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Sanierung:Karstadt schließt sechs Filialen

Sitzung des Karstadt-Aufsichtsrats

Was wird aus Karstadt? Die Geschäfte laufen schlecht, nun berät der Aufsichtsrat über harte Einschnitte.

(Foto: dpa)

Die Sanierung von Karstadt wird schmerzhaft. Das Management will sechs Filialen schließen. Und eine Verschmelzung mit dem Konkurrenten Kaufhof könnte eines Tages doch noch Wirklichkeit werden.

René Benko weiß unnötigen Aufruhr zu vermeiden. Als Anfang der Woche durchsickerte, dass möglicherweise bald mehr als 20 der 83 Karstadt-Häuser schließen müssen, hatte der neue Eigentümer einen kleinen Trost parat: Die berühmte Filiale in Wismar, das erste Karstadt-Haus überhaupt, sei nicht darunter.

Dort, im Mecklenburgischen, eröffnete Rudolph Karstadt als 25-Jähriger am 14. Mai 1881 sein erstes Geschäft, das "Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft C. Karstadt" - ein Haus mit großer Tradition. Als Investor, der sich auf Handelsimmobilien spezialisiert hat, kennt Benko eben die Sensibilitäten und den Stolz der Branche.

Das Management will sechs Filialen schließen

Doch allzu viel Rücksicht kann der 37-jährige Österreicher darauf nicht nehmen: Karstadts Geschäfte laufen nach wie vor schlecht. Die beiden zurückliegenden Geschäftsjahre brachten erneut hohe Verluste, und auch das Weihnachtsquartal hat schleppend begonnen.

Auf seiner mit Spannung erwarteten Sitzung am Donnerstag beschloss der Aufsichtsrat harte Einschnitte, um die Kaufhauskette zu retten. 2000 Arbeitsplätze sollen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wegfallen, sechs Filialen geschlossen werden: Zwei klassische Warenhäuser, eines in Hamburg-Billstedt und eines in Stuttgart, sollen schon per 30. Juni 2015 aufgegeben werden. Betroffen seien auch die auf junge Mode spezialisierten Karstadt-Ableger "K-Town" in Göttingen und Köln sowie Schnäppchenmärkte in Paderborn und Frankfurt/Oder. Das könnte laut Insidern weitere 400 Stellen kosten. Zudem gebe es 20 Filialen, die so hohe Verluste schreiben, dass dies auf Dauer nicht hinnehmbar sei, verlautete aus der Sitzung, die bis in den späten Abend hinein dauerte.

"Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern", erklärte Stephan Fanderl, der wie erwartet zum neuen Karstadt-Chef ernannt wurde. Verdi übte an den Beschlüssen harsche Kritik: "Für die Beschäftigten ist das heute ein bitterer Tag. Erneut werden sie für die Managementfehler der letzten Jahre bestraft." Entlassungen und Filialschließungen seien der falsche Weg.

Als Diskussionsgrundlage diente den Kontrolleuren ein Sanierungs- und Konzeptpapier mit über 100 Seiten, das die 83 Filialen in solche mit und solche ohne große Zukunft einteilt. Die Häuser mit Perspektive sollen nach Benkos Plänen dem Vernehmen nach mittelfristig in zwei Kategorien einsortiert werden. "Erlebnishäuser" für größere Städte und "Kaufhäuser der Stadt" für kleinere, die den täglichen Bedarf abdecken sollen. Lebensmittelabteilungen, Restaurants, Coffeeshops und Friseure - all das soll künftig wieder möglichst überall bei Karstadt zu finden sein. Karstadt äußerte sich dazu nach der Sitzung nicht konkret. "Wir haben mit unserem neuen Gesellschafter aber auch in kürzester Zeit ein Zukunftskonzept erarbeitet, mit dem wir nach erfolgreicher Sanierung das Unternehmens strategisch neu ausrichten werden", sagte Fanderl. Bereits im Frühjahr und Sommer sollen einzelne der neuen Warenhaus-Formate an den Start gehen. Darüber hinaus würden alle Prozesse im Unternehmen optimiert und angepasst, hieß es nach der Sitzung.

Ein solcher Umbau würde teuer, ebenso wie mögliche Schließungen von Filialen. Für Sozialpläne und die Beendigung von Miet- und Lieferverträgen veranschlagen Handelsexperten zehn bis 15 Millionen Euro pro Filiale. Insgesamt könnten mittelfristig über 4000 der 17 000 Arbeitsplätze bei Karstadt verloren gehen.

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Fanderl wird nun derjenige sein, der dieses Sanierungskonzept umsetzen muss. Sein Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze wird der Benko-Vertraute Wolfram Keil. "Wir stehen erst am Anfang eines langen Prozesses. Karstadt steht vor einem tief greifenden und umfassenden Wandel", machte der Chefaufseher deutlich. Die Pläne müssten nun mit den Arbeitnehmervertretern beraten und verhandelt werden.

Kaufhof soll für Benko eine wichtige Option sein

Bei all den unangenehmen Diskussionen um Jobabbau und harte Sanierung könnte es Benko ganz gelegen kommen, dass am Donnerstag ein alter Plan neue Aktualität bekam: die deutsche Warenhaus AG. Wie die Lebensmittel-Zeitung meldete, soll Benko bereits an den Mutterkonzern des Konkurrenten Kaufhof und seinen Großaktionär Haniel herangetreten sein, um für eine Übernahme zu werben.

2,5 bis 2,7 Milliarden Euro will er dem Bericht zufolge für Kaufhof bezahlen. Gleichzeitig sei auch ein Finanzinvestor interessiert. Benkos Immobilienholding Signa dementierte jedoch: "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH."

Dass Kaufhof für Benko eine wichtige Option ist, gilt in der Branche dennoch als ausgemacht. Die Finanzierung dürfte angesichts Benkos potenter Geldgeber, etwa aus Abu Dhabi, dieses Mal kein Problem sein, hieß es in informierten Kreisen.

Auf Dauer sei ohnehin für zwei konkurrierende Warenhausketten in Deutschland kein Platz. Fraglich sei aber, ob Metro zum jetzigen Zeitpunkt schon bereit sei, den profitablen Kaufhof mit einem maroden Wettbewerber fusionieren zu lassen. Metro wollte sich zu den Informationen nicht äußern.