Auskunftei:Tanja Birkholz bleibt Schufa-Chefin

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Tanja Birkholz möchte die Schufa transparenter gestalten. Dafür hat sie jetzt weitere fünf Jahre Zeit. (Foto: Gaby Gerster/Gaby Gerster)

Nicht alle Vorhaben der 51-Jährigen sind während ihrer ersten Amtszeit geglückt, dennoch bekommt sie nun einen Vertrag für weitere fünf Jahre - und plant bereits die nächste große Veränderung.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Der Aufsichtsrat der Auskunftei Schufa hat den Vertrag der Vorstandsvorsitzenden, Tanja Birkholz, verlängert. Wie die Süddeutsche Zeitung vorab erfuhr, bekommt die amtierende Chefin von Deutschlands mächtigster Auskunftei einen Vertrag für weitere fünf Jahre. Die Gesellschafter der Schufa bestätigen damit den von Birkholz vor mehr als zwei Jahren eingeschlagenen Kurs, das eigene Geschäftsmodell besser zu erklären und mehr auf Privatkunden auszurichten.

Birkholz ist bereits seit Anfang 2020 im Vorstand der Schufa, im Juli vor vier Jahren rückte sie auf den Posten der Vorstandsvorsitzenden vor und krempelt seither Deutschlands größte und mächtigste Auskunftei um. Diese wird von vielen Verbrauchern skeptisch gesehen, weil die Schufa-Bewertung der Kreditwürdigkeit darüber entscheidet, ob Menschen einen Kredit, einen Smartphone-Vertrag oder eine Wohnung bekommen. Anhand von Faktoren wie der Anzahl der eigenen Kreditkarten oder der Umzüge in den vergangenen Jahren berechnet die Auskunftei den "Schufa-Score", der zwischen null und 100 liegen kann. Je höher er ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es laut Schufa, dass die Menschen ihre Schulden zurückbezahlen, und desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Menschen einen Kredit von beispielsweise einer Bank bekommen. Ist die Bewertung hingegen zu niedrig, sind Kreditkonditionen schlechter.

Birkholz will das Image der Schufa verbessern

Für Millionen Menschen in Deutschland ist dieses "Scoring" ein undurchsichtiger Prozess, bei dem keiner so recht versteht, warum er eigentlich welche Bewertung bekommen hat. Seit 2022 versucht Tanja Birkholz, das zu ändern und das Image der Schufa als "Blackbox" abzuschütteln. Dafür hat sie unter anderem eine sogenannte "Transparenzoffensive" ausgerufen und sagte in ihrem ersten Interview als Vorstandschefin bei der SZ: "Wir müssen klipp und klar erklären, was wir hier machen."

Um Birkholz' Anspruch gerecht zu werden, haben die IT-Spezialisten im Hause einen Score-Simulator gebaut, mit dem Menschen ihre eigene Bewertung und Einflussfaktoren wie Kredite simulieren können. Künftig soll jeder seine wichtigsten Daten in einem "Datencockpit" sehen und mit zusätzlichen Informationen auch verbessern können. Das dürfte zwar hohe Investitionskosten mit sich bringen, an Geld mangelt es dem Unternehmen, das größtenteils Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken gehört, allerdings nicht. Der Umsatz hat sich zwischen 2014 und 2022 auf mehr als 260 Millionen Euro verdoppelt und der Gewinn auf mehr als 50 Millionen Euro verdreifacht. In den ersten drei Quartalen 2023 steigerte die Schufa beide Werte erneut. Das meiste Geld verdient die Auskunftei, indem sie die Scores der Menschen an Unternehmen und Banken verkauft. Privatkunden werden aber immer wichtiger.

Konten durchstöbern und Datenleck: Das waren die Rückschläge in der ersten Amtszeit

Frei von Rückschlägen und Brisanz war die erste Amtszeit von Birkholz nicht. Bereits 2020 enthüllten NDR und Süddeutsche Zeitung , dass die Schufa plane, die Konten der Deutschen zu durchstöbern, was heftige Kritik unter Datenschützern auslöste. Das Projekt wurde ein Jahr später eingestampft, und Birkholz nannte es in ihrem ersten Interview als Chefin einen Fehler. 2022 dann gab es einen heftigen Bieterkampf um Anteile der Schufa, als ein schwedischer Investor bei der Auskunftei einsteigen wollte. Am Ende wurde daraus nichts. Mitte 2023 geriet die Schufa- Tochter Bonify mit einem Datenleck in die Schlagzeilen. Über einen Trick konnten sich Nutzer der App damals die Bonitätsauskünfte von wildfremden Menschen ansehen. Gut fürs Image war das nicht.

Dass die Gesellschafter den Vertrag von Birkholz nun vorzeitig verlängert haben, ist dennoch als Vertrauensbeweis in die eingeschlagene Richtung zu verstehen. Aufsichtsratschef Christian Polenz attestiert Birkholz, wichtige Impulse gesetzt zu haben. Die ganz große Veränderung steht nun noch an. Denn die Schufa will künftig nur noch einen statt bisher Dutzender Scores errechnen. Dieser soll deutlich einfacher erklärbar sein, und Verbraucher sollen ihn durch zusätzliche Informationen auch nach oben korrigieren können. Bereits 2024 soll der neue Score auf den Markt kommen. Es wäre die größte Veränderung der Schufa seit Jahrzehnten.

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