Schaeffler-Demo Wenn die Chefin feuchte Augen bekommt

Sie kam, sah und weinte: Rund 8000 Mitarbeiter sind für die hoch verschuldete Schaeffler-Gruppe auf die Straße gegangen - und rührten die Eigentümerin zu Tränen.

Unternehmenschefin Maria-Elisabeth Schaeffler hat in ihrem Leben schon einiges mitgemacht. Der viel zu frühe Tod ihres Mannes und die damit verbundene Übernahme der Chefposition in dem fränkischen Familienunternehmen, der große Deal mit dem Reiferhersteller Continental im August vergangenen Jahres, die daraus resultierende und durch die Finazkrise verschärfte finanzielle Schieflage des eigenen Konzerns - und nun das. Rund 8000 Schaeffler-Mitarbeiter sind am Mittwoch im bayerischen Herzogenaurach demonstrieren gegangen - und rührten die Eigentümerin zu Tränen.

Protest der Mitarbeiter: Tausende gingen am Mittwoch für Schaefflers Bitte nach staatlicher Unterstützung auf die Straße.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Demonstranten forderten staatliche Finanzhilfen für den Konzern. "Wir brauchen die Staatshilfe, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte Betriebsratschef Thomas Mölkner unter tosendem Applaus.

Vor der Kundgebung hatte sich die Firmenchefin für wenige Minuten vor dem Werkstor gezeigt. Schaeffler bedankte sich bei den Teilnehmern des Demonstrationszuges und winkte unter Tränen ihren Mitarbeitern zu. Doch die Chefin gab sich zugleich kämpferisch - und symbolisierte in bester Gerhard-Schröder-Manier mittels über den Kopf gereckten und ineinander verschlossen Händen Willensstärke.

Von den Demonstranten wurde sie mit Jubel empfangen. Die 67-Jährige umarmte daraufhin gerührt einen Mitarbeiter des Betriebsschutzes, der bereits seit mehr als 30 Jahren für das Unternehmen arbeitet.

Auch an anderen Schaeffler-Standorten in Höchstadt und Schweinfurt gab es Kundgebungen der Beschäftigten.

Sagen, was los ist

Betriebsratschef Mölkner forderte allerdings, dass die Finanzspritze des Bundes an eine Beschäftigungsgarantie für die deutschlandweit 80.000 Mitarbeiter geknüpft werden müsse. Außerdem müsse das Unternehmen endlich transparenter werden und sagen, was "eigentlich los ist", sagte er.

"Schaeffler ist nach Siemens und BMW der drittgrößte Arbeitgeber in Bayern", sagte Mölkner. Wenn das Unternehmen Pleite gehe, sei nicht nur die Region betroffen.

Der Erste Bürgermeister der Stadt, German Hacker, sagte, die Übernahme von Conti im Sommer 2008 sei ein "strategisch richtiger Schritt" gewesen, aber zur Unzeit. Schaeffler sei ein "kerngesundes", zukunftsfähiges Unternehmen.

Schaeffler hatte Conti für rund zehn Milliarden Euro übernommen, kann nach Angaben der IG Metall inzwischen die monatlich 70 Millionen Euro Zinsen für die Bankkredite kaum noch bezahlen. Wenn nicht in wenigen Monate neues Kapital in das Unternehmen fließe, drohe die Insolvenz.

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Ein Wechselbad der Gefühle