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Neue SAP-Chefin:Die Berufung von Jennifer Morgan ist ein Durchbruch

SAP-Chef McDermott tritt überraschend zurück

Es ist wichtig, dass junge Menschen sehen, dass Chefs auch Frauen sein können und eine Jennifer genauso bedeutend sein kann wie ein Thomas.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Die Amerikanerin rückt als erste Frau an die Spitze eines Dax-Konzerns. Das war längst überfällig - und es ist kein Zufall, dass ausgerechnet SAP diesen Schritt geht.

Herbert, Hans, Heinrich, Harald. Bernd, Carsten oder Thomas. So heißen sie, die wichtigsten Manager des Landes, die Gesichter der Deutschland AG. Jetzt ist ein neuer Name hinzugekommen: Jennifer. Wenn man eine dieser Aufgaben aus Intelligenztests lösen müsste, bei denen man den unpassenden Begriff in einer Wortreihe finden soll, man täte sich leicht. Der Name Jennifer passt nicht in die Reihe. Jennifer Morgan ist eine Frau. Die einzige Frau.

Noch nie in der deutschen Geschichte war eine Frau Chefin eines der 30 Dax-Konzerne. Schon immer waren knapp mehr als die Hälfte der Bevölkerung Frauen. Frauen in Führungspositionen haben es weltweit schwer, es bis ganz an die Spitze zu schaffen - und in Deutschland ganz besonders. Über Jahrzehnte hinweg gab es mehr Chefs mit Namen Thomas als Frauen in den Vorstandsetagen der Börsenkonzerne. Deutschland war eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich. Das ist nicht nur peinlich, sondern ärgerlich, teuer und demotivierend.

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Vorstand

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Fast zehn Jahre lang stand Bill McDermott als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns. Seine Nachfolge steht schon fest.

Eine Frau hat es nun an die Spitze eines Dax-Konzerns geschafft. Jennifer Morgan teilt sich den Chefposten beim Softwarekonzern SAP mit einem Mann, Christian Klein. Das schmälert nicht, was ihre Berufung bedeutet: einen Durchbruch. Dax-Vorstandschefs und -chefinnen sind Wirtschaftspromis. Sie werden gefragt, wenn es darum geht, die Meinung der Wirtschaft zu den großen Themen einzuholen, die Deutschland bewegen. Wenn Kinder das Wort Chef hören, denken sie an sie, die Chefs aus den Nachrichten. Wenn sich junge Menschen entscheiden, Betriebswirtschaft zu studieren oder nach dem Studium eine Karriere in einer Firma anzustreben, blicken sie zu ihnen auf.

Es ist wichtig, dass sie sehen, dass Chefs auch Frauen sein können und eine Jennifer genauso bedeutend sein kann wie ein Thomas. Vorbilder sind wichtig. Es ist nicht zu unterschätzen, was es für kleine Mädchen bedeutet, wenn eine Chefin so aussieht wie ihre Mama - und wie sie selbst einmal aussehen werden. Wenn eine es geschafft hat, kann es auch die nächste schaffen. Vorbilder machen Mut.

Firmen mit mehr Frauen in Führungspositionen verdienen mehr Geld

Zunächst geht es also um ein Symbol. Dieses Symbol wird nicht von heute auf morgen die verkrustete Führungskultur in den großen Konzernen ändern. Es ist kein Zufall, dass es dort so wenige Frauen gibt. Viele wollen sich Arbeitsumfelder nicht antun, bei denen es so sehr auf Ellenbogen ankommt. Und die, die wollen, werden auf ihrem Weg dorthin diskriminiert. Daran müssen die Konzerne arbeiten. Und zwar nicht allein aus moralischen Gründen, sondern weil Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen, generell mit mehr Diversität, mehr Geld verdienen, das haben etliche Studien bewiesen. SAP hat seit Jahren schon viele Programme, um Frauen zu fördern. Es ist kein Zufall, dass das Unternehmen nun das erste im Dax mit Chefin wird. Auch die Politik muss ihren Beitrag leisten und Regeln abschaffen, die Frauen in die Geringverdienerecke drängen, vor allem das verhasste Ehegattensplitting.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass Jennifer Morgan Amerikanerin ist. Sie stammt aus einer anderen Wirtschaftskultur. In den USA gibt es seit Langem Chefinnen, die es können. Wenn Mädchen nach Vorbildern suchen, finden sie welche, die aussehen und heißen wie sie: Jennifer, Mary, Lisa und so weiter.

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Jennifer Morgan wird als SAP-Co-Chefin die erste weibliche Vorstandsvorsitzende bei einem Dax-Unternehmen. Dieses Vorbild sei wichtig, kommentiert SZ-Autorin Kathrin Werner. Wenn eine es geschafft habe, könne es auch die nächste schaffen.