pro Nacht. Natürlich gibt es auch günstigere Möglichkeiten. Eine Übernachtung im Zwei-Sterne-Hotel beim Bahnhof zum Beispiel, ein Ort von, nun ja, spartanischem Schick, zu haben für 94 Euro die Nacht.

Viele Menschen, vor allem junge, wollen aber weder in Kühnes Palast schlafen noch in der Absteige am Bahnhof und auch in keinem der vielen Hotels dazwischen. Sie wollen überhaupt nicht in einem Hotel schlafen. Sie buchen stattdessen zum Beispiel bei Iris, die für das kommende Wochenende ihr Wohnung anbietet: Zwei Zimmer im feinen Stadtteil Eppendorf, mit Kuschelsofa, einem Schaukelstuhl und Kerzen auf dem Sims, zu haben für den Preis der Bahnhofsabsteige. Auch bei Claudia, Dave und Steffen könnte man noch buchen - doch ob sie auch im nächsten Jahr noch Lust haben werden, ihre Wohnungen am Hafengeburtstag zu vermieten?

Dass privater Wohnraum geteilt wird, passt vielen nicht

Die deutschen Steuerbehörden nehmen die Airbnb-Vermieter ins Visier. Es ist nicht der erste Schritt, den die Behörden unternehmen, um die Geschäfte von Airbnb zu erschweren oder gar zu unterbinden. Es stellt sich die Frage: Wann wird das zu einem Problem für das Unternehmen?

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Die Idee, das Menschen dann und wann ihre eigene Wohnung oder auch nur einen Teil davon an Reisende vermieten, ist eine der erfolgreichsten Ausprägungen der Sharing Economy - und es ist eine, die eine Menge Widerspruch erfährt. Da sind die Hoteliers, die von der neuen Konkurrenz gar nicht begeistert sind. Da sind die Städte, die fürchten, die geheime Nutzung von Mietwohnungen als Touristenappartements erhöhe die ohnehin schon angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten in den Ballungszentren. Und da sind nun auch die Finanzämter, die in Irland - wo die Europa-Zentrale von Airbnb angesiedelt ist - angefragt haben, ob man Vermieterdaten bekommen könne, um zu prüfen, ob die Mieteinkünfte brav in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden.

Sebastian Olényi, 35, ist der Gründer der Initiative homesharing.berlin. Diese vertritt knapp vierhundert Menschen, die gelegentlich ihre selbst genutzten Wohnungen vermieten. Sie sind also keine Profis, wie man sie auf Airbnb seit einiger Zeit immer häufiger findet, sondern tatsächlich die Menschen von nebenan, die bisweilen Gäste aufnehmen und mit denen Airbnb so gern wirbt. Macht der Druck der Steuerfahnder Airbnb nun unattraktiv?

"Die Reichen wollen keine fremden Leute in ihren Betten"

Olényi sagt, wer nur 20 oder 30 Tage im Jahr seine Wohnung vermiete, für den sei die Einkommensteuer ohnehin kein großes Thema. Schließlich stünden den Einnahmen eine Reihe von Kosten gegenüber. Da sei die Wohnungsmiete für den entsprechenden Zeitraum, die meist schon 60 oder 70 Prozent der Einnahmen aufwiege. Dazu kämen Anschaffungen: Zusätzlich Kopfkissen für die Gäste, weil nur wenige Vermieter ihr Kissen mit Fremden teilen wollten. Handtücher, eine Reinigungskraft, dann und wann geht etwas kaputt. Für die meisten, sagt Olényi, gehe es bei der Vermietung nicht darum, Einnahmen zu generieren, sondern darum, ihre eigenen Kosten zu reduzieren, während sie selbst unterwegs sind. "Homesharer sind keine reichen Leute", sagt Olényi. Wer finanziell gut ausgestattet sei, würde sich den Stress des Vermietens meist ohnehin nicht antun. "Die Reichen wollen keine fremden Leute in ihren Betten."

Andere aber seien auf diese Möglichkeit angewiesen, dazu gehöre auch er selbst. Olényi ist Doktorand und arbeitet in einer Social-Media-Agentur. Seine Tochter lebt in der Schweiz, und wenn er sie besucht, sind die Reisekosten hoch; seine Wohnung in Berlin steht leer. Bei Airbnb selbst gibt man sich in Sachen Steuer jedenfalls arglos: Man schicke Gastgebern regelmäßig Einkommensübersichten und erinnere an deren Berücksichtigung bei der Steuererklärung. Trotzdem ist klar: Je mehr Papierkram die Vermietung bedeutet, desto unattraktiver wird sie für Gelegenheitsvermieter.

Sebastian Olényi denkt, Politiker nutzen Airbnb, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. "Die Wohnungsnot in den Städten liegt nur zu einem ganz kleinen Teil an Plattformen wie Airbnb, sondern vor allem an einer fehlgeschlagenen Wohnbaupolitik in den vergangenen 20 Jahren." Viele Airbnb-Wohnungen würden dem Markt nicht entzogen, weil die Vermieter ja selbst darin wohnen würden. "Ob sie die vermieten, wenn sie im Urlaub sind, oder ob sie in dieser Zeit leer stehen, macht für den Wohnungsmarkt keinen Unterschied", sagt Olényi.

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