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Serie: Familienunternehmen:Klarer Standortvorteil

Wirtschaftsregion Hohenlohe: Nirgendwo sonst in Deutschland sind - gemessen an der Einwohnerzahl - so viele Firmen Weltspitze.

Steffen Schoch gerät leicht ins Schwärmen über die "liebliche Hohenloher Landschaft": die Täler, die Geschichte, das Fürstenhaus, auf jedem Hügel ein Schloss oder eine Burg, die Menschen, die Gastronomie. "In der Region Hohenlohe lässt es sich gut leben", sagt der 42-Jährige. Er schwärmt schon von Berufs wegen.

Illustration Carl-Heinz Daxl, SZ

1500 Weltmarktführer in Deutschland sind mehrheitlich in Familienbesitz - 54 davon in der Region Hohenlohe.

(Foto: Illustration: Carl-Heinz Daxl, SZ)

Seit zehn Jahren ist er Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken, einer Gesellschaft für Standortmarketing und Wirtschaftsförderung für die Stadt Heilbronn und die Kreise Heilbronn, Hohenlohe, Main-Tauber und Schwäbisch-Hall. Hohenlohe erstreckt sich über mehrere Kreise.

Schoch stammt aus Heilbronn, seine Großmutter war aus Hohenlohe. Fast zehn Jahre hat er in Berlin gearbeitet. "Meine Freunde aus der Großstadt staunen nicht schlecht, wenn man von einem Tal in das nächste biegt und dann steht da plötzlich so ein Industrieunternehmen." Firmen wie der Ventilatorenhersteller EBM Papst in Mulfingen oder ein paar Kilometer weiter der Konkurrent Ziehl-Abegg in Künzelsau oder die grauen Firmengebäude des Befestigungsspezialisten Würth mit den Zinnen im Firmenlogo.

1500 Weltmarktführer in Deutschland

"Der Würth taucht plötzlich auf wie aus dem Nichts", sagt Schoch. Er kann die Firmennamen aufzählen so schnell wie andere das Alphabet. "Mit uns ist das wie mit den sieben Zwergen. Niemand hat mitbekommen, dass es uns gibt, und plötzlich waren wir mit unseren Innovationen auf dem Weltmarkt und sind dort nicht mehr wegzudenken."

In keinem anderen Landkreis sitzen gemessen an der Einwohnerzahl mehr deutsche Weltmarktführer als im Kreis Hohenlohe, hat Bernd Venohr, Berater und Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, ausgerechnet. Insgesamt hat er in Deutschland bislang gut 1500 Weltmarktführer ausgemacht, die mehrheitlich im Besitz einer Familie sind.

Der Bonner Unternehmensberater und Professor Hermann Simon bescheinigt diesen Hidden Champions, wie er sie nennt, einen gesunden Menschenverstand, ein gutes Gespür für Markt und Kunden, eine Leidenschaft für ihre Aufgabe und eine starke Innovationskraft.

Mischung aus Stärke, Glück und Zufälligkeiten

Was Menschen zu Höchstleistungen treibt, haben viele Wissenschaftler zu ergründen versucht. Der Soziologe Max Weber oder der Jesuit Oswald von Nell-Breuning etwa sahen die christliche Arbeitsethik, wo Werte wie Verantwortung, Disziplin, Solidarität, Menschlichkeit zählen, als eine der Triebfedern wirtschaftlichen Handels. Es ist wohl eine rechnerisch nicht zu ermittelnde und variierende Mischung aus mentaler und intellektueller Stärke, Glück, Zufälligkeiten, politischen, historischen und geografischen Faktoren, die Weltmarktführer macht und ausmacht.

Über die Hohenloher hat Standortvermarkter Schoch seine eigene Erfolgstheorie entwickelt. "Es sind sehr stolze Menschen. Man braucht unheimlich lange, um Freundschaften zu schließen. Das geht nicht mal eben bei einem Bier am Stammtisch. Aber wenn man sie dann mal aufgeknackt hat, dann sind das Freundschaften fürs Leben." Und das gelte, sagt Schoch, auch für die Unternehmer: "Zuerst sind sie ein wenig misstrauisch, aber wenn erst einmal so ein Netzwerk steht, geht man durch Dick und Dünn miteinander." 54 Weltmarktführer hat er in seinem Revier gezählt. Firmen wie Bürkert und Gemü aus Ingelfingen, beide haben sich auf Mess-, Steuer- und Regelungstechnik spezialisiert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite von der historischen Entwicklung in der Region - und wie daraus daraus das Fundament für zahlreiche Unternehmensgründungen entstand.