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Sanierung:Hoffnung für Tom Tailor

Tom Tailor bekommt mit Geldspritze etwas Luft

Sowohl beim Image als auch bei der Finanzierung hat Tom Tailor Probleme. Der chinesische Investor Fosun soll Abhilfe schaffen.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Die angeschlagene Modekette nähert sich einer langfristigen Finanzierung.

Von Veronika Wulf

Mit seinem Markenimage hat Tom Tailor schon länger zu kämpfen. Die deutsche Modekette will nah dran sein am neusten Trend, auch junge Menschen ansprechen und dabei einigermaßen preiswert sein. In Online-Foren wird sie allerdings als "bieder" beschrieben, als "typische Katalogware" und "immer eine Saison hinterher. Oder zwei. Oder drei." Wirtschaftlich sah es nicht besser aus in jüngster Zeit, auch wenn das börsennotierte Unternehmen damit unter den deutschen Modemarken nicht allein ist; Gerry Weber hat einen Insolvenzantrag gestellt, und Esprit wurde ebenso wie Tom Tailor einem harten Sanierungsplan unterzogen.

Nun kommt Tom Tailor immerhin einer längerfristig gesicherten Finanzierung näher. Die angeschlagene Firma, die Mode für Damen, Herren und Kinder sowie Heimtextilien verkauft, hat sich mit ihren Konsortialbanken und dem chinesischen Mehrheitsaktionär Fosun auf eine neue Finanzierungsstruktur verständigt. Das hat das Unternehmen am Mittwoch an seinem Sitz in Hamburg bekanntgegeben.

Die neue Vereinbarung hat demnach eine Laufzeit bis Ende September 2022 und ein Gesamtvolumen von 365 Millionen Euro. Damit solle die langfristige Finanzierung des Unternehmens gesichert werden. Sicher ist die Zusage allerdings noch nicht, hieß es. Bis Ende Oktober solle sie endgültig stehen. Auf den Kurs hatte die Nachricht eine positive Auswirkung: Die Tom-Tailor-Aktie legte um 0,7 Prozent zu.

Zudem korrigierte die Modekette ihre vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Denn: Die Rückstellungen mussten erhöht werden, weil das Unternehmen künftig mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung rechnet. So senkte Tom Tailor den erwarteten endgültigen Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 70,6 auf 64 Millionen Euro. Erhöht wurde dagegen der operative Verlust der Tochterfirma Bonita, die Damenbekleidung für sogenannte "Best-Ager" vertreibt: Anstatt der angekündigten 24,6 sollen hier nun 38,2 Millionen Euro fehlen.

Das Tochterunternehmen, das Tom Tailor vor acht Jahren übernommen hat, macht der Modekette zu schaffen. Ein Verkauf war zuletzt gescheitert.

Immerhin hat Tom Tailor im Kampf ums Überleben zuletzt ein wenig Zeit gewonnen: Im August haben die Konsortialbanken ihre Übergangsfinanzierung erst bis Mitte September, dann bis Ende Oktober verlängert. Währenddessen kriselt es auch personell: Der Aufsichtsrat führe mit Vorstandschef Heiko Schäfer und Finanzvorstand Thomas Dressendörfer Gespräche "hinsichtlich des vorzeitigen Ausscheidens aus der Gesellschaft", teilte das Unternehmen mit. Nach Aussagen aus Firmenkreisen sei dies "völlig unabhängig von der Lage des Unternehmens".

© SZ vom 10.10.2019
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