Familienunternehmen:Simba Dickie übernimmt Schulranzen-Marken

Familienunternehmen: Bei Schulkindern sind bunte Rucksäcke nach wie vor angesagt.

Bei Schulkindern sind bunte Rucksäcke nach wie vor angesagt.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Deutschlands größter Spielwarenhersteller kauft die zuletzt schwächelnden Rucksack-Hersteller Scout, Derdiedas und 4You.

Von Uwe Ritzer, Fürth

Georg Essl III. war entsetzt, wie viel die Kinder da auf ihrem Rücken schleppen mussten. Kiloweise Bücher, Hefte und Schreibgeräte in Schulranzen, die - nicht selten aus robustem, braunem Leder - schon leer zwei Kilogramm wogen. Also machte sich der Unternehmer und Erfinder aus Hermagor in Kärnten ans Werk. Ende der 1960er-Jahre schuf er eine "körpergerechte Schultasche Federleicht", angelehnt an moderne Rucksäcke. Statt aus Leder waren die neuen Schultaschen - und wenig später auch neuartigen Schulrucksäcke - aus reißfestem und wasserdichtem Nylonstoff. Und sie waren quietschbunt. Eine deutsche Unternehmerfamilie stieg in das Geschäft ein; zum Verkaufsschlager wurden die Schultaschen unter einem flotten Namen: Scout.

In Spitzenzeiten wurden angeblich zehn Millionen solcher Scouts verkauft; die Marke galt als Marktführerin. Zuletzt schwächelten die Geschäfte allerdings, statt Scout ist inzwischen wohl Ergobag der führende Schultaschenhersteller des Landes. Nun will Deutschlands größter Spielwarenkonzern Simba Dickie für eine Renaissance der Marke Scout sorgen. Für einen nicht genannten Betrag hat das Fürther Familienunternehmen die Marke Scout gekauft, im Verbund mit deren Schwestermarken Derdiedas und 4You.

Am 31. Januar gehen sie in das Eigentum der Simba-Dickie-Gruppe über, die von Mai an zusätzlich zu den Markenrechten auch die restlichen Warenbestände übernehmen wird. "Wir wollen Scout mit neuem Leben füllen und weiterentwickeln", sagt Florian Sieber, geschäftsführender Gesellschafter der Simba-Dickie-Gruppe.

Zuletzt gehörte die Marke Scout der Nürnberger Unternehmerfamilie Steinmann, nun übernimmt sie mit Simba Dickie ein anderes Familienunternehmen aus dem benachbarten Fürth. Seit Jahrzehnten sammeln die Siebers schwächelnde Marken, um sie erfolgreich wiederzubeleben. Beste Beispiele sind der Bobbycar-Hersteller Big oder die Modelleisenbahnikone Märklin, die nicht in die Gruppe integriert ist, ebenfalls aber der Familie gehört. Zur Simba-Dickie-Gruppe gehört auch die Tochterfirma Undercover, die sich bislang auf das Massengeschäft mit Kinderrucksäcken oder Federmäppchen konzentriert, die als Lizenzprodukte mit Motiven aus der Welt von Barbie, "Super Mario", "Harry Potter", der "Eiskönigin" oder "Star Wars" bedruckt sind. Scout-Taschen werden hingegen ausschließlich über den Fachhandel vertrieben, zu dem sich Undercover so einen Zugang verschafft. "Wir waren im Fachhandel bislang unterrepräsentiert und wollen das ändern", sagt Florian Sieber. Undercover werde durch die Akquisition "sicher einen Schub bekommen".

Es handelt sich bei der Übernahme um einen sogenannten Asset-Deal. Simba Dickie entnimmt dabei ausschließlich die Marke, jedoch keine Fertigung und keine Beschäftigten. Allerdings werden nach Siebers Angaben bei Undercover im Zuge der Übernahme neue Stellen geschaffen.

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