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Schuldenkrise in den USA:Angst vor der Pleite - und ein Plan B

Die Stimmung ist seltsam: Keiner mag daran glauben, dass in ein paar Tagen die Vereinigten Staaten tatsächlich zahlungsunfähig sind. Doch die Banken bereiten sich darauf vor - das US-Finanzministerium hat Topmanager der 20 wichtigsten Geldinstitute im Land eingeladen.

Die Zeit wird knapp und noch ist keine Lösung in Sicht: Nachdem ein Kompromiss im US-Schuldenstreit zwischen Republikanern und Präsident Barack Obama am Veto der Tea-Party-Bewegung gescheitert war, reagiert die Wirtschaft zunehmend nervös - aber keineswegs panisch: Die Kurse an den Aktienmärkten gaben leicht nach - der Dax etwa büßte 0,7 Prozent ein.

Hochspannung um den Dollar

In Washington feilen Republikaner und Demokraten an einem Kompromiss im US-Schuldenstreit - bisher vergeblich. Die Wirtschaft reagiert nervös.

(Foto: dpa)

Das US-Finanzministerium hat nun die Topmanager der 20 wichtigsten Großbanken im Land zu einem Treffen über die Schuldenkrise eingeladen. Dabei können die Vertreter von Banken wie JPMorgan, Citigroup, Goldman Sachs und Barclays Fragen über die möglichen Folgen einer Zahlungsunfähigkeit der USA stellen.

"Dramatische Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds"

Thema der Gespräche soll zudem auch ein bevorstehender vierteljährlicher Aufkauf von Staatsschulden sein. Hintergrund des Treffens sei die derzeitige Nervosität auf den Finanzmärkten, die mit den festgefahrenen Verhandlungen um die Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar einhergehe, erklärten Behördenvertreter. Die Gespräche sollen bei der US-Notenbank Federal Reserve stattfinden.

Sollten sich das Weiße Haus und der Kongress bis Dienstag nicht auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar einigen, sind die USA formal zahlungsunfähig. Was dies bedeuten würde, hatte die US-Finanzelite bereits in einem Brandbrief an die Politiker in Washington deutlich gemacht.

In drastischen Worten warnten sie vor den Konsequenzen, sollten die USA keine neuen Schulden mehr aufnehmen dürfen und damit zahlungsunfähig werden: "Ein Zahlungsausfall bei unseren Verpflichtungen oder eine Herabstufung des Kreditratings der USA wäre ein ungeheurer Rückschlag für das Geschäft und das Vertrauen der Investoren", heißt es in dem Brief der US-Banken.

Sie malen ein tiefschwarzes Bild für den Fall, dass eine Einigung scheitert: Steigende Zinsen für alle Kreditnehmer, eine Schwächung des Dollar, Schatten über den Aktien- und Anleihemärkten, "und damit eine dramatische Verschlechterung des ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in unserem Land".

Aus dem Weißen Haus heißt es hingegen, Präsident Barack Obama arbeite an einem "Plan B" - sollte es entgegen aller Hoffnungen nicht zu einer Einigung kommen. Wie der allerdings aussieht, ist unklar. Ein Sprecher des US-Präsidialamtes wollte keine Angaben dazu machen, ob etwa der Schuldendienst in diesem Fall Vorrang vor den Sozialausgaben haben soll. Hierzu werde das Finanzministerium seine Pläne bekanntgeben, wenn die Frist am 2. August näher rücke und sich im Kongress noch immer keine Einigung abzeichne.