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Schadensersatzprozess:Kirch-Erben wollen Ermittlungsakten über Deutsche Bank haben

Tausende Dokumente hat die Münchner Staatsanwaltschaft bei der Deutschen Bank zum Fall Leo Kirch beschlagnahmt. Die Erben des Medienmagnaten fordern SZ-Informationen zufolge diese Unterlagen als Material für den Schadensersatzprozess gegen die Bank. Das Geldinstitut will das verhindern - und zieht einen Vergleich zum Fußball.

Die Erben des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch wollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe) die Ermittlungsakten der Münchner Staatsanwaltschaft über die Deutsche Bank haben. Das haben die Kirch-Erben über ihre Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner bei der Münchner Staatsanwaltschaft beantragt. Die Anwälte um den CSU-Politiker Peter Gauweiler wollen in den Akten nach Material suchen, das sie im Schadensersatzprozess beim Oberlandesgericht (OLG) München gegen die Deutsche Bank verwenden können. Die Bank will das verhindern.

Das OLG hat den Erben des 2011 verstorbenen Medienmagnaten Leo Kirch bereits Schadensersatz zugesprochen. Nun geht es darum, wie viel die Deutsche Bank zahlen soll für den nach Ansicht des OLG verwerflichen Umgang mit ihrem Kreditkunden Kirch vor dessen Pleite im Jahr 2002.

Das Geldinstitut soll versucht haben, den Kreditkunden Kirch kurz vor dessen Pleite im Jahr 2002 öffentlich unter Druck zu setzen, um ein lukratives Beratermandat zu erhalten. Später soll die Deutsche Bank versucht haben, dies dem OLG zu verheimlichen und insofern die Justiz zu täuschen. Der Finanzkonzern weist das zurück und kämpft bis hin zum Bundesgerichtshof darum, nichts zahlen zu müssen.

Bei der Deutschen Bank gibt man sich gelassen

Die Staatsanwaltschaft hat bei zwei Durchsuchungen der Deutschen Bank Tausende Dokumente beschlagnahmt: Mails, Vermerke, Vorstandspapiere und andere Unterlagen über den Streit mit Kirch. Die Strafverfolger ermitteln wegen versuchten Prozessbetruges gegen die Bank, gegen Jürgen Fitschen, der das Institut zusammen mit Anshu Jain leitet, gegen deren Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie gegen zwei weitere ehemalige Manager. Der Finanzkonzern und die Beschuldigten weisen alle Vorwürfe zurück und wollen der Akteneinsicht widersprechen. Das ist aus dem Kreise der Juristen zu hören, die das Institut und die Beschuldigten vertreten.

Erfahrungsgemäß dürfte die Staatsanwaltschaft dem Ansinnen der Kirch-Erben dennoch stattgeben. Dann könnten die Bank, Fitschen & Co. Einspruch beim Münchner Amtsgericht einlegen, das in solchen Fällen aber dazu neigt, die Akteneinsicht zu gewähren. Die Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner ist bereits an die Ermittlungsakten um mutmaßliche Korruption in der Formel 1 gekommen und kann die Unterlagen nun für den Schadensersatzprozess einer Kirch-Firma gegen Renn-Boss Bernie Ecclestone in London nutzen. Leo Kirch war vor seiner Pleite Hauptaktionär der Formel 1. Seine Erben fühlen sich betrogen von Ecclestone, der das zurückweist.

Genauso wie bei der Formel 1 könnten die Kirch-Erben nun auch an die Bank-Akten kommen. Im Geldinstitut gibt man sich gelassen. Da sei nichts Belastendes dabei. Im Kreise der Anwälte der Deutschen Bank und ihrer (Ex-)Manager wird indes auf einen gravierenden Nachteil hingewiesen. Die Ermittlungsakten enthalten auch Korrespondenz zwischen der Bank, den Beschuldigten und deren Anwälten. Falle das der Kirch-Seite in die Hände, dann erfahre diese alles über die Prozesstaktik der Bank. Das wäre so, als könnte der Trainer von Bayern München, Pep Guardiola, vor dem Spitzenspiel bei den Dortmunder Borussen in zwei Wochen deren Mannschaftsbesprechung belauschen. Dann wüssten die Bayern alles über die Taktik des Gegners.

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© Süddeutsche.de/sks

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