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Schokoladenproduktion:Süß und fair

"Wenn sich die Lage der Bauern nicht schnell verbessert, werden viele keinen Kakao mehr anbauen." Peter Riegelein

(Foto: Peter von Beyer)

Der Chocolatier Peter Riegelein ist zu Kakaobauern nach Peru gereist. Seitdem ist er überzeugt, dass sich die Produktion verändern muss.

"Ich habe Schokolade im Blut", sagt Peter Riegelein scherzhaft, Inhaber der gleichnamigen Confiserie in zweiter Generation. Wer als kleiner Junge in einer Bäckerei aufgewachsen ist und als Heranwachsender erlebte, wie aus der Bäckerei eine Schokoladenfabrik im fränkischen Cadolzburg wurde - für den gehört der Geschmack von im Mund zergehender Schokolade zum Alltag.

Umso nachdenklicher wirkt der Unternehmer, als er von seinem Aufenthalt bei Kakaobauern im Hochland von Peru erzählt. In einer Kühltasche hatte er Schokoladenprodukte mit an den Äquator genommen. Einige der Bauern hätten so erstmals in ihrem Leben Schokolade gegessen. Bei seiner Reise vor drei Jahren hat der Fabrikant eindringlich die bescheidenen Lebensbedingungen derjenigen hautnah erlebt, ohne die sowohl er als auch seine 900 Mitarbeiter und die Kunden aufgeschmissen wären. Die Zeit drängt: "Wenn sich die Lage der Bauern nicht schnell verbessert, werden viele keinen Kakao mehr anbauen." Den 57-Jährigen haben die Begegnungen mit den Bauern bestärkt, nur noch fair hergestellten Kakao in seinem Betrieb zu verarbeiten. Besonders auch, weil der faire Handel den Bauern die Planungssicherheit gebe. Nur so könnten sie auch ihre Kinder davon überzeugen, dass sich der Anbau von Kakao eines Tages vielleicht doch lohnen könne.

In vier Wochen, wenn Riegelein wie jedes Jahr bei der Süßwarenmesse in Köln ist, kann er den Kunden verkünden, dass sein Plan aufgegangen ist. Die Kollektion der Weihnachtsmänner für die Saison 2016 wird in den beiden Werken in Franken und in Sachsen komplett aus fair gehandeltem Kakao hergestellt sein. Dieses Weihnachten waren es bereits zwei Drittel der Produktion.

Riegelein stellt etwa 50 unterschiedliche Weihnachtsmänner her - vom fünf Gramm-Männchen bis zum Ein-Kilo-Koloss. 18 000 Tonnen Schokolade hat der Mittelständler zuletzt pro Jahr selbst hergestellt und daraus über das Jahr verteilt etwa 750 unterschiedliche Schokoladenfiguren gegossen, ob Weihnachtsmänner oder Osterhasen.

Was Riegelein künftig unter dem Familiennamen verkauft, wird mit dem Label des fairen Handels ausgezeichnet werden. Aber auch alle Eigenmarken, die er für andere, insbesondere Händler fertigt, werden als fair zertifiziert - hier kämen unterschiedliche Siegel zum Einsatz, etwa UTZ oder Rainforest Alliance. "Alle Siegel leisten schließlich einen Beitrag für bessere Lebensbedingungen der Bauern", sagt Riegelein. Er hofft, dass die faire Produktionsweise möglichst bald den Massenmarkt erreicht: "Nur wenn immer mehr Firmen, auch die ganz Großen, auf fairen Kakaohandel umstellen, wird sich wirklich etwas vor Ort im Süden ändern."

Fair müsse aber nicht nur der Anbau des Kakaos sein, also des wichtigsten Rohstoffs für die Schokoladenherstellung, findet Riegelein; sondern die gesamte Wertschöpfungskette vom Baum bis zur Schokolade im Regal sollte fairen Bedingungen genügen. "Die Aufgabe ist gigantisch, aber wir müssen sie lösen", sagt Riegelein. Alle Beteiligten der Produktion müssten von ihren Löhnen ihre Familien ernähren, Kinder in die Schule schicken und sich eine Gesundheitsbehandlung leisten können. Logischerweise könnten Produkte nur fair sein, wenn sie am Ende auch etwas teurer sind, sagt Riegelein. Optimistisch stimmt ihn, dass ein Teil der Verbraucher dies genauso sehe und zwar unabhängig vom Einkommen, wie mehrere Studien zeigten. Trotzdem gebe es in der Bevölkerung noch viel Nachholbedarf. Schaffen könne man dies nur mit noch viel mehr Transparenz über die Produktionsprozesse, ist Riegelein überzeugt.