Schwellenländer Ticks sind die neuen Brics

Bric-Länder: Das war das Akronym für Brasilien, Russland, Indien und China und stand für hohe Renditen für Investoren. Das ist Vergangenheit. Inzwischen heißen die Hoffnungsländer Taiwan, Indien, China und Südkorea.

Von Aloysius Widmann

Das Akronym "Bric" steht für Brasilien, Russland, Indien und China. Lange stand es auch für satte Renditen. Investitionen in diesen Ländern galten als hochrentabel. Emerging-Market-Fonds haben über ein Jahrzehnt hohe Renditen abgeworfen und das Wachstum in den großen Schwellenländern zusätzlich angeheizt. Dieser Trend ist vorbei: "Bric" steht heute für hochriskante Finanzgeschäfte. China verwandelt seine Ökonomie zu einer Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft mit geringeren Wachstumsraten. Vor allem für Brasilien und Russland, die unter den rückläufigen Rohstoffimporten durch China und unter dem niedrigen Ölpreis leiden, prognostizieren Analysten eine schlechte wirtschaftliche Entwicklung - so schlecht, dass die Investmentbank Goldman Sachs Ende des vergangenen Jahres seinen Bric-Fonds geschlossen hat. Anleger hatten den Großteil des investierten Kapitals abgezogen.

Eine Alternative für Anleger ist aber bereits ausgemacht, und ihr Name ist genauso eingängig wie Bric: "Tick" steht für Taiwan, Indien, China und (Süd-)Korea. Und es steht für eine Neuausrichtung der Weltwirtschaft: Angesichts globaler Klimaabkommen und des Ölpreis-Verfalls müssen große Energiekonzerne Investitionen zurückfahren und sich mit geringeren Erlösen abfinden. Die globalen Protagonisten der nächsten Jahre sitzen in Palo Alto und Silicon Valley, aber auch in den auf Technologie spezialisierten Volkswirtschaften in Taiwan und Südkorea. Dort vollzieht sich die digitale Revolution: Vom Internet der Dinge über die Automatisierung von Arbeitsprozessen bis zur Digitalisierung von Einzelhandel und Mobilität. "Der Tech-Branche werden gute Wachstumsraten vorausgesagt", sagt Max Kettner, Schwellenländer-Spezialist der Commerzbank.

Laut Copley Research Fund investieren durchschnittliche Schwellenländer-Fonds heute bereits 54 Prozent des angelegten Kapitals in Finanzprodukte in den Tick-Ländern. Die Brics machen knapp 40 Prozent aus. Besonders in den vergangenen Wochen hat es einen starken Kapitalzufluss in koreanische und chinesische Tech-Aktien gegeben. Max Kettner möchte aber noch keinen langfristigen Trend bestätigen: "Ist der Ölpreis einmal am Boden angekommen, können Investitionen in rohstoffproduzierenden Ländern, wie Brasilien und Russland, wieder attraktiv werden."