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Schuldenkrise in Spanien:Angst vor der Rettung

Spanien steckt in der Klemme: Renditen auf Staatsanleihen schnellen in die Höhe, die Banken des Landes müssen von der Regierung womöglich mit gewaltigen Summen gestützt werden. Unklar ist, wie Spanien diese aufbringen könnte. Klar ist nur: Ministerpräsident Rajoy will partout nicht unter den europäischen Rettungschirm.

Es ist schon kurios: Griechenland will sich helfen lassen, dafür aber nicht mehr sparen. Spanien hingegen ist zwar bereit zu sparen, möchte sich aber nicht helfen lassen.

Die Regierung des Landes unter Ministerpräsident Mariano Rajoy beharrt darauf, die Probleme des Landes alleine zu lösen. "Es wird für die spanischen Geldhäuser keine europäische Rettungsaktion geben", erklärte er zuletzt. Nach Angaben der Budgetstaatssekretärin Marta Fernández Currás ist die Rekapitalisierung der Banken bereits angelaufen. Der Staat werde die Mittel zur Verfügung stellen, die notwendig seien. "Eine europäische Rettungsoperation ist nicht notwendig."

Rajoy räumte allerdings ein, dass Spanien es derzeit "sehr schwer" habe, sich auf den Finanzmärkten frisches Geld zu beschaffen: Die Rendite auf spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren liegen aktuell bei knapp unter 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit wirft derzeit gerade 1,4 Prozent ab. Spanien muss also einen satten Aufschlag von mehr als fünf Prozentpunkten zahlen, um noch an Geld zu kommen. Das ist die Zitterprämie für die Investoren.

Bankia-Mutterkonzern mit hässlichem Verlust

Dauerhaft gilt ein solches Zinsniveau als nicht mehr finanzierbar. Jedenfalls beantragten Portugal, Irland und Griechenland Hilfsgelder von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), als sie die Marke von sieben Prozent erreichten. Die Regionalregierung von Katalonien hat Madrid schon um Hilfe gebeten, weil sie bereits 8,5 Prozent Zinsen für ihre Anleihen zahlen muss.

Hinzukommen immer neue Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor. Der Mutterkonzern der maroden spanischen Sparkasse Bankia, BFA, musste seine Ergebnisse für 2011 korrigieren. Statt eines Gewinns von 41 Millionen Euro stehe nun ein Minus von 3,3 Milliarden Euro in den Büchern, hieß es in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht in Madrid. Die neuen Zahlen spiegelten eine Überprüfung der Kredit-Portfolios und der Kapitalbedürfnisse wieder.

Bankia selbst hatte bereits am Freitag einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 19 Milliarden Euro angemeldet. Das Institut musste Anfang Mai bereits mit 4,5 Milliarden Euro vom Staat gestützt werden, weil es die riesigen Verluste aus dem spanischen Immobilien-Crash nicht mehr schultern konnte. Insgesamt beläuft sich die benötigte Summe für die Rettung Bankias damit auf mehr als 23 Milliarden Euro.

Wie die spanische Regierung die Bankia-Hilfen letztlich finanzieren will, ist aber noch unklar. Offenbar denkt man in Madrid darüber nach, dem Institut Staatsanleihen zur Verfügung zu stellen und dafür Anteile an der Bank zu übernehmen. Der Vorteil: Bankia könnte die Papiere bei der EZB als Sicherheit hinterlegen, um sich frisches Geld zu beschaffen. Rajoy erklärte jedoch, mit der EZB nicht über Bankia gesprochen zu haben. Es gebe noch keine Entscheidung, wie das Überleben der Sparkasse finanziert werden soll. Auch die EZB selbst sagte der Financial Times Deutschland, sie wisse nichts von derartigen Plänen der spanischen Regierung.

An der Börse stürzte der Bankia-Kurs an diesem Dienstag weiter ab. Bis zum Mittag verlor das Papier mehr als zehn Prozent. Seit vergangenen Donnerstag summieren sich die Verluste damit auf knapp 25 Prozent.

Bei den Euro-Partnern wächst unterdessen die Sorge um Spanien. "Wir wissen immer noch nicht, wie viel die spanischen Banken brauchen, sondern kennen nur die Schätzungen von bis zu 100 Milliarden Euro", sagte ein hochrangiger Vertreter der Euro-Gruppe.

Der spanische Politikwissenschaftler Ismael Crespo sieht in erster Linie politische Gründe für Rajoys Weigerung, sich aus dem Ausland helfen zu lassen. "Der politische Preis einer EU-Rettung ist hoch", sagte er der FTD. Die Regierung würde damit nach gerade einmal fünf Monaten im Amt Zweifel aufkommen lassen, ob sie die Probleme des Landes lösen könne.