Serie: Familienunternehmen:Armut macht erfinderisch

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Nicht alle Unternehmen sind groß genug, um es in die Top 100 zu schaffen, allein schon weil ihre Märkte zu klein sind. Häufig sitzt die Konkurrenz in nächster Nähe, so wie im sogenannten Packaging Valley mit eigenem Verein und Internetauftritt. Um die Städte Schwäbisch-Hall und Crailsheim haben sich rund drei Dutzend Hersteller von Verpackungsmaschinen angesiedelt, vor allem für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetik-Industrie. "Wettbewerb befruchtet eben", sagt Steffen Schoch.

Serie: Familienunternehmen: Wie die Weltmarktführer in Deutschland verteilt sind, sehen Sie in dieser Grafik.

Wie die Weltmarktführer in Deutschland verteilt sind, sehen Sie in dieser Grafik.

(Foto: Grafik: SZ)

"Häufig handelt es sich auch um Ausgründungen, so wie bei EBM Papst", erläutert Peter Kirchner, 41, Professor an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Diese Firma hat Gerhard Sturm, ein Ex-Mitarbeiter von Ziehl-Abegg, mit Hilfe seines ehemaligen Chefs gegründet. Keine andere Region hat Wirtschaftsgeograph Kirchner gründlicher erforscht als Heilbronn-Franken. "Armut macht erfinderisch", sagt er.

Die Suche nach einem Nebenerwerb war einer der Gründe für die Entstehung der Uhrenindustrie im Schwarzwald. Hohenlohe profitierte auch vom Technologietransfer. Den Grundstock etwa für die Schraubenindustrie legte der Handlungsreisende Hermann Ruhnau aus dem Sauerland, der mit einem Partner Ende des 19. Jahrhunderts im Kochertal die Eisenwarenfabrik Arnold gründete. Einer der Lehrlinge, Gotthilf Reisser, stieg dann in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mit seinen beiden Brüdern in den Schraubenhandel ein. Adolf Würth war bis 1942 ihr Prokurist, 1945 machte er sich selbständig. Der Aufstieg der Würths ist legendär.

Regelrechter Industrialisierungsschub

Noch im 19. Jahrhundert beschränkte sich in der Region Kirchner zufolge die Industrialisierung weitgehend auf das Neckartal. Das war politisch so gewollt. Auch als Sturm Anfang der 60er Jahre seine Firma gründete, machten ihm Landespolitiker zur Auflage, dass bei EBM nicht mehr als 85 Mitarbeiter beschäftigt sein dürften. Der Landwirtschaft sollten nicht im Übermaß Arbeitskräfte entzogen werden. "Da hatte der Strukturwandel in der Region aber längst begonnen", sagt Kirchner. "Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein regelrechter Industrialisierungsschub."

Viele Familienunternehmer flohen aus Thüringen, Sachsen, Schlesien und dem Sudetenland in den Westen. "Sie ließen sich gerne in ländlichen Gebieten nieder, weil die westdeutschen Städte zerbombt waren und sich die Menschen nach Krieg und Flucht auf dem Lande wohl sicherer fühlten", erklärt Kirchner - so wie die Berliner Günther und Heinz Ziehl von Ziehl-Abegg. Die Thüringer Karl König und Erich Meyer, Hersteller von Notenpulten und Messtechnik, zogen nach Wertheim, weil sie im Radio vom leerstehenden Gebäude eines Fliegerhorstes gehört hatten.

Vom Exodus der Unternehmer und vier Jahrzehnten sozialistischer Planwirtschaft haben sich die neuen Bundesländer bis heute nicht ganz erholt. Unter die Top 100 schaffte es kein einziger ostdeutscher Weltmarktführer, wenngleich sich auch wie im sogenannten Solarvalley in Mitteldeutschland mit Solarworld oder Ersol einige Marktführer finden.

Der Bau der Autobahnen A6 und A81 in den 70er Jahren sorgte in der Region Heilbronn-Franken für einen weiteren Entwicklungsschub, sagt Kirchner. "In Hohenlohe lag die Arbeitslosenrate lange um die drei Prozent, also Vollbeschäftigung", erklärt Schoch. "In der Krise werden die Karten neu gemischt." Auch Weltmarktführerschaft schützt nun nicht vor Insolvenz, wie Autozulieferer Karmann aus Osnabrück und Knorr aus Künzelsau zeigen, die Nummer eins bei Anlagen für die graphische Industrie.

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