SAP:Frau verdient mehr als Mann

SAP SE co-CEO Morgan and co-CEO Klein attend the company's annual results press conference in Walldorf

Co-Chefs bei SAP: Christian Klein (links) und Jennifer Morgan.

(Foto: Ralph Orlowski/Reuters)

Jennifer Morgan, die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens, bekommt bei SAP mehr Geld als ihr Co-Chef. Ihr Vorgänger schlägt sie aber beide: Er erhielt ungefähr 1733 Euro pro Stunde.

Von Stefan Mayr, Stuttgart

Bill McDermott hat im vergangen Jahr 15 176 900 Euro verdient. Das sind 1,26 Millionen pro Monat und 41 580 pro Tag. Bei einem Zwölf-Stunden-Tag betrug der Stundenlohn des 58-jährigen US-Amerikaners 3466 Euro. Damit dürfte der ehemalige Chef des Software-Konzerns SAP auch 2019 der bestbezahlte Dax-Boss gewesen sein. Obwohl der US-Amerikaner seinen Chefposten im Oktober überraschend geräumt hatte, bekam er im Vergleich zu 2018 noch mehr Geld überwiesen. Dabei profitierte er allerdings von einem Aktienoptionen-Programm aus dem Jahr 2015, das zum Ende 2019 wirksam wurde - und ihm 10,3 Millionen aufs Konto spülte.

Seine beiden gleichberechtigten Nachfolger Jennifer Morgan und Christian Klein erhielten viel weniger als McDermott. Dabei erhielt die US-Amerikanerin etwas mehr als ihr deutscher Co-Chef: Morgan flossen 1,97 Millionen Euro zu, Klein dagegen 1,85 Millionen. Die Diskrepanz liegt nicht etwa an einer Gender-Pay-Gap zugunsten der Frau, sondern an ihrer Altersversorgung als US-Amerikanerin. Ihr überwies SAP zusätzlich einen sechsstelligen Betrag für einen externen Versorgungsplan.

Was beim ersten Blick auf den SAP-Vergütungsbericht überrascht: Mit ihrer Eins vor dem Komma würden die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens und der derzeit jüngste Dax-Boss in der Rangliste aller Dax-Chefs ziemlich weit hinten landen. Dies wäre dann doch kurios, schließlich ist SAP mit einem Börsenwert von 145 Milliarden Euro der wertvollste aller 30 Dax-Konzerne. Aber Morgan, 48, und Klein, 39, werden sicherlich nicht als hoffnungslos unterbezahlte Vorstandsvorsitzende enden. Erstens haben sie den Vorstandsvorsitz ja erst im Oktober übernommen, deshalb wirken sich ihre Chef-Bezüge nur gering auf das Jahresgehalt aus. Zweitens können beide langfristig noch mit zusätzlichen Boni für 2019 rechnen. Diese könnten - im Idealfall - bis zu 13 Millionen Euro betragen. Hierfür müssten aber alle Kriterien wie Aktienkurs, Rendite und Mitarbeiter-Zufriedenheit zu 140 Prozent übererfüllt werden. Realistisch ist eher eine Zusatzzahlung in Höhe von jeweils drei Millionen Euro.

Für Hasso Plattners neuen Monet müsste Bill McDermott sieben Jahre lang arbeiten

Bei der Hauptversammlung am 19. Mai könnte das hohe Gehalt McDermotts wieder kritisch angesprochen werden. Allerdings wird als noch viel größeres Problem derzeit die Unzufriedenheit der Kunden erachtet. Nach den zahlreichen Zukäufen anderer Unternehmen unter Bill McDermotts Ägide ließ die Integration der verschiedenen Software-Angebote auf sich warten, die Beschwerden der Anwender häuften sich. Darauf hat der SAP-Mitgründer und Aufsichtsrats-Vorsitzende Hasso Plattner reagiert. Er baute den Vorstand gründlich um und bündelte Vertrieb und Service in einem neuen Ressort namens "Kundenerfolg".

Als Oberaufseher erhält Plattner übrigens eine Vergütung von 328 000 Euro. Das reicht dem 76-Jährigen völlig, denn als größter Einzelaktionär (5,9 Prozent) profitiert er von der abermals erhöhten Dividende von 1,58 Euro pro Aktie. Das brachte ihm etwa 114 Millionen Euro ein. Zuletzt machte der Milliardär Schlagzeilen mit einer ganz speziellen Akquisition: Seine Stiftung ersteigerte das Gemälde "Meules" des Impressionisten Claude Monet für den Rekordpreis von 110,7 Millionen US-Dollar und stellte es für die Ausstellung "Monet.Orte" im Potsdamer Barberini-Museum zur Verfügung. Während Plattner das Kunstwerk mit der kommenden Dividenden-Ausschüttung bezahlen kann, müsste Bill McDermott etwa siebeneinhalb Jahre dafür arbeiten - vorausgesetzt, er verdient im neuen Job ähnlich gut.

© SZ vom 28.02.2020
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