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Selbstfahrende Autos:Tesla lernt das Radar schätzen

Selbstfahrende Tesla-Autos stützen sich künftig nicht mehr nur auf Kamerabilder. Nach dem tödlichen Unfall im Mai in Florida ändert der kalifornische E-Auto-Hersteller jetzt seine Strategie.

Ein Lastwagen, der mehrere Fahrspuren blockiert. Ein weitgehend selbstfahrendes Elektroauto, das sich diesem Hindernis mit hohem Tempo nähert. Ein von der Sonne hell erleuchteter Himmel, der für die Kameras dieses Autos mit dem weißen Lkw zu einem grellen Horizont verschwimmt und ihn für eine Schilderbrücke halten lässt. Ein Autofahrer, der sich komplett auf die Sicherheitstechnik seines Autos verlässt und es nicht selbst steuert. Und der dieses Vertrauen mit seinem Leben bezahlt, weil sein Elektroauto ungebremst unter den Lastwagen gerät.

Dieser Unfall im Mai im US-Bundesstaat Florida kostete Tesla als Hersteller des verunglückten Elektroautos viel Reputation. Und er entfachte eine Debatte darüber, ob der Fahrer des Unfallwagens oder Tesla - oder vielleicht beide - fahrlässig gehandelt haben. Immerhin hatte sein System namens Autopilot, das nicht mehr als ein elektronisches Assistenzsystem ist, sehr offensiv als Technologie beworben, das ein Auto quasi von alleine fahren lasse.

Nun zieht der kalifornische Autohersteller erste technische Konsequenzen aus dem tödlichen Crash und kündigt eine neue Version der Software an, die ein Grundproblem des Autopiloten beheben soll. Anstatt sich bei der Bewertung von Verkehrssituationen vor allem auf die Kamerabilder zu stützen, beurteilt das System das Geschehen künftig auch mittels Radarinformationen, wie Tesla-Chef Elon Musk in einem Blogeintrag erklärte.

Damit schwenkt Tesla auf eine Strategie um, die die meisten Autohersteller verfolgen, die an autonomem Fahren arbeiten. Der Vorteil von Radar: Dessen Wellen können sich auch bei schlechten Sichtverhältnissen, etwa bei Nebel, Starkregen oder grellem Licht, durch die Umgebung tasten und Hindernisse zuverlässig erkennen. Die Radartechnologie kann diese Hindernisse aber nur schwer klassifizieren. So könne eine weggeworfene Getränkedose als großes Hindernis erscheinen.

Tesla will falsche Alarme durch eine präzisere Erfassung der Objekte und eine Geodatenbank mit festen Fehlerquellen in der Umgebung vermeiden. Außerdem soll die Vernetzung der Autos untereinander helfen: Indem sie Informationen zum Beispiel über Hindernisse an eine Datenbank senden, die andere Fahrzeuge informiert. Tesla-Fahrer sollen zudem dazu angehalten werden, die Hände stets am Lenkrad zu lassen. Bei Nichtbeachtung schaltet sich das Assistenzsystem vorübergehend ab.

© SZ vom 13.09.2016 / SZ
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