Schmiergeldprozess um Banker Gribkowsky Zunehmend abgeschottet

Der Vorsitzende Richter Peter Noll hat bereits angedeutet, dass er diese Version bezweifelt. Sollte das Gericht die Erpressungsgeschichte verwerfen, bliebe nur eine Erklärung dafür, dass Ecclestone Gribkowsky Millionen überwies: Er müsste es im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel 1 erhalten haben, den er als zuständiger Vorstand bei der BayernLB praktisch allein einfädelte und umsetzte. Dies würde den Vorwurf der Anklage stützen, wonach Gribkowsky bestochen wurde oder sich auf Kosten der Bank bereicherte.

Auffällig ist, dass sich Gribkowsky in der BayernLB bei dem Geschäft zunehmend abschottete. So schilderte Irrgang, die mit ihm in der Bank die Formel 1 intensiv betreut hatte, wie er sie plötzlich fernhielt von den Verkaufsverhandlungen. Einige der Klauseln, die Gribkowsky beim Verkauf aushandelte, kosteten die Bank Millionen Dollar. Irrgang und ein weiterer Landesbank-Kollege fanden die Absprachen schockierend, konnten aber nicht eingreifen.

Heute wiederum sind frühere Anwälte und Bekannte Gribkowskys schockiert, wozu die Dollar-Millionen wirklich genutzt wurden. Bis auf einen kleinen Fall mit 1400 Euro nämlich nicht für die Hilfe Krebskranker - laut Gribkowsky sollten jährlich 200 Familien mit gut einer Million Euro unterstützt werden. Sondern vor allem für private Zwecke. Hier ein teures Essen, dort eine Reise nach New York, und später 3000 Euro Beraterhonorar. Pro Tag. Eine Steueranwältin empörte sich bei der Staatsanwaltschaft, sie finde es furchtbar, wie mit dem Geld "geaast" worden sei.

Entsetzt sind auch Mieter eines Wohnblocks in Berlin, der mit den Dollar-Millionen gekauft worden war und der zur Stiftung gehört. Gribkowsky hatte sich im Juni 2009 den Mietern in einem Rundschreiben mit den Worten vorgestellt, es sei alles für einen guten Zweck. Die Erträge seien für Familien mit krebskranken Kindern gedacht, unabhängig von deren Herkunft, Nationalität und Religion. Wie schön.