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Shakira:Ein bisschen Bildung

Ihr Einsatz für benachteiligte Kinder ist Sängerin Shakira wichtiger, als noch einen Grammy zu bekommen.

(Foto: Laurent Gillieron/AP)

Zum Gipfel nach Davos kommen auch Prominente aus Film und Musik - dieses Jahr unter anderem die Sängerin Shakira, die ihre Stiftung vorstellt.

Sie hat Kinder getroffen, deren Vater oder Mutter von Guerrilla-Banden erschossen wurde. Sie ist aufgewachsen in einem Land im ewigen Bürgerkrieg und ist später, als sie erfolgreich war, in die entlegensten Ecken ihrer Heimat gefahren, in Dörfer ohne Strom, fließendes Wasser oder geteerte Straßen. "Wir sind dorthin gegangen, wo die Regierung sich verabschiedet hat", erzählt Shakira, die erfolgreiche Latin-Pop-Sängerin, die Nummer-eins-Hits wie "Whenever, Wherever" gelandet hat. Und nun steht sie, die vielfache Grammy-Gewinnerin, in Davos auf der Bühne, in einer, von Kolumbien aus betrachtet, ziemlich entlegenen Ecke der Welt. Und berichtet von ihrem Kampf gegen die Armut. Und das ist für sie vor allem der Kampf für eine bessere Bildung.

Mit 20 Jahren hat sie eine Stiftung gegründet und in entlegenen Dörfern Kolumbiens Schulen gebaut, erst eine, dann immer mehr, um den ärmsten Kindern zu helfen. Shakira will Kindern in jungen Jahren, mit vier, fünf, sechs, und in den ersten Schuljahren, eine bessere Ausbildung ermöglichen: Je früher Kinder gefördert würden, sagt sie, je früher sie ausgewogenes Essen erhalten, aber auch Aufmerksamkeit und Zuwendung, "umso besser sind sie in der Schule und umso erfolgreicher später im Leben".

Sie sei gekommen, sagt die 39-Jährige über ihre Reise nach Graubünden, um die Mächtigsten der Welt wachzurütteln. Hier gebe es, argumentiert sie, genug Geld, genug einflussreiche Menschen, um etwas zu verändern. Die Internet- und Telefonkonzerne könnten zum Beispiel kostenlos Breitband und Lernmaterialien zur Verfügung stellen, und eigentlich sei ein weltweiter Fonds nötig, um frühkindliche Erziehung zu fördern.

Die Auftritte berühmter Sänger und Schauspielern sollen die Themenpalette verbreitern

Shakira trägt ihre Forderungen voller Emotionen vor. "Ich weiß", sagt sie halb entschuldigend, "dass ich andere Menschen mit meiner Leidenschaft manchmal verrückt machen kann." Sie berichtet von den Schulen, die ihre Stiftung "Pies Descalzos", übersetzt: barfuß, gegründet hat, und davon, dass Kinder, die unter anderen Umständen von Drogenhändler oder Guerillabanden angeworben werden, nun zur Universität gingen und dort mitunter zu den Besten zählten. Viel Applaus bekommt sie, als ihr Hilde Schwab, Frau des Chefs des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, den Crystal Award überreicht, eine alljährliche Auszeichnung für soziales Engagement. Solche Auftritte von Sängern, Schauspielern, Sportlern oder Musikern gehören seit Jahren zu Davos. In diesem Jahr sind zum Beispiel der Schauspieler Matt Damon, die Geigerin Anne-Sophie Mutter, der Rapper Will.i.am oder der Formel-Eins-Weltmeister Nico Rosberg zu Gast. Die Macher des Wirtschaftstreffens versuchen dadurch, das straffe, aus Hunderten von Diskussionen und Reden bestehende Programm aufzulockern und Akzente jenseits der klassischen Management- und Wirtschaftsthemen zu setzen - etwa, indem bei der globalen Elite für mehr Entwicklungshilfe geworben wird.

Ein paar Mal wird die Sängerin sehr persönlich. Etwa, als sie von einer russischen Fernsehjournalistin gefragt wird, was sie als Erstes sage oder denke, wenn sie morgens aufwache: "Ich bin spät dran", antwortet Shakira lachend. Sie sei da nicht besser als andere Mütter, sie sei morgens oft gestresst und habe die gleichen Kämpfe zu bewältigen. Und dann erklärt sie, wie wichtig es ihr sei, anderen Kindern, deren Familien es nicht so gut geht wie der ihren, zu helfen und andere von ihrem Erfolg profitieren zu lassen: "Für mich ist es wichtiger, ein Kind sich gut entwickeln zu sehen, als noch einen Grammy zu gewinnen."