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"Spiegel"-Meldung:Griechenland braucht noch mehr Geld

Die Finanzierungslücke Griechenlands ist größer als bislang bekannt. Wie der "Spiegel" berichtet, braucht das Land mindestens weitere 2,5 Milliarden Euro um der Zahlungsunfähigkeit zu entgehen. Gleichzeitig nimmt die Debatte über eine Spaltung der Währungsunion an Schärfe zu.

Griechenland braucht offenbar noch mehr Geld als bislang angenommen. So fehlten in den beiden kommenden Jahren nicht 11,5 Milliarden Euro, wie die Regierung in Athen bereits eingeräumt hat, sondern bis zu 14 Milliarden Euro. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf jüngste Erkenntnisse der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

Ursache für die akuten Finanznöte sind demzufolge Rückschläge bei Privatisierungen und die wegen der verschlechterten Wirtschaftslage ausbleibenden Steuereinnahmen. Dies hätten die Abgesandten der EU-Troika herausgefunden.

Die genaue Höhe des zusätzlichen Finanzbedarfs soll Anfang September ermittelt werden, wenn die Troika zu ihrem nächsten Besuch nach Griechenland kommt. Die Delegation kritisiere in ihrem Zwischenbericht, dass die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras schon bislang nicht habe erklären können, wie sie die Einsparungen von 11,5 Milliarden Euro erreichen wolle. Etwa ein Drittel sei noch ungedeckt.

Die Regierungen der Eurozone suchen derzeit nach einem Weg, die Finanzierungslücke ohne ein neues Hilfspaket zu überbrücken. Im Gespräch ist dem Bericht zufolge, dass die Geberländer Griechenland einen Rabatt auf die Zinsen für ihre Hilfskredite gewähren oder sich sogar mit einer kompletten Stundung einverstanden erklären.

Gleichzeitig nimmt die Debatte über eine Spaltung der Währungsunion an Schärfe zu. Der österreichische Außenminister Michael Spindelegger sagte laut Spiegel, er habe mit seinen Amtskollegen über eine Änderung des EU-Vertrags gesprochen, die einen Ausschluss von Euro-Sündern möglich machen soll. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sagte dazu, dies gehe in die völlig falsche Richtung. "Es ist der Geist der Europäischen Union, die Integration zu fördern und nicht die Spaltung. Wer mit Rauswurfszenarien spielt, stellt die Existenz der EU als Ganzes in Frage."

Erst kürzlich hatte sich Griechenland etwas Luft verschafft, um wenigstens durch den August zu kommen. Das Land hat sich genügend Geld am Finanzmarkt geliehen um einen großen Kredit zurückzahlen - ausgerechnet an die EZB. Griechenland ist eigentlich vom Kapitalmarkt abgeschnitten, Investoren trauen dem Land nicht. Athen erhält deswegen bisher regelmäßig Tranchen aus dem Rettungspaket, um die Staatsausgaben bezahlen zu können.

Griechenland kommt nicht aus der tiefen Rezession heraus. Die griechische Wirtschaft schrumpfte zwischen April und Juni um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, teilt das Statistikamt in Piräus mit. Insgesamt schrumpft die Wirtschaft jedoch etwas langsamer. Im ersten Quartal war die Konjunktur um 6,5 Prozent eingebrochen. In den letzten drei Monaten 2011 waren es noch 7,5 Prozent.

© Süddeutsche.de/afp/rela/leja
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