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SAP:Auf Wolke sieben

SAP Bilanzpressekonferenz, Christian Klein

Fing als Student bei SAP an und ist heute Vorstandschef: Christian Klein.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Die Geschäfte von SAP laufen deutlich besser als erwartet, Konzernchef Klein hat die Prognosen deshalb überraschend nach oben gesetzt. Vor allem das Cloudgeschäft läuft gut.

Von Caspar Busse, München

Überraschungen, ob positive oder negative, mögen sie an den Finanzmärkten eigentlich gar nicht. Investoren und Anleger, vor allem wenn sie langfristig orientiert sind, bevorzugen eher Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Damit aber kann Europas größter Softwarekonzern SAP, mit knapp 140 Milliarden Euro auch Deutschlands wertvollstes Börsenunternehmen, gerade nicht dienen.

In der Nacht zum Mittwoch etwa gab SAP-Chef Christian Klein, 40, überraschend neue Zahlen bekannt. Die sind besser als erwartet ausgefallen, und das trotz der weiter anhaltenden weltweiten Corona-Pandemie. "Wir verzeichnen ein sehr starkes Wachstum bei allen unseren Anwendungen und stehen dabei erst am Anfang", sagt er und setzte deshalb die Prognose für das Gesamtjahr 2021 nach oben. "Das erste Quartal 2021 war in vielerlei Hinsicht einzigartig", fügte Finanzvorstand Luka Mucic an. Beim Auftragseingang für das Cloudgeschäft und bei Softwarelizenzen habe SAP das höchste Wachstum seit fünf Jahren verzeichnet, das Ergebnis und die operative Marge seien sogar so stark gestiegen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Aktie legte daraufhin deutlich zu, zwischenzeitlich um rund fünf Prozent.

Im vergangenen Jahr sah das noch ganz anders aus. Klein, der 1999 als Student bei SAP anfing und seit Ende 2019 Vorstandschef ist, musste 2020 zweimal die Prognose senken. Im Oktober 2020 erwischte er damit die Anleger kalt, denn die hatten damit überhaupt nicht gerechnet. Die Aktie ging damals auf einen Schlag um 20 Prozent nach unten, der Börsenwert reduzierte sich in sehr kurzer Zeit um rund 30 Milliarden Euro. Seitdem geht es zwar wieder schrittweise nach oben, noch ist die Aktie aber ein gutes Stück von den Höchstständen entfernt.

Schlecht für SAP: Es wird weniger gereist

Die Pandemie belastet auch SAP, vor allem die weltweiten Reisebeschränkungen. Denn das Unternehmen aus Walldorf in Baden-Württemberg bietet mit Concur eine Software für Reisekostenabrechnungen an, die derzeit aber kaum genutzt wird. Auf der anderen Seite profitiert SAP aber sehr vom Trend zur Digitalisierung, immer mehr Geschäftsabläufe werden per Software erledigt. Die Firmen nutzen dabei vermehrt die Cloud, dabei kommen Daten und Software online sozusagen "aus der Wolke" und liegen nicht auf den eigenen Rechnern. Dies hilft beispielsweise der börsennotierten SAP-Tochter Qualtrics, aber auch Konkurrenten wie Salesforce aus San Francisco.

Klein will SAP zu einem reinen Cloud-Anbieter machen und bietet den rund 400 000 Firmenkunden weltweit ein neues Programm zur umfassenden Geschäftstransformation an, das den Namen "SAP Rise" trägt. Damit will er mehr Kunden in die Cloud locken und zu einer Umstellung von den bisher angebotenen Lizenzprodukten hin zu gemieteten Anwendungen im Netz bewegen, die mehr Ertrag bringen. SAP sprach jetzt von einem "starken Start" für das Angebot.

Im vergangenen Jahr war das traditionelle Geschäft mit Lizenzen bereits deutlich zurückgegangen. Gerade erst hatte SAP bekannt gegeben, dass das wichtige Geschäft mit Finanzdienstleistungen ausgegliedert werde. Künftig kooperiere man dafür mit der Münchner Beteiligungsgesellschaft Dediq. Bereits jetzt zählt SAP nach eigenen Angaben mehr als 1000 Banken und mehr als 500 Versicherungskunden, macht aber den größten Teil des Umsatzes mit breit anzuwendenden Softwarelösungen. Die neue Kooperation soll nun Anwendungen für die spezifischen Bedürfnisse der Banken- und Versicherungsbranche entwickeln.

SAP-Chef McDermott tritt überraschend zurück

Als Bill McDermott (Mitte) 2019 als SAP-Chef ging, folgten ihm Jennifer Morgan und Christian Klein, die Amerikanerin schied dann nach wenigen Monaten aus.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Für Unruhe hatten zuletzt auch ständige Wechsel im Vorstand von SAP gesorgt. Der Amerikaner Bill McDermott gab im Oktober 2019 überraschend seinen Rücktritt bekannt, als Nachfolger wurde ein gleichberechtigtes Führungsduo aus Klein und Jennifer Morgan eingesetzt. Doch die Amerikanerin schied nach nur wenigen Monaten wieder aus, seitdem führt Klein den Konzern allein. Anfang des Jahres schied dann Adaire Fox-Martin aus, sie war seit 2017 im Vorstand. SAP liege mit seiner Strategie nun "genau auf Kurs", sagte Klein. Ob das wirklich so ist, muss er in den nächsten Monaten beweisen. Dann kehrt auch das Vertrauen zurück.

© SZ
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