Schlecker Bewährung für Anton Schlecker - Haftstrafen für Tochter und Sohn

  • Die Kinder des Drogerie-Unternehmers Anton Schlecker müssen in Haft. Das Landgericht Stuttgart verurteilte sie zu Strafen von mehr als zweieinhalb Jahren.
  • Gegen Anton Schlecker verhängte das Gericht eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie eine Geldstrafe in Höhe von 54 000 Euro.
  • Die Familie soll kurz vor der Insolvenz Vermögen abgezogen haben, um es vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen.
Von Stefan Mayr, Stuttgart, und Jan Schmidbauer

Das Landgericht Stuttgart hat den ehemaligen Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Gegen seine Kinder Lars und Meike verhängte das Gericht Haftstrafen. Lars Schlecker soll für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, seine Schwester Meike Schlecker für zwei Jahre und acht Monate, unter anderem wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrugs.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Familie ihrem Drogeriemarkt-Konzern vor der Insolvenz im Januar 2012 Vermögen entzogen hat, um es vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. "Alles deutet darauf hin, dass sie ab 2009 bereits damit gerechnet hatten und Vermögen gesichert haben", sagte der Vorsitzende Richter Roderich Martis in seiner Urteilsbegründung. Als eingetragener Kaufmann musste der heute 73-jährige Anton Schlecker mit seinem gesamten Privatvermögen für die Schulden des Konzerns haften. Unter anderem soll der Schlecker-Konzern viel zu hohe Stundensätze an die Logistik-Tochter LDG gezahlt haben, die Lars und Meike Schlecker gehörte. Damit habe die Familie der Kette Millionen Euro entzogen. Geld, das den Gläubigern schließlich fehlte.

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Der schwerste Vorwurf gegen Lars und Meike Schlecker bezog sich auf eine Gewinnausschüttung vom Januar 2012. Wenige Tage vor dem Insolvenzantrag des Schlecker-Konzerns ließen sich beide per Blitzüberweisung je 3,5 Millionen Euro von ihrem Unternehmen LDG auf Privatkonten transferieren. Für die Anklage ein klarer Fall von Untreue. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte für Anton Schlecker drei Jahre Gefängnis gefordert, Lars und Meike Schlecker sollten für 32 beziehungsweise 34 Monate in Haft. Gegen Anton Schlecker verhängte das Gericht neben der Bewährungsstrafe noch eine Geldbuße in Höhe von 54 000 Euro.

Noch im Jahr 2006 gehörte Schlecker mit 55 000 Mitarbeitern und 14 000 Filialen zu den großen Einzelhändlern in Europa und war der mit Abstand größte Drogerie-Konzern in Deutschland. Doch das Unternehmen reagierte zu spät auf Konkurrenten wie dm oder Rossmann, die mit größeren und moderneren Filialen immer besser bei den Kunden ankamen und im weiteren Verlauf auch günstigere Preise anbieten konnten als Schlecker.

Das Verfahren gegen Christa Schlecker wurde im Mai eingestellt

Im Januar 2012 meldete die "Anton Schlecker e. K." schließlich Insolvenz an - mehr als 20 000 Mitarbeiter verloren im weiteren Verlauf ihren Job. Meike Schlecker sagte auf einer Pressekonferenz, ihr Vater habe "alles in das Unternehmen eingebracht". Es sei "nichts mehr da". Daran aber weckte die Familie später selbst Zweifel, als sie zehn Millionen Euro in die Insolvenzmasse zurückzahlte. Kurz vor Ende des Bankrott-Prozesses legten die Schleckers dann nochmals drauf und überwiesen dem Insolvenzverwalter weitere vier Millionen Euro, die laut den Schlecker-Anwälten als "Schadenswiedergutmachung" gelten sollten. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz belaufen sich die Forderungen gegen Schlecker auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro.

Das Urteil gegen Anton Schlecker und seine Kinder ist noch nicht rechtskräftig, sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft können Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) beantragen. Der BGH würde keine neue Beweisaufnahme vornehmen, sondern die Entscheidung auf Rechtsfehler prüfen. Sollte er solche Fehler finden, müsste das Landgericht den Fall neu aufrollen. Sollte der BGH das Urteil bestätigen, wäre es rechtskräftig. Das Verfahren gegen Anton Schleckers Frau Christa, die wegen Beihilfe zum Bankrott vor Gericht stand, war bereits im Mai gegen Geldauflage eingestellt worden.

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