Schwan-Stabilo:Der fränkische Familienkonzern schafft die Trendwende

Lesezeit: 2 min

Schwan Stabilo

Eine Maschine, die Textmarker testet.

(Foto: Daniel Karmann/picture alliance/dpa)

Das Geschäft mit Lippenstift ist schwierig, solange Masken den Mund bedecken. Dafür läuft es in den Sparten Outdoor und Schreibgeräte.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Das Geschäft mit Lippenstiften sei schwierig geworden, sagt Sebastian Schwanhäußer. Dafür verkauften sich Eyeliner wunderbar, wie überhaupt alles, was die Augenpartien schmückt. Auch Rucksäcke für Kinder und den Alltag fänden ordentlichen Absatz, genauso wie Hosen für Skitourengeher, während andere Skibekleidung in diesem Winter kaum nachgefragt werden dürfte. Und was die Schreib- und Malstifte angeht: Solange der Trend zu kreativem Schreiben und Malen vor allem in Europa und China anhalte, sei ihm nicht bange, sagt Schwanhäußer.

Der 58-Jährige führt als Vorstandschef ein Unternehmen, das besonders schnell und drastisch die Corona-Pandemie spürt. Die Firma stellt Produkte her, die im Alltag vieler Menschen eine Rolle spielen. Schwanhäußer führt den gleichnamigen Familienkonzern mit Sitz in Heroldsberg bei Nürnberg. Er verkauft Schreibgeräte der Marke Schwan-Stabilo und betreibt eine Outdoor-Sparte, zu welcher der Rucksackhersteller Deuter, der Bergsportausrüster Ortovox, die Firmen Maier Sports und Gonso gehören, ein Hersteller von Fahrradbekleidung. Drittes Standbein der Schwanhäußer Industrie Holding mit ihren 4650 Beschäftigten ist das Geschäft mit Kosmetikstiften, die die Franken nicht an Endkunden verkaufen, sondern an viele große und bekannte Kosmetikmarken liefern.

All diese Geschäfte sind stark beeinflusst von der Pandemie. Wer kauft Skikleidung, wenn Lifte und Skihotels geschlossen sind? Wer Lippenstifte, wenn die Lippen unter der Maske stecken? Und wenn Schulen und Kitas geschlossen sind, bedeutet das längst nicht in jeder Familie, dass das Kind zu Hause malt und schreibt. Umso bemerkenswerter, dass der Gruppe nach drei Jahren mit massiven Umsatzrückgängen ausgerechnet im pandemiegeprägten Geschäftsjahr 2020/2021 die Trendwende gelang. Zwei Prozent Wachstum auf 623,2 Millionen Euro - das mache ihn angesichts der Umstände schon zufrieden, sagt Sebastian Schwanhäußer.

Das Unternehmen hat den strukturellen Vorteil, dass die Teilkonzerne Schreibgeräte, Kosmetik und Outdoor von ihren Umsätzen her inzwischen in etwa gleich groß sind. So balanciert sich manches aus. Jahrelange Rückgänge im Kosmetikgeschäft etwa, das auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 11,1 Prozent Umsatz einbüßte, werden durch mehr verkaufte Schreibgeräte (plus 7,8 Prozent) und das Wachstum der Outdoor-Sparte (plus 16,6 Prozent) mehr als nur ausgeglichen. In Zeiten des strengsten Lockdowns drängt es die Menschen an die frische Luft.

Die Verbraucher achten mehr denn je auf Nachhaltigkeit

So gesehen leidet und profitiert Schwanhäußer von der Pandemie. Was den Blick in die Zukunft erschwert. "Die Risiken sind nach wie vor sehr hoch", sagt Sebastian Schwanhäußer. Er verweist auf die vierte Corona-Welle, auch auf die steigenden Preise für Energie, Rohstoffe und Transporte. "Unser Geschäftsjahr 2021/22 ist trotzdem gut gestartet, und wenn die Kauflaune für unsere Produkte anhält, gehen wir als Prognose von einem leichten Wachstum aus."

Jenseits der Pandemie hat die Firma die Zeit genutzt, um eigene Schwächen zu beheben. Vor allem in der lange mit Abstand größten Sparte Kosmetik, wo ein neues Management unter Führung von Tomás Espinosa nicht mehr nur trendige Farbe fürs Gesicht liefern will, sondern verstärkt aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammengerührte Farbstifte für die Haut weiterverarbeitet und verpackt nach ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten. Die Verbraucherinnen achteten mehr denn je auf Nachhaltigkeit der Produkte, sagt Espinosa. Dazu passt ein Schminkstift für die Augen mit 70 Prozent weniger Kunststoff als seine Vorgänger. Und auch für die Lippen wird sich da sicher etwas erfinden lassen, denn irgendwann werden die Masken wieder fallen und die Lippen zu sehen sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB