SpielwarenherstellerSchleich di

Lesezeit: 3 Min.

Schleich verkauft im Jahr rund 35 Millionen Dinos, Einhörner und Ferkel aus Kunststoff. Auch Charlie Brown oder die Schlümpfe hat die Firma in die Kinderzimmer gebracht.
Schleich verkauft im Jahr rund 35 Millionen Dinos, Einhörner und Ferkel aus Kunststoff. Auch Charlie Brown oder die Schlümpfe hat die Firma in die Kinderzimmer gebracht. Norbert Försterling/dpa

Nach 89 Jahren in Schwäbisch Gmünd ist die Firma Schleich dieses Jahr nach München gezogen. Nun hat der Spielwarenhersteller seinen Chef ausgetauscht. Klingt nach Chaos. Wird die Firma jetzt verkauft?

Von Tobias Bug, Stuttgart

München, das war der Sehnsuchtsort von Stefan De Loecker. Als er seinen Chefposten bei Schleich antrat, Anfang 2024, zog er nicht etwa nach Schwäbisch Gmünd, an den Firmensitz des Spielzeugherstellers seit der Gründung 1935. Stattdessen zog De Loecker nach München. Anfang dieses Jahres holte er die ganze Firma nach.

Am neuen Hauptsitz könne man Markenstrategie und Internationalisierung besser vorantreiben, schrieb De Loecker vergangenen Sommer der SZ. München biete das „ideale Umfeld“, einen Flughafen, um Asien und Amerika leichter zu erschließen. Support-Bereiche wie Callcenter schickte er nach Prag. Es gehe nicht nur um den physischen Arbeitsplatz, sondern um eine neue Denkweise, sagte er Anfang 2025. „Es gab nie eine spannendere Zeit, bei Schleich zu arbeiten.“ Schön hätte es also werden können für De Loecker und Schleich in München. Doch nur acht Monate nach dem Umzug ist Schluss für ihn. De Loecker ist seinen Job los.

Der Investor will aus Schleich eine Weltmarke machen

Was ist da los beim Spielzeughersteller, der dieses Jahr 90 geworden ist und jährlich rund 35 Millionen Einhörner, Dinos und Ferkel aus Kunststoff verkauft? Wie läuft es in der neuen Heimat München, und was steckt hinter dem Chefwechsel – nur eineinhalb Jahre, nachdem De Loecker übernommen hatte? Und: Wie will sich Schleich behaupten auf dem schrumpfenden Spielwarenmarkt?

Alles Fragen, die man dem neuen Chef stellen möchte. Manfred Ziegler hat Anfang September die Geschäfte bei Schleich übernommen, er meldet sich am Telefon. Recht offen spricht er über seinen Start, der gut verlaufe, dann entschuldigt er sich. Weitere Fragen will er schriftlich beantworten. Das kurze Gespräch unterscheidet ihn schon von seinem Vorgänger, der trotz mehrerer Anfragen nicht reden wollte und zugesagte Treffen verschob.

Auch mit dem Hinweis darauf, dass die Restrukturierung der Firma noch laufe. Bei Schleich ging es offenbar chaotisch zu. Anfang September steht noch immer kein Jahresabschluss für 2024, keiner weiß, wie hoch der Umsatz war. Unter Ex-Geschäftsführer Dirk Engehausen war es steil nach oben gegangen. Er hatte neue Märkte erschlossen und 2022 den Umsatz im Vergleich zu 2013 verdreifacht: auf 275 Millionen Euro. Im Jahr darauf aber war er um 15 Prozent zurückgegangen, auch weil das Corona-Hoch, als alle daheim saßen und spielten, vorbei war. Ende 2023 hörte Engehausen auf, und De Loecker, früher Beiersdorf-Chef, übernahm.

Da gehörte Schleich schon der Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Partners Group, die 2019 für 400 Millionen Euro übernommen hatte. Noch bis 2006 war die Firma in Familienbesitz gewesen, dann sind Investoren eingestiegen. Die Partners Group will Schleich zu einer Weltmarke machen. Tradition trifft seitdem auf Profitorientierung. Mitarbeitende berichteten der SZ, dass unter dem Eigentümer ständig Vorgesetzte gekommen und gegangen seien und es immer wieder neue Systeme für Prozesse oder Logistik gegeben habe. Das Alltagsgeschäft habe nicht mehr funktioniert.

In Schwäbisch Gmünd haben Familien jahrzehntelang von den Schlümpfen gelebt

Viele Leute im Unternehmen und in Schwäbisch Gmünd vermuten, dass Schleich mit dem Umzug nach München auf einen gewinnbringenden Verkauf vorbereitet werden soll. So auch Bürgermeister Richard Arnold, der vergeblich versucht hatte, Schleich in Schwäbisch Gmünd zu halten. Anzeichen dafür gibt es. Aktuell läuft bei Schleich eine Refinanzierungsrunde. Laut Bloomberg bieten Kreditfirmen fünf Millionen Euro frisches Kapital an, um den Liquiditätsbedarf zu decken. Die Umschuldung könnte demnach dazu führen, dass die Partners Group vorübergehend die Kontrolle über den Spielwarenhersteller an die Gläubiger verliert. Anschließend solle ein neuer Eigentümer gefunden werden.

Man befinde sich in einer geplanten und turnusmäßigen Refinanzierung, sagt dazu eine Schleich-Sprecherin. Der neue Chef Manfred Ziegler sei im Juni 2025 als Chief Restructuring Officer gekommen, um diesen Prozess zu begleiten. Offenbar machte er seinen Job gut, oder man war mit seinem Vorgänger unzufrieden, jedenfalls trägt Ziegler nun die Gesamtverantwortung, auch für die aktuell 330 Angestellten. Er wolle „nach dem Standortwechsel Stabilität aufbauen“, schreibt er der SZ. „Diese Neuaufstellung war Grundlage für die nächste Phase des profitablen Wachstums von Schleich.“

Ziegler bringe Wissen aus der Konsumgüterindustrie und langjährige Erfahrung in der Neupositionierung und Umstrukturierung von Unternehmen mit, sagt die Sprecherin. Er ist in der Nähe von Schwäbisch Gmünd aufgewachsen, dort also, wo Schleich seine Wurzeln hat, und sagt, er habe früher mit seinen Kindern, heute mit seinen Enkelkindern mit den Figuren gespielt. Er will doch wohl nicht mit der Firma zurück in die Heimat? „Wir haben uns für den Standort München entschieden und bekennen uns dazu“, sagt er.

Am alten Firmensitz in Schwäbisch Gmünd stand ein Dinosaurier. Das Firmengelände ist jetzt, nun ja, ausgestorben.
Am alten Firmensitz in Schwäbisch Gmünd stand ein Dinosaurier. Das Firmengelände ist jetzt, nun ja, ausgestorben. Tobias Bug

In Schwäbisch Gmünd haben Familien jahrzehntelang von den Schlümpfen gelebt, von Mickymäusen oder Charlie Brown. Mutter bemalte die Kunststofffiguren, Vater fuhr sie aus, Tante kochte in der Kantine für die Belegschaft. Das ist nun vorbei. In den Sechzigern war Schleich weltweit bekannt geworden, weil es Charaktere aus populären TV-Serien, Biene Maja oder Lucky Luke, als Figuren in die Kinderzimmer gebracht hatte.

Heute ist der Spielwarenmarkt schwierig. 2024 ist der Markt in Deutschland um drei Prozent geschrumpft, wieder einmal. Auch der für Schleich wichtige US-Markt wächst nicht mehr. Donald Trumps Einfuhrzölle sind ein Problem, man musste deshalb schon die Preise in den USA anheben. Jetzt will Schleich dort mit gezielter Werbung bekannter werden. Außerdem brachte man dieses Jahr neue Kollektionen raus. Alles kommt nun aufs Weihnachtsgeschäft an, da macht Schleich die Hälfte seines Jahresumsatzes. Der neue Chef muss sich gleich beweisen in der neuen Heimat München.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: