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Schlecker-Tochter:Drogeriekette Ihr Platz ist pleite

Nach der Drogeriemarktkette Schlecker ist jetzt auch das Tochterunternehmen Ihr Platz insolvent. Schlecker hatte das Traditionsunternehmen 2007 übernommen. Davor war Ihr Platz bereits ein Mal zahlungsunfähig - und hatte eine erfolgreiche Sanierung hinter sich.

Die Schlecker-Tochter Ihr Platz ist pleite. Das Unternehmen habe am Donnerstag beim Amtsgericht Ulm den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens eingereicht, teilte Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit. Der Geschäftsbetrieb läuft demnach weiter.

Betroffen seien rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter, sagte ein Schlecker-Sprecher. Die "Ihr Platz"-Beschäftigten wurden am Morgen informiert. Am Montag hatte Schlecker selbst Insolvenz angemeldet. Ihr Platz war zunächst außen vor geblieben. Das Osnabrücker Unternehmen befinde sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, begründete der vorläufige Insolvenzverwalter Geiwitz den Schritt nun. Die Tochter solle Teil der Restrukturierung werden, deren Ziel der Erhalt des Gesamtunternehmens sei.

Schlecker nahm am Donnerstag den sogenannten Regelbetrieb wieder auf, nachdem sich Geiwitz und das Management am Mittwoch mit dem wichtigsten Gläubiger, der Einkaufsgemeinschaft Markant, geeinigt hatten. Das gilt auch für die nun insolvente Tochter.

Wie die Sanierung bei Ihr Platz damals funktionierte

Das Unternehmen war bereits einmal pleite - bislang galt die "Ihr Platz"-Sanierung allerdings als gelungen. Im Mai 2005 meldete die damals unabhängige Drogeriekette ihre Zahlungsunfähigkeit an und beantragte, ebenso wie Schlecker jetzt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Die Sanierung gelang, Schlecker übernahm die Traditionsfirma Ende 2007.

Die Probleme bei Ihr Platz damals ähnelten denen von Schlecker heute. 2004 verfügten die Osnabrücker über fast 700 Verkaufs- sowie 150 Franchise-Läden und beschäftigten laut den Sanierungsberatern von Alvarez & Marsal 8800 Mitarbeiter. Doch die Übernahme von 250 Drospa-Märkten der Parfümeriekette Douglas im Jahr 2000 erwies sich im Nachhinein als Fehlentscheidung. Weitere strategische Irrtümer folgten.

Binnen weniger Jahre brach der Umsatz von Ihr Platz von 1,2 Milliarden auf 700 Millionen Euro kurz vor der Insolvenz ein. Das 1895 aus der Seifenfabrik Frömbling hervorgegangene Unternehmen rutschte tief in die roten Zahlen.

Investmentbank übernahm Anteile der "Ihr Platz"-Gründerfamilie

Die Insolvenz in Eigenregie mit einem schlüssigen Sanierungskonzept brachte damals die Rettung. Die US-Investmentbank Goldman Sachs sprang Ihr Platz bei und übernahm die Anteile der Gründerfamilie. Ein Kredit sicherte die Fortführung des Geschäfts, 80 verlustreiche Filialen wurden geschlossen, mehr als 1000 Beschäftigte verloren ihren Job. Nach acht Monaten wurden die Osnabrücker aus der Insolvenz entlassen.

Ihr Platz veränderte auch sein Image. Aus schmuddeligen Ramschläden für Putzmittel und Seife wurden moderne Filialen mit einem breiten Angebot für Schönheit und Wellness. Schlecker kaufte sich mit Ihr Platz ein eigenes Premiumsegment. Den blau-weißen Schlecker-Filialen haftete dagegen weiter das Billigimage an, das die Tochter abgeschüttelt hatte. Ihr Platz hätte gezeigt, dass eine Planinsolvenz eine Möglichkeit ist, ein Unternehmen auf neue Füße zu stellen und so neue Perspektiven zu eröffnen, erklärten die Berater von Alvarez & Marsal.

Doch die heutige Situation ist anders. Schlecker ist mit knapp 7000 Märkten und mehr als 30.000 Beschäftigten eine ganz andere Größenordnung. Allein die enorme Größe war bereits eine Hürde für Investoren - jetzt kommt mit Ihr Platz auch noch eine weitere Baustelle für die Restrukturierung dazu.