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Schuldenkrise:Zyperns Bürger testen ein Leben ohne Banken

Cash Withdrawals from Cypriot banks following Cyprus bailout deal

Die größte Bank des Landes: Bank of Cyprus

(Foto: dpa)

Die größte Bank Zyperns ist immer noch nicht saniert. Das zwingt die Unternehmen auf der Insel, ausschließlich mit Bargeld zu wirtschaften - Kredite gibt es nicht mehr.

Von Michalis Persianis, Matina Stevis und Alkman Granitsas, Wall Street Journal Deutschland

Manchmal vergehen Wochen, in denen Constantinos Mentzis, ein Gastwirt aus Nikosia, kein einziges Mal zur Bank geht. Warum auch, fragt er. Die Banken auf Zypern funktionierten kaum mehr, jetzt wirtschaften Kleinunternehmer wie er nur noch mit Bargeld.

"Mein Metzger muss seine Lieferanten sofort bezahlen, also hat er mir gesagt, dass auch ich ihn sofort bezahlen muss, wenn ich Fleisch von ihm bekomme. Ich versuche, so viel wie möglich mit Bargeld zu arbeiten. Auf jeden Fall gibt es keine Kredite mehr", sagt er.

Über fünf Monate nachdem Zypern einem zehn Milliarden Euro schweren Hilfspaket zugestimmt hat, um seine Finanzindustrie zu retten, sind immer noch etwa 90 Prozent der Einlagen beim größten Kreditinstitut des Landes, der Bank of Cyprus, eingefroren. Währenddessen wickelt die Bank ihre schwierige Restrukturierung ab. Kapitalverkehrskontrollen schotten das Land vom Rest der Eurozone ab.

Lokale stehen leer

Die Restrukturierung der Bank of Cyprus war eine Bedingung des Rettungspakets, das die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds im März verabschiedeten. Viele Bankkunden mussten hohe Einlagenverluste hinnehmen, die Regierung musste ihr Haushaltsdefizit reduzieren und die zweitgrößte Bank des Landes, Laiki, wurde geschlossen. Jetzt schrumpft die Wirtschaft des Landes offenbar schneller, als vorhergesagt wurde. Die Gläubiger hatten für 2013 mit einem Minus von 8,7 Prozent gerechnet.

Immer mehr Ladenlokale an den Haupteinkaufsstraßen von Nikosia stehen leer. Die Arbeitslosigkeit steigt und Zehntausende von Unternehmen blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Zypern seine Haushalts- und Schuldenabbauziele nicht erreichen wird - eine Bedingung für die Rettung. Womöglich braucht das Land weitere Hilfszahlungen.

"Wir glauben, dass die Staatsschulden nicht haltbar sind und dass die Annahmen zur wirtschaftlichen und finanziellen Situation, auf denen das Rettungsprogramm basiert, viel zu optimistisch sind", sagt Gabriel Sterne von der Hedgefonds-Beratungsfirma Exotix. Sterne rechnet mit einem negativen Wirtschaftswachstum von 15 Prozent. Das wäre der größte Einbruch, den Zypern zu Friedenszeiten je erlebt hat. Das BIP ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um 4,8 Prozent geschrumpft, im zweiten Quartal um 5,4 Prozent, zeigen Daten von Eurostat.

Auf der Suche nach Einnahmequellen im Ausland

Die Krise bereitet auch den größten Konzernen der Insel Probleme. Tony Antoniou, Chef des börsengehandelten Zementherstellers Vassiliko Cements, sucht im Ausland nach Einnahmequellen, da in der Heimat kaum noch gebaut wird. Er will an andere Märkte in der Mittelmeerregion wie Ägypten, Libyen, Algerien und Israel exportieren. "Da gibt es noch Bares zu holen", sagt er.

In Zypern wird derzeit nur noch ein Viertel so viel Zement verkauft wie 2008, als die Wirtschaft ihren Höhepunkt erreicht hatte. Antoniou spart eisern, hat die Belegschaft innerhalb von zwei Jahren auf 170 halbiert und stellt nur noch Studienabgänger ein, wenn er neue Ingenieure braucht. Diese erhalten Verträge über neun Monate und verdienen 900 Euro pro Monat.

Christopher Pissarides, Nobelpreisträger und Leiter des staatlichen Rates von Wirtschaftsberatern, gibt zu, dass die Wirtschaft schneller schrumpft als erwartet. Das größte Problem sei die "große Unsicherheit um die Bank of Cyprus", die Teile der Laiki übernommen hat und dadurch geschätzte 38 Prozent der Aktivposten der zyprischen Banken hält.

Viele Einlagen eingefroren

Zwar sind die meisten Einlagen eingefroren, doch viele Kunden heben so viel Geld von ihren Konten ab, wie sie können. Pissarides glaubt, dass das etwa 30 Millionen Euro am Tag sind. Vor der Rettung im März verfügten die beiden Banken zusammen über etwa 24,6 Milliarden Euro an Einlagen. "Die Bank of Cyprus verliert enorm viel Liquidität", sagt er. "Wenn das so weitergeht, ergeht es der Bank of Cyprus wie der Laiki, und das wäre ein Desaster."

Dieser Ernstfall sei zwar noch weit entfernt, sagt Pissarides. Doch die Bedingungen werden immer schwieriger. Laut Eurostat lag die Arbeitslosigkeit im Juni bei 17,3 Prozent, deutlich über den 15,5 Prozent, die bei der Verabschiedung des Rettungspakets erwartet wurden. Der Einzelhandel ist in den ersten drei Monaten des Jahres bereits um 11,1 Prozent geschrumpft, fast so viel wie für das Gesamtjahr vorausgesagt wurden.

Manthos Mavromatis, der eine Firma für Wasserpumpen besitzt, gehört zu denen, die einen Teil ihrer Einlagen verloren. Eines Morgens im März wachte er auf und merkte, dass er von seinen zwei Millionen Euro Einlagen bei der Bank of Cyprus nur noch auf 200.000 Euro zugreifen konnte. Etwa 950.000 Euro waren in Anteile von fraglichem Wert an einer "neuen" Bank of Cyprus umgewandelt worden, der Rest war eingefroren.

Um sein Unternehmen über Wasser zu halten, kürzte er die Gehälter seiner 15 Angestellten um zehn Prozent. Er ist auch heute noch nicht sicher, ob er Entlassungen vermeiden kann. Er sei zwar in der Lage, die Rückzahlung für einen Kredit über zwei Millionen Euro im kommenden Jahr zu finanzieren, doch was im Jahr darauf passieren wird, ist noch unsicher. Mavromatis sagt, dass er sein Unternehmen um jeden Preis retten will. "Ich habe der Bank gesagt, dass sie mein Haus haben kann", sagt er. "Aber meine Fabrik bekommt sie nicht."

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