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Schuldenerlasse:Wann Schuldenschnitte halfen - und wann nicht

Griechenlands Regierung fordert immer wieder einen Schuldenschnitt. Das Instrument ist so beliebt wie umstritten - auch Deutschland profitierte schon davon.

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Schwarzer Freitag in New York, 1929

Quelle: Knorr + Hirth/SZ Photo

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Schuldenschnitt für Deutschland

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg hätte Deutschland dem Young-Plan zufolge bis 1988 jährlich zwei Milliarden Reichsmark an Reparationen zahlen müssen. Während der Weltwirtschaftskrise war das unmöglich. Die Krise, ausgelöst an der New Yorker Börse am Schwarzen Freitag im Oktober 1929 (Bild), stürzte Deutschland 1931 letztlich in die Zahlungsunfähigkeit. Daraufhin verzichteten die Alliierten 1932 auf der Konferenz von Lausanne auf einen Großteil ihrer Forderungen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard  auf der Deutschen Luftfahrtschau, 1959

Quelle: SZ

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Schuldenschnitt für Deutschland

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte Deutschland von einem Schuldenerlass. 1945 hatte Deutschland etwa 30 Milliarden Deutsche Mark Auslandsschulden. Auf der Londoner Schuldenkonferenz vom 27. Februar 1953 verzichteten die Gläubiger auf die Hälfte der Verpflichtungen und etwa 20 Milliarden DM an Zinsen. Nur 14,5 Milliarden DM musste Deutschland letztlich zurückzahlen. Weiter wurden für die ausstehenden Schulden Laufzeiten verlängert und Zinsen gesenkt. Bald danach erlebte Deutschland einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung - das sogenannte Wirtschaftswunder. Der Schuldenerlass dürfte dazu in hohem Maße beigetragen haben. Im Bild: Wirtschaftsminister Ludwig Erhard im Jahr 1959.

Rio de Janeiro

Quelle: iStockphoto

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Schuldenschnitte in Lateinamerika

In den 1960er und 1970er Jahren verschuldeten sich lateinamerikanische Staaten massiv im Ausland, um ihre Industrialisierung voranzubringen. Die Ölkrise und die damit verbundenden steigenden Rohstoffpreise setzten die ölimportierenden Länder wie Argentinien, Brasilien und Ecuador unter Druck. Gleichzeitig erhöhten sich Ende der 70er die Zinsen an den Kapitalmärkten - die Belastung der verschuldeten Länder stieg. Sie konnten weniger neue Kredite aufnehmen und gaben weniger Geld aus. Das Wirtschaftswachstum ging zurück.

Ein Schuldenerlass sollte die Wirtschaft wieder ankurbeln und die Länder befähigen, zumindest einen Teil der Schulden zurückzuzahlen. Private und staatliche Gläubiger gaben ihre Forderungen teilweise auf, Zahlungsfristen wurden verlängert und Kredite umgeschuldet. Die Gläubiger forderten im Gegenzug Reformen in Richtung einer liberaleren Marktwirtschaft. Tatsächlich folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung - dazu dürften aber auch die liberalisierten Märkte beigetragen haben. Im Bild: Blick über das brasilianische Rio de Janeiro.

Flagge,Argentinien, Fußball, WM, Fahne, WM 2010

Quelle: sde

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Schuldenschnitt für Argentinien

Ende der 1990er steckte Argentinien tief in einer Rezession. 2001 vermeldete der südamerikanische Staat Zahlungsunfähigkeit, die Regierung stellte den Schuldendienst ein - Argentinien war bankrott. Präsidenten stürzten in Serie, Privatkonten wurden eingefroren, der Peso abgewertet, Sparer verloren ihre Guthaben. Unternehmer gaben auf, Millionen Argentinier verarmten, Hunderttausende wanderten aus.

2001 stimmten die meisten Besitzer argentinischer Staatsanleihen einem teilweisen Schuldenschnitt zu. Dank eines billigen Peso und hoher Nachfrage nach Rohstoffen setzte anschließend ein erstaunlicher Aufschwung ein. Heute, nach mehr als zehn Jahren Wachstum, ist der Boom wieder einer Rezession gewichen, das Land steht abermals vor der Pleite.

© SZ.de/jasch
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