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Schuldenkrise:Ratingagentur erklärt Portugal-Anleihen zu Ramsch

Nicht nur Griechenland und Italien sind vollkommen überschuldet, auch Portugal steckt tief in der Krise. Die Ratingagentur Fitch senkt dessen Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau und erkennt ihm so den Status als Investment-Land ab.

In der Schuldenkrise konzentrieren sich die Helfer derzeit auf Griechenland und Italien, jetzt lenkt eine Ratingagentur die Aufmerksamkeit auf einen anderen überschuldeten Euro-Staat: Fitch rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft nächstes Jahr um drei Prozent schrumpft und stuft daher die Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramsch-Niveau herab.

Statt BBB- haben Portugals langfristige Staatsanleihen nur noch die Bonität BB+. Damit sind sie unter die Grenze gerutscht, die im Bewertungssystem der Agenturen akzeptable Investments von junk ("Abfall") trennt.

Zur Begründung verwies die Agentur auf die hohen Schulden, das Ungleichgewicht im Haushalt und die schlechten wirtschaftlichen Aussichten des Landes. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Standard & Poor's, die größte Ratingagentur, bewertet Portugals Bonität noch mit BBB-, also gerade noch akzeptabel.

Der Schritt ist ein weiterer herber Rückschlag für Portugals Bemühen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Im Mai war das Land unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft und hatte eine Sicherheit in Höhe von 104 Milliarden Euro in Anspruch genommen.

Die portugiesische Regierung hat seitdem die öffentlichen Ausgaben drastisch gekürzt und die Steuern erhöht. Das schürt den Zorn der Bevölkerung: An diesem Donnerstag hat ein Generalstreik den öffentlichen Verkehr in Portugal größtenteils lahmgelegt.

Mit einem schlechten Rating wird es teurer für Staaten, sich Geld zu leihen. Mit einer Ramsch-Note wird es fast unmöglich, sich nicht schon für die Tilgung alter Kredite noch mehr zu verschulden. Die Schuldensituation Portugals könnte sich nun also weiter verschlechtern.

Die drastische Abwertung Portugals im Juni durch die Ratingagentur Moody's hatte zu einem Aufschrei europäischer Politiker geführt. Sie glauben, dass eine Herabstufung ihre Schritte zur Lösung der Krise torpediert. Daraus entstanden verstärkte Bemühungen, die Ratingagenturen innerhalb der Europäischen Union zu reglementieren.

© sueddeutsche.de/dapd/jab/liv

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