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Sanierungskurs:Lufthansa überrascht die Anleger

Hohe Treibstoffpreise und Wirtschaftsflaute: Für Fluggesellschaften ist das Geschäft schwierig geworden. Umso größer ist nun die Überraschung an der Börse, dass die Lufthansa unerwartet gute Zahlen präsentiert. Zugleich deutet sich an, warum Berlin für das Unternehmen künftig eine größere Rolle spielen könnte.

Gut, gemessen an ihren einstigen Höchstständen von fast 30 Euro ist die Lufthansa-Aktie mit ihrem Kurs von gut zehn Euro nur noch ein Schatten ihrer selbst: Aber immerhin: An diesem Donnerstag geht es kräftig bergauf - zeitweise steigt das Papier um mehr als drei Prozent. Was die Lufthansa in den letzten drei Monaten erreicht hat, gefällt den Investoren offenbar.

Rückblende: Noch vor wenigen Wochen kannte die Aktie nur einen Weg: abwärts. Die größte deutsche Fluggesellschaft legte ein Sparprogramm auf, das eine Verkleinerung der Flotte und die Streichung von 2500 Jobs in der Verwaltung der deutschen Standorte vorsieht.

Berlin zahlt mehr

Der Lohn: In den vergangenen Monaten hat sich die Airline gut geschlagen: Im zweiten Quartal lag der Gewinn aus dem gewöhnlichen Geschäft bei 361 Millionen Euro - ein Plus von 27,6 Prozent binnen Jahresfrist. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 6,4 Prozent auf 7,89 Milliarden Euro zu. Im Quartal zuvor hatte die Airline einen Verlust von 381 Millionen Euro eingefahren. Darum bleibt auf das Halbjahr gerechnet immer noch ein Minus von 20 Millionen Euro.

Experten hatten zwar jetzt ein Plus erwartet, ihre Schätzungen gingen aber im Schnitt nur von 261 Millionen Euro aus. Nach Angaben des Unternehmens waren vor allem die Geschäfte der Servicegesellschaften sowie Sanierungserfolge bei der kriselnden Tochter Austrian Airlines für die guten Zahlen verantwortlich.

Der Konzerngewinn insgesamt schrumpfte allerdings um 23,9 Prozent auf 229 Millionen Euro. Lufthansa strebt im Gesamtjahr weiterhin einen Gewinn aus dem gewöhnlichen Geschäft im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich an. Etwaige Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem laufenden großen Sparprogramm sind darin jedoch eben nicht enthalten.

Der Sanierungskurs, den Lufthansa-Chef Christoph Franz und Vorstandsmitglied Carsten Spohr eingeleitet haben, sieht auch die Bildung einer neuen Fluggesellschaft vor, die aus dem Billiganbieter Germanwings und dem Großteil des Lufthansa-Verkehrs in Europa entstehen soll. Damit soll das derzeit defizitäre Europa-Geschäft wieder profitabel gemacht werden.

Wie die neue Airline heißen wird, ist noch unklar, aber es zeichnet sich offenbar ab, wo sie ihren Sitz haben könnte: Am Großflughafen Berlin-Brandenburg, der nach derzeitiger Planung im März 2013 in Betrieb gehen soll.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, favorisiere der Konzern den Standort Berlin, weil dort mit erheblichen staatlichen Investitionsbeihilfen zu rechnen sei - anders als in Köln, wo die Lufthansa-Tochter Germanwings bisher ihren Sitz hat.

Für den Flughafen Berlin-Brandenburg wäre es nach einer Serie von Pleiten und Pannen eine Erfolgsmeldung. Bereits zweimal musste die Eröffnung des Großflughafens wegen Mängel beim Brandschutz verschoben werden und selbst der jetzt anvisierte Termin im Frühjahr kommenden Jahres gerät immer mehr in Gefahr, wie der Berliner Regierende Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit einräumte.

Wie es in dem Bericht heißt, soll Ende August entschieden werden, ob die neue Gesellschaft tatsächlich nach Berlin kommt.

© Süddeutsche.de/Reuters/olkl/hgn
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