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SAP:Optimismus ist hier Pflicht

FILE PHOTO: SAT CEO Bill McDermott speaks at the Viva Tech start-up and technology summit in Paris

Der Amerikaner Bill McDermott ist der Vorstandschef von SAP. Seit einem Unfall trägt er in der Öffentlichkeit eine dunkle Brille.

(Foto: Charles Platiau/Reuters)

Der deutsche Software-Konzern SAP erhöht die Prognose, die Aktie steigt deutlich. Und nun steigt auch noch der Finanzinvestor Elliott ein.

Für Zurückhaltung und Bescheidenheit ist Bill McDermott, 57, nicht gerade bekannt. Der Amerikaner, der seit 2010 Vorstandschef des Softwareunternehmens SAP ist, strotzt vielmehr vor Optimismus. Vor zwei Wochen erst kündigte er an, dass sich der Börsenwert des Konzerns in den nächsten Jahren verdoppeln soll. Ein anspruchsvolles Ziel.

An diesem Mittwoch ist McDermott dem jedenfalls ein Stückchen näher gekommen: Die SAP-Aktie legte um mehr als 14 Prozent auf rund 116 Euro zu. Europas größte Softwarefirma mit Sitz im kleinen Ort Walldorf in Baden-Württemberg ist nun gut 140 Milliarden Euro wert - und damit das mit Abstand teuerste deutsche Börsenunternehmen. Dahinter folgen Siemens und Allianz, die es jeweils auf etwa 90 Milliarden Euro bringen.

Der aktuelle Kurssprung hatte gleich mehrere Gründe: Zum einen setzte McDermott die Ziele hoch, auch wenn im abgelaufenen Quartal zum ersten Mal seit langem wieder ein Verlust erwirtschaftet wurde. Unterm Strich belief sich das Minus in den ersten drei Monaten 2019 auf 108 Millionen Euro nach 708 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Finanzchef Luka Mucic veranschlagte aber alleine für den Umbau im ersten Quartal 886 Millionen Euro. Das dürfte den Angaben zufolge der Großteil der Kosten sein. Er rechne in den Folgequartalen nicht mehr mit Anpassungen, sagte Mucic - und für das Gesamtjahr 2019 mit einem hohen Gewinn. Die Umbaukosten herausgerechnet lief das Quartal für den Konzern sogar so gut, dass Vorstandschef McDermott seine Gewinnprognosen erhöhte. Die Umsätze legten, angetrieben durch das stark wachsende Geschäft mit Mietsoftware aus dem Internet, um 16 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu.

Zum anderen gab der Finanzinvestor Elliott bekannt, dass er an SAP eine Beteiligung für rund 1,2 Milliarden Euro erworben habe, das sind weniger als ein Prozent der Aktien. Elliott, gegründet von dem New Yorker Investor Paul Singer, gilt als aggressiv, er mischt sich immer wieder in die Strategie von Unternehmen ein und drängt den Vorstand dann zu weitreichenden Schritten. Zuletzt war Elliott etwa bei Thyssenkrupp eingestiegen, daraufhin gingen Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Chefaufseher Ulrich Lehner, die Firma gab zudem ihre Aufspaltung bekannt.

Was Elliott bei SAP vorhat, ist unklar. Der Investor schlug jedoch ungewohnt sanfte Töne an. "Wir sind davon überzeugt, dass das Management-Team von SAP auf ein sehr erfolgreiches Ergebnis zusteuern kann", teilte Elliott-Partner Jesse Cohn mit. Das Engagement sorgte bei den Anlegern für Fantasie. In den USA ist Elliott unter anderem am Online-Händler Ebay oder am Computerbauer Dell beteiligt.

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