Schwere Vorwürfe:Bayer-Medikament soll HIV-Infektion ausgelöst haben

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Einem Medienbericht zufolge infizierten sich allein in Asien in den 80er Jahren mehr als hundert Bluter mit dem Aids-Virus, nachdem sie ein Medikament des Pharmakonzerns Bayer eingenommen hatten.

Laut New York Times vertrieb eine Bayer-Tochter das Blutgerinnungs-Mittel weiter in Asien und Südamerika, während in den USA und Europa bereits ein sichereres Produkt vermarktet wurde.

Bayer entgegnete, der Konzern habe sich "jederzeit verantwortungsvoll, moralisch und human verhalten" und das alte unbehandelte Medikament schnellstmöglich vom Markt gezogen. Die vor zwei Jahrzehnten gefällten Entscheidungen hätten auf "der besten wissenschaftlichen Information der Zeit" basiert, erklärte das Unternehmen.

Aus internen Dokumenten geht laut New York Times hervor, dass die Bayer-Tochter Cutter Biological nach 1984 nicht auf dem Plasma-Konzentrat "Factor VIII" sitzen bleiben wollte, das sich im Westen nur noch schwer vermarkten ließ. Die neuen Blutprodukte wurden erstmals hitzebehandelt, wodurch sich das Übertragungsrisiko des HI-Virus deutlich reduzierte.

Mehr als 100.000 Ampullen verkauft

Für rund ein Jahr verkaufte Cutter vermutlich aber noch mehr als 100.000 nicht-hitzebehandelte Ampullen des Mittels nach Japan, Taiwan, Hongkong, Singapur, Malaysia, Indonesien und Argentinien und machte damit einen Millionenumsatz.

Da damals noch kein verlässlicher Aids-Test entwickelt war, lässt sich die Zahl der Opfer dem Blatt zufolge nur schwer nachvollziehen. Aus Dokumenten und Interviews gehe aber hervor, dass sich alleine in Hong Kong und Taiwan mehr als 100 Bluter nach der Behandlung mit "Factor VIII" mit dem HI-Virus infizierten und später viele von ihnen starben. Die Mutter eines jungen Mannes aus Hong Kong, der 1996 im Alter von 23 Jahren starb, warf Bayer in dem Bericht "Rassendiskriminierung" vor.

Die Veröffentlichung kommt für Bayer zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Nach möglicherweise rund hundert Todesfällen durch den Cholesterinsenker Lipobay sind gegen den Konzern in den USA rund 8400 Klagen anhängig. Im Fall "Factor VIII" sind Prozesse laut New York Times wegen der schlechten Datenlage aber unwahrscheinlich.

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