bedeckt München

Schuldenkrise:So will Griechenland beim Militär sparen

Griechisches Manöver

Armee in Griechenland: Soldaten bei einer Trainingseinheit nahe der Stadt Thiva, nordöstlich von Athen, im Jahr 2010

(Foto: AFP)
  • In den Verhandlungen mit den Gläubigern hat Athen angedeutet, den großen Verteidigungshaushalt beschneiden zu wollen.
  • Griechenland investiert überdurchschnittlich viel in seine Streitkräfte. Davon profitieren Exporteure wie Deutschland, Russland oder die USA.
  • Weil es bereits in der Vergangenheit ähnliche aber letztlich erfolglose Bemühungen gab, zeigen sich die Gläubiger skeptisch.

Von Christiane Schlötzer

Deutsche U-Boote, amerikanische Panzer und russische Raketen: Griechenland gehörte über Jahrzehnte zu den besten Kunden der Waffenindustrie im Westen, selbst in Moskau bediente sich das Nato-Land. Begründet wurden die vollen Arsenale stets mit der Aufrüstung in der Türkei, obwohl die Ex-Erzfeinde heute wirtschaftlich eng verbunden sind und dazu beide in der Nato. Zu dem absurden Waffenwettstreit gehörte die Korruption wie die Kugel zum Gewehr. Das weiß man inzwischen aus zahlreichen Gerichtsprozessen - in Athen und München.

Lange gab es den Verdacht, die Regierungen in Berlin und Paris würden den Rüstungsbereich bei ihren Sparforderungen an Griechenland eher schonen, schon aus Eigeninteresse. 2009, zu Beginn der Krise, betrugen die griechischen Militärausgaben vier Prozent des Bruttosozialprodukts. Auch nach diversen Kürzungen waren es 2013 immer noch 2,3 Prozent. Das reichte in der Nato noch für Platz drei, hinter den USA und Großbritannien. Griechenland besitzt weiterhin die sechstgrößte Armee aller EU-Staaten, noch immer gilt eine Wehrpflicht.

Die konservative Samaras-Regierung hatte für den Haushalt 2015 sogar wieder eine Erhöhung des Militäretats um 250 Millionen Euro vorgesehen. Nun will die Tsipras-Regierung nach einem Vorschlag hier pro Jahr 200 Millionen Euro einsparen. 100 Millionen soll die Schließung von 20 größeren und 30 kleineren Kasernen bringen. Einen ähnlichen Plan hatte zu Krisenbeginn auch schon der damalige Premier Giorgos Papandreou, gab ihn aber nach den ersten lokalen Widerständen gegen Standortschließungen auf. Der IWF zeigt sich denn auch jetzt skeptisch.

Im Vergleich zu anderen Bereichen wirken die Sparziele für das Militär immer noch bescheiden. In einem EU-Papier, das in Brüssel zirkuliert, wird den Griechen empfohlen, bei der Grenzüberwachung künftig mehr auf unbemannte Flugkörper zu setzen, um Personal zu sparen. Die Lobbyisten dürften sich freuen: Auch die Drohnen müsste Athen ja kaufen.

© SZ/jasch
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema